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Ilmenau

Nur Schlechtwetter ist gut für Stauseen

Vor 30 Jahren wurde die Talsperre Heyda offiziell in Betrieb genommen. Nur sehr langsam konsolidiert sich jetzt - trotz "schlechten" Wetters - die Pegelhöhe nach dem riesigen Trockenzeit-Defizit von über 1,40 Metern.



Outdoor-Freizeit-Trost: Nur schlechtes Wetter ist - noch für sehr lange Zeit - gutes Wetter für den Heydaer Stausee. Fotos (3): Klaus-Ulrich Hubert
Outdoor-Freizeit-Trost: Nur schlechtes Wetter ist - noch für sehr lange Zeit - gutes Wetter für den Heydaer Stausee. Fotos (3): Klaus-Ulrich Hubert   » zu den Bildern

Heyda - Der Stausee lockt derzeit bei fast jedem Wetter mit seinen so noch nie erlebten, besonders breiten Sand- und Baumstümpfestränden zu Erkundungsspaziergängen in die Folgen sommerlicher Dauer-Trockenheit. Dem Klimaextrem geschuldetet entdecken Spaziergänger derzeit die ursprünglichen topografischen Landschaftsprofile aus Zeiten vor dem Anstau Ende der 1980er Jahre wieder. Die Talsperre wurde mit einem homogenen Erddamm aus Ton und Schluff - übrigens samt 200 Meter breitem Nebendamm am Südufer - und dem 16 Meter hohen Überlaufbauwerk mit drei Hauptzielen von der DDR errichtet: Hochwasserschutz, Brauchwasser für Industrie und Landwirtschaft im Bezirk Erfurt sowie Niedrigwasseraufhöhung im Unterliegerbereich der Wipfa.

Gespenstische Anblicke

Inoffiziell aber sehr nahe liegend und volkstümlich ausgedrückt galt ein Deal zwischen den SED-Bezirksleitungs-Chefs Suhl (Albrecht) und Müller (Erfurt): "Wir haben hier oben das Wasser, ihr dort unten die Gemüsefelder, tun wir uns zusammen." Ansätze, die längst Geschichte sind, seit offenbar billigere Eigenwasserversorgungen aus Grundwasserbrunnen seit der Wiedervereinigung boomten; bei der Trockenheit 2018 dann jedoch buchstäblich auf dem Trockenen saßen... Eine über Monate währende Trockenheit, die den planmäßigen, auf langjährigen Erfahrungen bauenden Sommerstauzielen in Heyda heftig zusetzte. Indiz dafür ist beispielsweise auch die alte, aufgeschotterte Waldstraße von Bücheloh nach Heyda: Nahezu vollständig frei- und trockengelegt, kann gleich daneben der spärliche Wipfra-Zufluss am Südwestzipfel des Sees überquert werden. In den südlichen Uferbereichen verloren viele Wasservögel ihre angestammten Nist-Refugien, während hunderte Wurzelreste im Trockenen fast gespenstische Anblicke bieten.

Überall belegen massenhaft ausgetrocknete, fast handtellergroße Teichmuscheln, dass der See nördlich Ilmenaus ein offenbar gut funktionierendes Ökosystem auswies. Und dies sogar noch nach dem Massensterben von Graskarpfen vor gut fünf Jahren, als mehr als 60 Tonnen verwesender Fischkadaver abgesammelt, in einem Erfurter Spezialkrematorium eingeäschert werden mussten. Angler, Wassersportler und Natur-Badefreunde entdeckten zuletzt im südlichen Teil des Sees sogar einige seit Anstau nie mehr dort gesehene, hoch aufragende und noch nicht im Wasser und Grundschlamm verrottete Baumspitzen. Späte Erklärungen für manch verlorene Angelschnur und -pose. Und für zunächst noch unerklärliche Schrammen an Bootsrumpfen und Schlitzen in Schlauchbooten, ja sogar für Bein-Schürfwunden von Badenden gegen Sommerende 2018. Mitten im "tiefen" Wasser.

Aber es gibt einen Lichtblick bei finsterem Himmel: Das gut 1,40 Meter-Defizit am durchschnittlichen Stauhöhen-Ziel und an den Grundwasserspiegeln der Region wird momentan leicht ausgeglichen. "Aber eben nur sehr leicht", betont ein Mitarbeiter der Fernwasserversorgung Thüringen. Sie haben die Aufgabe, Trinkwasser in einem Fernwassernetz bereit zu stellen, dessen Länge einer Pipeline von hier bis zur Ostsee entspricht. Wasser aus einem Einzugsgebiet von 240 Quadratkilometern, das am Dreistromstein mitten im Thüringer Wald zugleich Hochwasserentstehungen von Elbe, Rhein und Weser "beliefert". Jenseits der Heydaer "Nur"-Brauchwasserreserven sichern die fünf versorgungswirksamen Trinkwassertalsperren und -aufbereitungsanlagen (plus 60 weitere Stauanlagen) den Hauptauftrag der Anstalt öffentlichen Rechts mit Hauptsitz in Erfurt.

Aufmerksame Spaziergänger erkennen am derzeit umfassend sanierten Auslaufbauwerk, der tiefsten Stelle direkt am Heydaer Staudamm, was auch die automatisierte Pegel-Fernauslesung angibt: Derzeit 12,64 Meter Pegelhöhe, die auch zu Jahresbeginn nur minimalen Zuwachs kennzeichnet.

Bei der Bilanzpressekonferenz 2018 der Fernwasserversorgung Thüringen dankte der scheidende Ilmenauer OB Gerd-Michael Seeber, dass diese während der extremen Trockenheit dennoch den Spagat zwischen Umweltschutz, vielfältigen See-Nutzerinteressen und den Belangen der Wipfra-Unterlieger hin bekommen habe. Ein Kompromiss, ohne den die Flora und vor allem Fauna das unterhalb des Stauwerkes nordwärts dahin mäandernde Oberflächengewässer Wipfra zum Sterben verurteilt gewesen wäre. Die Dimensionen der Trockenheits-Folgen sind im Gegensatz zu kaum noch landwirtschaftlich oder industriell genutzten Brauchwasserreserven wie in Heyda in Trinkwassertalsperren wie in Luisenthal ungleich dramatischer wahrnehmbar.

Hoffen auf Schlechtwetter

Dass Thüringen, von der Natur verwöhnt mit normalerweise ausreichend qualitativ hochwertigen natürlichen Wasserdargeboten noch reich gesegnet ist, täuscht dennoch nicht über mögliche, noch schlimmere Folgen von weiteren Klimaextremen hinweg. Folgt ein eben solch trockener Sommer wie im Vorjahr - mit zudem besonders hohen Abnahmewerten des "jederzeit aus der Wand kommenden" Trinkwassers - dürften Heydas Pegelsorgen noch die geringsten sein. So meldete die Trinkwasser-Talsperre Luisenthal zum Ende der Trockenzeit 41 Meter Pegelstand, der seither wieder um hoffnungsvolle 5,7 Meter anstieg. Im 30. Betriebsjahr des Heyda-Sees bedürfte es dennoch eines meteorologisch extrem niederschlagsreichen "Schlechtwetter"-Wunders, um wieder die üblichen fünf Millionen Kubikmeter Wasser zusammen zu bekommen.

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Klaus-Ulrich Hubert
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Veröffentlicht am:
17. 01. 2019
17:30 Uhr

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Klaus-Ulrich Hubert

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Veröffentlicht am:
17. 01. 2019
17:30 Uhr



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