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Ilmenau

Es tut sich was am Lindenberg

Bei einer Anhörung zur künftigen Nutzung des Lindenbergs kamen im Ilmenauer Rathaus Vertreter vieler örtlicher Vereine zu Wort. Die Mehrheit ist für Veränderungen am Berg - die Frage ist nur, in welchen Dimensionen.



Ilmenau - Repräsentativ war die Anhörung im Ratssaal zwar nicht, dennoch zeichnet sich ein Meinungsbild ab: Einen großen Natur-Sport-Park am Lindenberg befürworteten knapp die Hälfte der am Donnerstag anwesenden Ilmenauer. Und sollte es keinen geben, dann werden wohl zumindest die Mountainbiker mehr legale Trainingsstrecken erhalten. Die Frage dabei: Mit Lift oder ohne?

Am Donnerstagabend hatten zwei Ilmenauer Stadtratsausschüsse die Vertreter von Ilmenauer Vereinen sowie interessierte Bürger zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen. Dabei ging es zum wiederholten Mal um eine Nutzungskonzeption für den Lindenberg. Im öffentlichen Teil hörten sich die Vertreter vom Kultur- und Sportausschuss (KuS) sowie vom Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr (WUV) Meinungen und Argumente an, bevor sie anschließend an einem Grundsatzbeschluss bastelten, den sie dem Stadtrat alsbald empfehlen wollen.

Wer genau mitzählte, der konnte eine Tendenz erkennen: Von 24 Wortmeldungen sprachen sich zehn für die große Variante eines Natur-Sport-Parks aus. Sechs befürworteten zumindest weitere Mountainbike-Trails inklusive einer Lift-Anlage. Vier Vertreter meinten, dass ein paar zusätzliche Mountainbike-Strecken ausreichend seien, die restlichen vier sprachen sich für den Erhalt des Lindenbergs in seiner jetzigen Form aus - und somit gegen jegliche Veränderungspläne.

Zu den Befürwortern einer großen Naturparkvariante (unter anderem mit Lift, Mountainbike-Trails, Kletterwald, Erlebnispfad und vielem mehr) gehört zum Beispiel Kurt Schlenstein. Der ehemalige Gymnasiumsleiter war bereits vor sechs Jahren ein Sprecher der damals gegründeten Interessengemeinschaft zur Entwicklung des Lindenbergs und prophezeite der großen Variante viel wirtschaftliches Entwicklungspotenzial für Ilmenau. Christina Büller vom Regionalverbund Thüringer Wald und ihre Kollegin Melanie Kardinar wiesen auf die wachsende Bedeutung des Mountainbikens ("das Skifahren der Zukunft, keine Randsportart") und speziell die Ilmenauer Tradition hin und sicherten Unterstützung bei Sponsorensuche und Marketing zu.

Im Namen der Ilmenauer Sektion des Alpenvereins mit 380 Mitgliedern sicherte auch Jens Thiele die "vorbehaltlose Unterstützung der großen Variante" zu - der Alpenverein spreche dabei gleichermaßen für Wanderer, Kletterer und Mountainbiker. Auch Petra Bochert von der Jugendherberge sprach sich für den Freizeitpark aus, da man den Gästen (ein Viertel seien Familien mit Kindern) entsprechende Freizeitangebote stricken müsse. Der Frauenwalder und Neu-Ilmenauer Erik Lauterbach sprach als Gastronom, Mountainbiker, Wanderer und Naturliebhaber aus Erfahrung: "Macht das große Projekt in Ilmenau, aber macht es ordentlich - es ist die große Chance, eine Gäste-Lenkung zu schaffen."

Kleine Variante - mit Lift?

Karsten Neumann vom Radsportclub ILRC äußerte erneut den Wunsch der Ilmenauer Mountainbiker nach Legalisierung der Downhillstrecke und einem Areal für weitere Trainingsstrecken. Für die Trails müsse "kein Baum gefällt werden und keine Schneise entstehen", betonte er. Allerdings sei ein Lift als Aufstiegshilfe eine deutliche Verbesserung fürs Abfahrtstraining, jedoch könne der ILRC den Lift nicht selbst betreiben. Daher sei die Studie interessant - zumal die Zahl der Mountainbiker ständig steigt (jüngste Zählungen des Stadtforstes bestätigten an einem Februartag 138 Mountainbiker am Ilmenauer Hangeberg - Freies Wort , 12. März). Wegen ihrer Vielzahl hätten Mountainbiker ebenso ein Anrecht auf eine Sportstätte wie Hand- oder Fußballer, meinte Neumann, und beteuerte, der Verein werde beim Streckenbau auch erste Schritte in Eigenleistung machen.

Zuspruch erhielt eine kleine bzw. mittlere Variante mit Lift auch vom Wintersportverein WSV, vom Museum Schlittenscheune und vom Fahrradclub ADFC: Am Lindenberg müsse endlich etwas passieren, um dem früheren Sportberg der Stadt wieder Leben einzuhauchen, war ein mehrfach genanntes Argument. Auch von Bobhüttenwirt Christian Franke, der kritisierte, dass es immer noch keine Willensbildung seitens der Stadt gäbe. Franke argumentierte, dass die Downhiller derzeit zum Rennen/Training oft die Auffahrt per Transporter bewältigen, denn "wer dreimal den Berg hochfährt, ist oben kaputt und fährt nicht mehr sicher runter". Dennoch sei der Autoverkehr störend, zumal er zunehmen werde, wenn die Trails legalisiert werden: Dann sei ein Lift wohl sinnvoller als steigender Fahrzeugverkehr, der mehr Umweltschaden anrichtet. Eine weitere Bürgermeinung ging in ebendiese Richtung: Statt des Gegeneinanders von Wanderern und Mountainbikern sei ein gemeinsames Projekt hilfreich samt einem Lift (Nutzung der Schneise im Gabelbachtal) - der vor allem älteren Bürgern den Besuch des Lindenbergs ermöglichen könnte.

Eher kritisch betrachtet man zum Beispiel beim Naturschutzbund Nabu die möglichen Lindenberg-Vorhaben. Einer der beiden Vertreter, Frank Kaufmann, befürchtete neben Schäden für die Natur auch die Unwirtschaftlichkeit des Projektes. Er empfahl sogar, die ohnehin angelegten illegalen Trails am Hangeberg zu legalisieren, dafür aber keine neuen Trails am Lindenberg zu schaffen.

Skepsis an einer größeren Entwicklung des Lindenbergs äußerten auch Roland Sillen und Gerd Naumann vom Thüringerwald Verein sowie auch Wolfgang Renn von den Bodendenkmalpflegern - obwohl man den Mountainbikern zumindest gewisse Zugeständnisse machen sollte. Der langjährige Wegewart Gunter Lacroix meinte zwar auch, dass am Lindenberg "etwas kommen muss, das ist klar" - hinterfragte aber, wo man denn im Gabelbachtal Parkplätze schaffen wolle. Zudem mahnte er Vorsicht bei der Kreuzung von Mountainbikestrecken und bestehenden Wanderwegen an.

Bevor sich die Ausschüsse ins Nichtöffentliche zurückzogen, verlas WUV-Vorsitzender Matthias Wetzel noch eine Erklärung von TU-Rektor Peter Scharff: An der Uni mit 6000 Studenten würde ein attraktiver Natur-Sportpark mit MTB-Möglichkeiten demnach Begeisterung auslösen.

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Uwe Appelfeller
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Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
21:10 Uhr

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Uwe Appelfeller

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14. 03. 2019
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