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Ilmenau

"Gerade jetzt kann die App helfen"

Seit dieser Woche ist die Corona-Warn-App verfügbar. Die Bundesregierung ruft dazu auf, dass möglichst viele Menschen die Anwendung installieren, damit sie auch ihren Nutzen entfalten kann.



Seit wenigen Tagen ist die Corona-Warn-App verfügbar und soll frühzeitig mögliche Infektionsketten aufzeigen. Foto: dpa
Seit wenigen Tagen ist die Corona-Warn-App verfügbar und soll frühzeitig mögliche Infektionsketten aufzeigen. Foto: dpa   » zu den Bildern

Seit dieser Woche ist die Corona-Warn-App verfügbar. Die Bundesregierung ruft dazu auf, dass möglichst viele Menschen die Anwendung installieren, damit sie auch ihren Nutzen entfalten kann. In der Bevölkerung gibt es aber noch einige Zweifel - zum einen über die Sinnhaftigkeit der App, zum anderen zum Datenschutz. Der Ilmenauer Arzt Dr. Stefan Mohr erklärt im Gespräch mit Freies Wort , weshalb tatsächlich möglichst viele Smartphonenutzer sich die App holen sollten.

 

Herr Dr. Mohr, Sie stehen mit Ihren Kollegen im Ilm-Kreis stets in Kontakt. Wie wird da auf die Corona-Warn-App geschaut?

Nachdem doch sehr langfristig eine Lösung gesucht wurde und wir sehen, dass das jetzt namhafte Firmen entwickelt haben und die Datensicherheit gewährleistet ist, können wir die App empfehlen.

 

Beim Thema Datensicherheit gibt es in der Bevölkerung mitunter noch Zweifel. Können Sie die ausräumen?

Wenn ich lese, dass selbst der Chaos Computer Club, der ja sonst sehr kritisch mit staatlichen Vorhaben umgeht, keine Einwände äußert, können wir datenschutzrechtlich wohl wirklich davon ausgehen, dass es sicher ist.

 

Was ist eigentlich der Nutzen dieser App?

Zunächst einmal: Es ist ja so, dass es überhaupt eine gewisse Anzahl von Menschen braucht, die die App nutzen. Dann aber wiederum können wir wirklich schneller die Kontaktpersonen eines Covid-19 positiven Patienten ermitteln. Nur mal als Beispiel: Wenn ein Altenpfleger irgendwohin in den Urlaub fährt und Kontakt zu jemandem hat, der mit dem Virus infiziert ist und der das selbst noch nicht weiß, bekommt er über die App relativ zeitnah eine Benachrichtigung, sobald das Virus beim Kontakt festgestellt wurde. Durch die App bekommt er diese Info zwei, drei Tage früher, als er eine Benachrichtigung durch das Gesundheitsamt hätte, denn denen fehlt ja einfach das Personal, um schneller zu arbeiten. Durch die Benachrichtigung über die App würde der Arzt dann womöglich nicht schon wieder auf Arbeit sein und es würde die Gefahr nicht bestehen, dass er die Alten ansteckt. Es ist also zumindest mal ein Zeitgewinn.

 

Welche Nutzerquote ist aus Ihrer Sicht realistisch?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke, wenn wir 30 bis 40 Prozent schaffen, wäre das gut. Am ersten Tag ist die App ja offenbar bereits 6,5 Millionen Mal heruntergeladen worden. Das sind schon knapp acht Prozent. Das ist besser, als ich es erwartet hätte und stimmt mich positiv. Aber 60 bis 70 Prozent, wie am Anfang als Ziel herausgegeben, halte ich für unrealistisch.

 

Sie haben die App selbst bereits heruntergeladen und getestet. Ist sie wirklich so einfach zu benutzen, wie es angekündigt wurde?

In meinen Augen ist es sehr einfach umsetzbar. Die Installation ist sehr einfach aus dem Appstore heraus und die Handhabung ist auch ganz einfach.

 

Die ältere Bevölkerung, die zur Risikogruppe in der Corona-Krise zählt, ist mitunter nicht so erfahren im Umgang mit Smartphone-Apps ...

… aber auch da habe ich schon mehrere Patienten gefragt, wie sie die App bewerten. Da war die Antwort, dass die meisten von ihnen den Entwicklern, den Medien oder auch der eigenen Familie vertrauen, wenn die empfehlen, die App zu nutzen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch diejenigen, die sagen, sie werden sich die App nicht holen, weil ihnen die Kinder gesagt haben, das sei unnötig. Also gerade die Familie hat da offenbar einen großen Einfluss.

 

Darauf wollte ich gar nicht unbedingt hinaus: Angenommen, es gibt einen älteren Patienten, der die App gerne hätten, sich aber mit der Installation nicht auskennt. Helfen Sie da auch?

Das Angebot wollen wir gerne machen. Im Einzelfall sind wir als Ärzte, aber auch die Apotheken bereit, da zu unterstützen. Sollte ein einzelner Kollege da aus zeitlichen oder anderen Gründen nicht helfen können, dann helfen vielleicht andere Kollegen. Da wird sich sicherlich eine pragmatische Lösung finden lassen.

 

Die Corona-Pandemie beschäftigt uns schon viele Monate. Ist es da nicht zu spät, dass die App jetzt erst kommt?

Dass sie zu spät kommt, stimmt nicht. Natürlich hätte auch ich mir gewünscht, dass sie etwas früher kommt. Aber: Wir sind in einer Phase mit einer ganz niedrigen Infektionsrate. Daher werden auch die Schutzmaßnahmen runtergefahren und wir haben wieder viel mehr Kontakt mit andere Menschen. Und gerade jetzt kann die App helfen, indem sie frühzeitig vor möglichen Infektionsketten warnt.

 

Was glauben Sie, wie lange wird uns diese Pandemie noch beschäftigen?

So lange, bis es einen vernünftigen Impfstoff gibt und wir eine vernünftige Immunisierung erreichen. Die entsprechenden Experten sagen, das dauert noch bis Anfang des nächsten Jahres. So lange also mindestens. Hoffentlich nicht noch länger.

Interview: Danny Scheler-Stöhr

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Veröffentlicht am:
19. 06. 2020
17:24 Uhr

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19. 06. 2020
17:24 Uhr



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