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Ilmenau

Diskussionen um den Lindenberg

Zum aktuellen Stand des Lindenberg-Konzeptes gab es am Montagabend einen Überblick im Rathaus. Nach wie vor spalten sich die Meinungen: Befürworter und Gegner scheinen sich die Waage zu halten.



Ilmenau - Zur öffentlichen Sondersitzung hatten der Ilmenauer Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr (WUV) und der Kultur- und Sportausschusses am Montagabend in den Ratssaal eingeladen. Das einzige Thema auf der Tagesordnung, eine Info-Veranstaltung zum Planungsstand "Lindenberg-Konzept", lockte knapp 40 Gäste an.

Sport- und Betriebsamtsleiter Lars Strelow erinnerte zunächst an den Stadtratsbeschluss vom April 2019, auf dem die aktuelle Planung beruht. Der Titel ist sperrig, aber dennoch deutlich: "Planung einer Streckenkonzeption für eine nachhaltige, naturnahe und sportliche Befahrung basierend auf einer Studie zur Entwicklung des Lindenbergs als Natur-Sport-Park." Konkrete Fakten gäbe es aber noch nicht, auch der aktuelle Planungs-Zwischenstand sei noch etwas vage, erklärte WUV-Vorsitzender Matthias Wetzel sinngemäß.

Mit der Lindenberg-Planung beauftragt ist das Ingenieurbüro Bauprojekt Ilmenau. Planerin Sandra Schönfeld von ebendem Büro erklärte den aktuellen Stand: Mit der Anhörung von Trägern öffentlicher Belange, die heute zu annähernd jedem Bau- und Planungsvorhaben gehört, habe man sich mit nicht weniger als 28 Interessengruppen, Firmen, Institutionen und Vereinen zusammengesetzt, deren Meinungen gehört und zusammengefasst.

Herausgekommen ist ein Mix an Interessensbekundungen, der unterschiedlicher kaum sein könnte. Denn neben dem Radsportclub ILRC (Downhill-Veranstalter) und Vermarktern wie dem Regionalverbund Thüringer Wald taten auch Wanderfreunde, Denkmal- und Naturschützer sowie Anwohner ihre Meinungen kund, die erwartungsgemäß etwas anders ausfielen.

Detaillierter ging Peter Effenberger aufs Thema ein. Seine Firma Racement wurde gewonnen, um bei der Mountainbike-Streckenplanung aktiv mitzuhelfen. Racement ist eine Firma, die unter anderem Zeitmessungen bei Radsport-Veranstaltungen wie Downhillrennen in verschiedenen Regionen übernimmt.

Die Streckenplanung für Mountainbiker soll sich zwar nur auf den Stadtforst am Lindenberg beschränken. Allerdings sollen keine Flächen berührt werden, die nach dem Kyrill-Sturm von der Bevölkerung aufgeforstet wurde, sagte Effenberger. Das Sport-Park-Areal teilte er in den größeren östlichen Teil (von der Schorte bis zum Alpine-Skihang) und den westlichen Teil ein (von der Alpine bis zur Einfahrt des Krummen Weges, hier könnte ein Trail-Park entstehen). Weitgehend unberührt bleiben soll die rückwärtige Südseite des Lindenbergs.

Neben einem Trail-Park und der bestehenden Downhillstrecke könnte es drei weitere Strecken von verschiedenen Schwierigkeitsgraden für Mountainbiker geben, so Effenberger. Die Strecken sollen bis zu dreieinhalb Kilometern lang und leicht bis mittelschwer befahrbar sein. Für sogenannte Flowtrails, Jumptrails und Singletrails sollen keine vorhandene Wege genutzt werden wie der Krumme Weg: "Man kann Trails umweltschonend bauen, aber es wäre ein Eingriff in die Natur." Für E-Biker könne man zwei Bergaufstrecken anlegen, ansonsten sprach sich Effenberger aber klar für einen Lift aus. Daneben könnten im östlichen Teil Themen- und Erlebniswege wie ein Bergbauweg zum Schorte-Bergwerk, einen Piratenweg, einen Märchenpfad oder einen Abenteuerspielplatz in der Nähe der Bobhütte entstehen.

In der folgenden Diskussion meldeten sich zunächst die Gegner der Planungen zu Wort. Vor allem Horst Traut (AfD) als sachkundiger Bürger verwies mehrfach auf die Weltklimakonferenz, den Umweltschutz und darauf, dass man schwere Eingriffe in die Natur tunlichst vermeiden sollte. Auch Lindenberg-Anwohner meldeten sich zu Wort und betonten, sie seien nicht gefragt worden: Ihre Befürchtungen waren eine Verkehrszunahme, da viele Mountainbiker mit Autos, Transportern und Anhängern anreisen (das bestritt Peter Effenberger nicht) und die Zerstörung des Lindenbergs: "Es ist schade um die schöne Natur", "Man braucht das alles nicht" und "Der Berg wird kaputt gemacht", waren einige Aussagen.

Dem widersprach Peter Schütz vom Fahrradclub ADFC mit dem Argument: Ilmenauer Mountainbiker müssten wegen ihres Hobbys ins Erzgebirge oder die Rhön fahren, wenn Zuhause nichts erlaubt ist - auch das sei nicht umweltfreundlich. Karsten Neumann (ILRC) wies auf den Freizeitcharakter der Strecken hin und die Bündelung von offiziellen Angeboten. Stadtrat Tim Wahner meinte, man sollte Kindern und Jugendlichen mit solchen Angeboten die Natur nahelegen, sonst würden aus ihnen später keine Naturfreunde.

Das Potenzial des Lindenbergs für Tourismus und örtlichen Handel hob Geschäftsinhaber Dietmar Kersten hervor: "Wir dürfen nicht den Anschluss verpassen!" Das dementierte Stadträtin Sybille Streubel (Grüne): "Am Lindenberg sollte es um sportliche Betätigung für örtliche Vereine gehen, nicht darum, Besucher aus Norddeutschland auf den Ilmenauer Hausberg zu locken." Visionär zeigte sich SPD-Stadtrat Reinhard Schramm ("als der Fußball entstanden ist, mussten auch viele Sportplätze gebaut werden. Und Mountainbikstrecken sind nicht so schlimm, als würde man den Urwald abholzen"). Man müsse den künftigen Bürgern und Studenten etwas bieten - was auch sein Parteikollege Horst Brandt unterstrich: "Zwei Teile am Lindenberg sind gut. Einer für Radfahrer, der andere Teil für Familien. Und auch an Senioren sollte man denken und eine Aufstiegshilfe mitplanen."

In den kommenden Monaten soll die Planung fortgeführt und konkretisiert werden: Der Lindenberg wird wohl noch lange für Diskussionen sorgen.

Autor

Uwe Appelfeller
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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
21:16 Uhr

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Uwe Appelfeller

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2019
21:16 Uhr



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