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Ilmenau

Emotionale Reise ins alte Bellre

Die Brücke vom Böhlen des Ilm-Kreises zu jenem neulich erst entdeckten Böhlen in Brasilien wird ausgebaut. Geschenke aus der Heimat, verpackt in reichlich Emotionen und Grüße der Nachkommen, gehen jetzt auf die Reise. Parallel wird geforscht.



Mit diesem Abbild des Böhlener Altars reisen Dieter Lange und Hans-Günther Schneider nach Brasilien. Foto: Klämt
Mit diesem Abbild des Böhlener Altars reisen Dieter Lange und Hans-Günther Schneider nach Brasilien. Foto: Klämt  

Böhlen - Mit einem riesigen Transparent vom Böhlener Altar starten Dieter Lang und Hans-Günther Schneider am Freitag per Schiff nach Brasilien. Ihre Reise geht zu den Nachfahren jener von Politik und Kirche 1852 aus dem Fürstentum ausgewiesenen 154 Böhlener, die sich, einst großteils in der Weberei ihr Geld verdienend, damals gegen Elend und Not aufgelehnt hatten.

Noch heu te findet sich auf der Rückseite des Böhlener Kirchalters der Schriftzug "Das ehrbare Weber Handwerk zu Böhlen hat 25 Thaler zu Erbauung dieses Altars verehrt". Mit großer Sicherheit also gaben auch die per Schiff nach Brasilien zwangsverfrachteten, stigmatisierten 154 einen Teil dazu. Nun wird der Altar für die 6. Generation Nachfahren einstiger Spender, deren Herkunft ihnen selbst lange verborgen blieb, wieder sichtbar und im brasilianischen Segunda Linea die Verbindung zur Heimat herstellen. Einst behandelt als Revolutionäre und dann abgeschoben "ist es schön, dass Ihr das nun zurechtgerückt habt", wünscht Landrätin Petra Enders den beiden Heimatforschern viel Erfolg auf ihrer brückenschlagenden Reise, denn "das waren keine Kriminellen, sondern Menschen, die für ein besseres Leben gekämpft hatten", so die Kreis-Chefin. Der Film zur Ausstellung, die nun als Geschenk mit über den Atlantik geht, habe sie fasziniert, sagt Enders sichtlich berührt. Menschen zu erleben, die sich freuen, ihre Identität und ihre Heimat zurückzubekommen, das sei ein hochemotionaler Augenblick gewesen.

Etwa 180 Nachkommen gehören heute zu der brasilianischen Siedlung, die relativ autark lebt und noch die alte Böhlener Sprache spricht, berichtet Lange, der mit Schneider nun zum dritten Mal die Nachfahren besucht. Vor 22 Jahren begann ihre Forschung, als sie von den 154 angeblich Kriminellen erfuhren und dies nicht glauben wollten. Die in Brasilien gelandeten - einige überlebten die Reise nicht - verschwiegen den Nachkommen Herkunft und Geschichte, sei es aus Scham oder Selbstschutz vor Sehnsucht. Zunächst arbeiteten sie als Kaffepflücker die Überfahrt ab. Auf den Feldern wurde allmählich aus Bellrer Dialekt das "Kaffeepflückersch" - nahezu unverändert beibehalten bis heute und damit eine Sprachinsel, die noch vor der Erforschung steht. Später wurde im Urwald eine Gemeinde angelegt, die sehr an Böhlen erinnert, wie Enders feststellte.

Die beiden Heimatforscher, die auch eine Böhlener Erklärung als Rehabilitation aus der Region mitnehmen, dankten am Dienstag in Böhlens Kirche allen Unterstützern von Thüringer Ministerien, Staatskanzlei über Landratsamt, Landgemeindebürgermeister bis hin zu Firmen und Privatpersonen für die Unterstützung bei Transparent, Ausstellung sowie den Bürgern für die Begleitung zu Recherchen. Bei Uni-Professor Jao Klug wird die Ausstellung 1:1 aufgebaut. In Segunda Linea aber werden Begegnungen und Forschungen vertieft. tom

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Veröffentlicht am:
29. 10. 2019
14:08 Uhr

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29. 10. 2019
14:08 Uhr



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