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Ilmenau

Mit Hand und Kopf für seine Stadt

Der Ilmenauer Günter Andrä wird heute 75 Jahre alt. Feiern ist seine Sache nicht. Lieber hat der Vorsitzende des Heimatgeschichtlichen Vereins neue Ideen für Ilmenau.



Günter Andrä feiert heute seinen 75. Geburtstag. Foto: Dolge
Günter Andrä feiert heute seinen 75. Geburtstag. Foto: Dolge  

Ilmenau - Er ist eher einer der Leisen, was seiner Hartnäckigkeit keinen Abbruch tut. Der gebürtige Ilmenauer liebt seine Stadt, die er nicht auf Goethe und die Technische Universität reduziert gesehen haben will, auch wenn er deren Einfluss keinesfalls unterschätzt. Aber Ilmenau ist für ihn viel mehr.

Vieles von dem, was Ilmenau für ihn bedeutet, wird in seiner jahrzehntelangen Mitgliedschaft und in seinem jahrelangen Vorsitz im Heimatgeschichtlichen Verein (HGV) sichtbar. Ein Verein, der selbst den in Sachen Kultur zurückhaltenden Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber zu dem Urteil veranlasste, er habe dazu beigetragen, dass die Ilmenauer Stadträte einen "Sinn für Kultur" entwickelt haben.

Besonders an diesem Punkt war bei Günter Andrä Hartnäckigkeit gefragt, war Kultur in Ilmenau doch oft auch mit "Finanzproblemen" verbunden. Andrä und seinen Mitstreitern im HGV geht es seit den Zeiten der "Fachgruppe Heimatgeschichte" im Kulturbund der DDR vor allem darum, dass Dinge, dass Sachen bewahrt werden.

Das ist in mehr oder weniger großzügigen "Wegwerfgesellschaften" in Ost und West nicht ganz einfach. Aber das Bewahren von Geschaffenem, von Kreativem oder einfach nur handwerklich gut und solide Gearbeitetem ist ihm als Handwerkskind "in die Wiege gelegt" worden.

Günter Andrä wurde 17. Juli 1943 in Ilmenau in eine Handwerkerfamilie hineingeboren. Der Vater war Handwerker, die Mutter war "mithelfende Ehefrau".

Plötzlich Firmenchef

Als Günter Andräs Vater Otto Andrä aus dem Zweiten Weltkrieg Ende der 1940er Jahre heimkam, übernahm er die Firma "O. Gustav Eiternick - Erste Deutsche Werkstätte für Glasbläsereiformen" von seinem Schwiegervater Otto Gustav Eiternick und führte sie als Handwerksbetrieb bis in die 1960er Jahre weiter, ehe Günter Andrä das kleine Unternehmen übernahm. Dass Günter Andrä plötzlich Chef des Unternehmens war, hatte jedoch keinen erfreulichen Grund - sein Vater war plötzlich verstorben. Die Übernahme durch Günter Andrä geschah deshalb auch aus seinem Dienst bei den Grenztruppen der DDR in Berlin heraus. "Erfolgreich und ungewöhnlich", nennt Günter Andrä noch heute die damaligen Geschehnisse, weil es ein Brief von Walter Ulbricht war, der dem Handwerkersohn, der auch noch kirchlich geheiratet hatte, die Kasernentore und den Weg nach Hause öffnete.

Innere Ruhe

Mit nachgeholter Meisterprüfung und großem Engagement führte Günter Andrä den Familien- und Handwerksbetrieb viele Jahre weiter. Nach dem Tod seiner Frau Eva im Jahr 2005 trat im Zuge einer Nachfolgeregelung sein Sohn Stefan - Jahrgang 1969 - die Nachfolge an. Die Firma lief weiter, aber marktwirtschaftliche Turbulenzen blieben nicht aus. Ergebnis war die Insolvenz.

Heute produziert die "Andrä Grafittechnik" unter dem Dach der Firma Edelstahlbau Tannroda mit Sohn Stefan als Geschäftsführer weiter. Diese Entwicklung mit erfolgreichem Weiterbetrieb gibt Günter Andrä, der bis zu seinem 65. Lebensjahr weiter in seinem Handwerksbetrieb gearbeitet hat, die innere Ruhe. Diese Ruhe gibt ihm die Kraft, mit dem HGV weiter an der Geschichte Ilmenaus zu forschen.

Sammeln und Bewahren

Das Sammeln und Bewahren ist eine große Leidenschaft von Günter Andrä. "Das muss nicht alles mir gehören. Ich brauche nicht so viel", sagt er. "Mir ist es lieber, wenn die Menschen ihre Sammlungen zum Beispiel an das Ilmenauer Stadtarchiv geben."

Zu den größeren Projekten der vergangenen Jahre gehört vor allem die Wiedererweckung des Bäder- oder Südviertels mit seiner ganz eigenen, vor über einhundert Jahren so typischen, verspielten Architektur. Hier ist es ihm gelungen, für den Tag des offenen Denkmals am 9. September zwei Architekturführungen zu organisieren. Dass die Führungen ein Erfolg werden können, darüber freut sich Günter Andrä mehr als über ein Geburtstaggeschenk

Zweiter großer Brocken ist für den nun 75-Jährigen war die Unterstützung der Idee von Michael Krapp, der Stadt Ilmenau mit der Errichtung eines großen Kunstrades für den Johannisschacht ein Alleinstellungsmerkmal zu geben. "Es geht uns darum, dass die Besucher durch das Rad auf ganz andere geschichtliche Bereiche wie den Bergbau aufmerksam gemacht werden."

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Gerd Dolge

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Veröffentlicht am:
16. 07. 2018
17:22 Uhr

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Gerd Dolge

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Veröffentlicht am:
16. 07. 2018
17:22 Uhr



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