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Ilmenau

Fußballfans greifen Gedenkveranstaltung an Opfer des Holocaust an

Das Aktionsbündnis Zaunrüttlär erinnert an die Opfer des Holocaust und wird dabei selbst Opfer einer Attacke von Fußballfans.



Das Aktionsbündnis Zaunrüttlär gedachte der jüdischen Nazi-Opfer und wurde dabei von Fußballfans attackiert. Foto: Richter
Das Aktionsbündnis Zaunrüttlär gedachte der jüdischen Nazi-Opfer und wurde dabei von Fußballfans attackiert. Foto: Richter  

Arnstadt - "Alles, alles wird verbrannt", zitierte Katrin Braun vom Aktionsbündnis "Zaunrüttlär" aus einem Gedicht, das ein 13-jähriges Mädchen schrieb, bevor es im Konzentrationslager Auschwitz von den Nazis ermordet wurde. Das vor einiger Zeit ins Leben gerufene Aktionsbündnis, das für Demokratie und gegen wachsenden Rechtsextremismus kämpft, hatte für Samstag zum "Tag der Wertschätzung der Jüdischen Gemeinde Arnstadt" in der Nähe des jüdischen Friedhofs eingeladen, um zu mahnen und zu gedenken.

Dabei erinnerten die rund 20 Teilnehmer aber nicht nur an die Opfer des Nazi-Regimes, sie mahnten, wie schon am Vormittag Landrätin Petra Enders bei der städtischen Gedenkfeier, wachsam in der heutigen Zeit zu sein. "Wir alle müssen die Demokratie schützen", sagte Silvio Braun in seiner Rede. "Es ist erschreckend, dass 30 Prozent der Arnstädter rechte Kräfte gewählt haben. Die AfD ist keine demokratische Partei." Vielmehr wolle sie, "Menschen, die einfach anders sind als andere" ausgrenzen. Erschreckend sei auch, mit welcher Selbstverständlichkeit die Stadtratsfraktion der AfD am Vormittag einen Kranz am jüdischen Denkmal niedergelegt habe. Mut hätten hingegen die deutlichen Worte gegen Rechts der Landrätin gemacht.

Wie weit Hass gegen Andersdenkende verbreitet ist, das merkten die Teilnehmer selbst nach wenigen Minuten. Abreisende Fußballfans der soeben zu Ende gegangen Partie SV 09 Arnstadt gegen Wismut Gera pöbelten sie lautstark an. Die Polizei griff ein, um "eine weitere Auseinandersetzung und damit einhergehende Straftaten" zu verhindern, teilte sie am Sonntag mit. "Hierbei musste unmittelbarer Zwang gegen die Gruppierung der Fußballfans eingesetzt werden", hieß es. Polizisten setzten einen Pöbler mit Pfefferspray außer Gefecht.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung wurden nicht verletzt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Störung von Versammlungen und Aufzügen sei eingeleitet worden, so die Polizei.

"Wir haben uns einen anderen Verlauf gewünscht. Die Situation hat uns allen wieder vor Augen geführt, in was für einer schlimmen Zeit wir leben", kommentierte Katrin Braun das Geschehene. "Es fielen von den Störern her die Worte, dass wir keine Deutschen seien und wir den wahren Deutschen ihren Ehrentag klauen würden."´

Autor

Berit Richter
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Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
12:52 Uhr

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Autor

Berit Richter

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
12:52 Uhr



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