Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Ilmenau

Neuer Busfahrplan sollte nie so kommen: Alles neu ab 18. August

Ein Aufschrei zum ÖPNV rollt wegen der Änderung einiger Buslinien durch den Kreis - die laut Kritikern wegen der Kommunalisierung, in Wahrheit jedoch aus Zeitdruck nicht optimal getaktet wurden. Nun reagieren Kreisbehörde und IOV. Die Heydaer, aber auch der Kreisnorden dürfen hoffen.



Die Busse rollen seit Juli in manche Orte öfter, in andere seltener als zuvor. Seither hagelt es Beschwerden. Diese könnten zum Großteil ab 18. August ausgeräumt werden. Dann soll der Fahrplan erneut angepasst werden. Foto: Apel
Die Busse rollen seit Juli in manche Orte öfter, in andere seltener als zuvor. Seither hagelt es Beschwerden. Diese könnten zum Großteil ab 18. August ausgeräumt werden. Dann soll der Fahrplan erneut angepasst werden. Foto: Apel  

Ilmenau/Arnstadt - Es hagelt Beschwerden zum seit Juli geltenden neuen Busfahrplan im Ilm-Kreis. Touren wurden gestrichen, andere verstärkt. Vermischt wird dabei das zeitliche Zusammenfallen von Fahrplanwechsel und Kommunalisierung des ÖPNV im Kreis, politisch ein riesiges Streitthema bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen.

Dazu kommen nun Protestschreiben und Dutzende Unterschriften für den Erhalt des Busverkehrs in einem Ort, just in jenem, in dem laut Studien pro Busfahrt rein statistisch nicht einmal eine Person sitzen soll: Heyda. Es ist dies auch jener Ort, für den schon vor Jahren ein Wochenendbusverkehr gefordert wurde, der, das ergab die Probeeinführung damals, dann wiederum nicht genutzt wurde. Nun fordern "betroffene Bürger" den Erhalt des Busverkehrs in jenem Ort. Was ist dran am ganzen Hickhack um Fahrplanänderungen und Kommunalisierung?

Viel Protest aus Heyda

Sowohl um Heyda als auch im Kreisnorden gibt es mit neuem Busfahrplan Änderungen, die missfallen. Thomas Schäfer, Ortsteilbürgermeister von Heyda, hat sich nach Erhalt eines Beschwerdebriefes aus dem Ort schriftlich an die Landrätin gewendet, die Streichungen mehrerer Busse zwischen Heyda und Ilmenau betreffend. "Die betroffenen Einwohner", so heißt es in dem Brief, könnten "... den derzeitigen Zustand der Busanbindung an die Kernstadt Ilmenau nicht mehr akzeptieren". Beigelegt war das Schreiben jener Frau, die nach Fahrplanänderung nicht mehr pünktlich auf Arbeit komme und nicht mehr rechtzeitig nach Hause, um zwei Haushalte zu führen und zwei Pflegebedürftige zu betreuen, wie sie schreibt. Dem angehängt wiederum war eine Unterschriftenliste samt Schreiben von "betroffenen Bürgern", 76 an der Zahl, ein Fünftel der Einwohnerschaft also, die Interesse am Busverkehr signalisiert. Die Kritik bezieht sich dabei auch auf ein Gefühl, denn es "fühlen sich die Heydaer mit dem neuen Fahrplan noch mehr als Ortsteil von Ilmenau gestrichen bzw. abgehangen", heißt es im Protestschreiben. Gleichwohl wird auf Probleme der Schüler und Berufstätiger eingegangen. Wie viele der 76 Unterzeichner tatsächlich den Bus nutzen, ist offen gelassen. Das weiß auch der Ortsteilbürgermeister nicht. Er vermutet, so sagte er im Gespräch mit Freies Wort , viele hätten vielleicht für ihre Kinder oder Enkel unterzeichnet, andererseits seien Unterschriften sicher auch der Angst geschuldet, wenn so viel gestrichen werde, was komme dann künftig noch? Dass Fahrgastzählungen früherer Beschwerden aus Heyda "jenseits von Gut und Böse lagen", bestätigt Thomas Schäfer. Es gehe aber nun nicht mehr um Wochenendfahrten Einzelner, sondern darum, dass einerseits eine aufgewertete Busverbindung Ilmenau - Plaue gesehen werde, in Heyda jedoch "tatsächlich Buslinien weggefallen sind". CDU-Landtagsmitglied Andreas Bühl ahnt die Ursache: "Bisher sehen wir keine Verbesserungen durch die Kommunalisierung des ÖPNV im Ilm-Kreis."

Touren kommen zurück

Die Kommunalisierung jedoch, von einigen Kommunalpolitikern behänd ins Ursachen-Feld geführt, habe damit gar nichts zu tun, sei nur zeitgleich mit Fahrplanumstellung gelaufen, erklärt Kreistagsmitglied Frank Kuschel (Linke). Er benennt beispielsweise für Heyda auch sachliche Gründe. So habe es wirtschaftliche Untersuchungen aus Dresden gegeben, nennt Kuschel Zahlen. Für Heyda hätten sich pro Busumlauf 0,7 Fahrgäste im Schnitt ergeben, Langer Berg 1,7, weshalb aus rein wirtschaftlicher Sicht geraten worden sei, solche Linien zu optimieren, jene mit mehr Bedarf hingegen zu verdichten. Dies sei geschehen. "Recht haben die Leute aber", dass dies offenbar "nicht ausreichend im Vorfeld vor der Bevölkerung kommuniziert worden ist", streut sich Kuschel auch selbst Asche aufs Haupt. Es gebe etwa 300 Beschwerden, berichtet er. Jeder werde eine Antwort aus der Kreisbehörde zugehen, sagt Kuschel und deutet noch mehr an. "Das Problem ist erkannt und die Kreisbehörde arbeitet daran", sagt er. So soll es zum 18. August als "Pilotprojekte" die Fortführung vieler gestrichener Linien geben. Außerdem werde es eine Zusammenkunft aller Fraktionen mit der Landrätin geben, weil der Kreistag erst danach wieder tage.

Lehrgeld bezahlt

Mehrere Tourenfortführungen ab genanntem Termin bestätigte auf Anfrage auch Melanie Tippel, persönliche Referentin der Landrätin. "Die Beschwerden nehmen wir sehr ernst. Alle, die sich an uns gewendet haben, bekommen eine Antwort", so Tippel. Vorwürfe jedoch, wie sie aus Kreisen der CDU aufgemacht werden, weist sie entschieden zurück. So äußerte der CDU-Fraktionschef des Kreistags, Lars Oschmann, im Gespräch mit Freies Wort ausdrücklich, der neue Fahrplan sei nicht im ÖPNV-Ausschuss besprochen worden, die CDU habe keine Kenntnis davon. Seine Fraktion kenne auch Empfehlungen zur Einstellung einzelner Touren nicht. "Das stimmt so nicht", sagt Tippel und erklärt, der Fahrplan sei im ÖPNV-Ausschuss besprochen worden. Dem gehörten alle Fraktionen an.

Auch Kuschel widerspricht dem Kreistagskollegen. Es sei zwar so gewesen, dass der Kreistag selbst nicht beteiligt gewesen sei, das sei tatsächlich eine berechtigte Kritik und da sei "Lehrgeld bezahlt worden", doch sei die CDU sehr wohl im ÖPNV-Beirat vertreten. Und dort seien die Änderungen von allen mitgetragen worden. "Man darf bei dieser ganzen Diskussion auch eines nicht vergessen", erinnert Kuschel: "Beim ÖPNV wird jeder Kilometer bezuschusst. Vom Land und vom Kreis. Wenn wir jetzt Bustouren zurückholen, bedeutet das für den Kreishaushalt auch 1,50 Euro mehr Ausgaben je Kilometer. Da muss sich dann auch die CDU im Kreistag dazu bekennen, denn das Land wird es nicht bezahlen. Und ich hoffe sehr, dass die CDU dann auch zu den Mehrausgaben steht!"

Hatte doch Andreas Bühl am Dienstag per Mail aus dem Urlaub angekündigt, Beschwerden der Bürger an die Ilm-Kreis-Personenverkehrsgesellschaft weiter zu leiten und die Eingaben mit dem Bus-Fahrplan abzugleichen. So gebe es keine durchgehende Busverbindung Ilmenau-Arnstadt mehr, statt dessen Umstiege in Plaue und dadurch Zeitverluste der Nutzer. "Da ist etwas kräftig falsch gelaufen", so Bühl, der auch Verbindungen nach Erfurt nicht mehr zur Zufriedenheit der Fahrgäste sieht. Dazu kämen Preissteigerungen.

Bei der Omnibusverkehr GmbH Ilmenau (IOV) bedauert Prokuristin Sarah Höring Probleme mit dem neuen Busfahrplan. "Der sollte nie so in Kraft treten, wie es jetzt geschehen ist", sagt sie, jedoch habe es zeitlich keine andere Möglichkeit gegeben, den Plan wie gewollt anzupassen, spricht sie vom Hintergrund Rechtsstreit und zwölf Wochen dauernden Genehmigungsverfahren, denn "im ÖPNV funktioniert nichts von jetzt auf gleich." Am 18. August aber soll der Fahrplan dann so kommen, wie eigentlich angedacht und da "werden viele Beschwerden ausgeräumt. Auch in Heyda wird es dann keine Verschlechterung mehr geben", sagte sie am Mittwoch und bestätigt auch Änderungen im Kreis-Norden.

Autor

Thomas Klämt
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
16:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Bühl CDU Emotion und Gefühl Fahrpläne Frank Kuschel Kreistage Kritiker Landräte Omnibuslinien Omnibusse Streitthemen Thomas Schäfer Wahrheit Öffentlicher Nahverkehr
Ilmenau Arnstadt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Andreas Bühl Vorsitzender.

01.08.2019

Kann ÖPNV jemals gerecht sein?

Der ÖPNV-Ausschuss des Kreistages hat sich am Donnerstag konstituiert und in einer Marathon- sitzung über die Pannen vom 1. Juli diskutiert. Hier trafen Kommunalisierung, Fahrplan- und Tarifwechsel auf einen Tag. » mehr

Kreistagsmitglieder, Landrätin Petra Enders (2. von rechts), Kay Tischer, hauptamtlicher Beigeordneter (rechts), und der neue ehrenamtliche Beigeordnete Gerd-Michael Seeber (4. von links) stellten sich zum obligatorischen Gruppenbild. Foto: Richter

18.06.2019

Gerd-Michael Seeber ist zurück

Am Dienstag hat sich der neue Kreistag des Ilm-Kreises konstituiert. Er besteht aus 46 Mitgliedern in vier Fraktionen. Ilmenaus ehemaliger OB ist neuer ehrenamtlicher Beigeordneter der Landrätin. » mehr

Die Baupläne wurden in der Gesprächsrunde ausgiebig diskutiert. Foto: kru

11.09.2019

Konzepte zur Digitalisierung der Schulen fehlen

Wie könnten Regelschulen als Herzstück der Schullandschaft gestärkt werden? Welche Probleme gibt es derzeit? Darüber informierten sich Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion in der Regelschule Geratal. » mehr

Eckhard Bauerschmidt.

Aktualisiert am 23.02.2019

Kommunaler ÖPNV auf Schlingerkurs

Für Eckhard Bauerschmidt ist der kommunale ÖPNV im Ilm-Kreis auf der Zielgeraden. Das sehen nicht alle so. Kritiker wie Tankred Schipanski oder IHK-Chef Pieterwas werden gescholten. Dabei gibt es eine klare Handlungsanle... » mehr

Streit um den öffentlichen Bus-Nahverkehr im Ilm-Kreis

15.08.2019

Rolle rückwärts im Busstreit?

CDU und Freie Wähler wollen im Kreistag den ÖPNV im nördlichen Ilm-Kreis wieder an die RBA vergeben. Bei der Verwaltung stößt dies auf große rechtliche Bedenken. » mehr

Der Ilmenauer Omnibusverkehr (IOV) hat insgesamt vier Biathlon-Shuttle bereitgestellt. Vorgestellt wurde einer der Busse am Montag von Einsatzleiter Jörg Enders. Bis 170 Plätze stehen so täglich zur Verfügung. Foto: Volker Pöhl

10.04.2019

Busverkehr im Ilm-Kreis: IOV bekommt den Zuschlag

Der Kreistag beschließt die Direktvergabe der Buslinien ab 1. Juli an die IOV. Die Kritik am ganzen Verfahren der ÖPNV-Kommunalisierung bleibt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Country Westerntanz

Meisterschaften Country Westerntanz Meiningen | 13.10.2019 Meiningen
» 52 Bilder ansehen

Unfall Siegritz

Unfall Siegritz | 12.10.2019 Siegritz
» 11 Bilder ansehen

Unfall Dreieck Suhl

Unfall Dreieck Suhl | 10.10.2019
» 15 Bilder ansehen

Autor

Thomas Klämt

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
16:44 Uhr



^