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Ilmenau

Diabetesdiagnose bringt ungeahnte Schwierigkeiten

Familie Sorg wollte ihre Tochter in den katholischen Kindergarten St. Martin in Ilmenau geben. Durch die Diabeteserkrankung des Mädchens kam es zu Missverständnissen, die Eltern sind enttäuscht.



Eigentlich sollte die fünfjährige Tochter von Familie sorg den katholischen Kindergarten St. Martin in Ilmenau besuchen. Durch die Diabetesdiagnose gestaltete sich die Aufnahme aber schwierig und scheiterte letztendlich. Foto: Morgenroth
Eigentlich sollte die fünfjährige Tochter von Familie sorg den katholischen Kindergarten St. Martin in Ilmenau besuchen. Durch die Diabetesdiagnose gestaltete sich die Aufnahme aber schwierig und scheiterte letztendlich. Foto: Morgenroth   Foto: Morgenroth

Ilmenau - Die Rückkehr in die Ilmenauer Heimat sollte für die bis dato in Nordrhein-Westfalen lebende Familie Sorg ungeahnte Probleme mit sich bringen. So suchte die junge Familie bereits frühzeitig einen Kindergartenplatz für ihre fünfjährige Tochter und guckte sich den katholischen Kindergarten Sankt Martin im Ilmenauer Südviertel aus.

 

Über die Zusage des Kindergartenplatzes freuten sich die Rückkehrer sehr. Während der Schnuppertage kam es jedoch zu einer folgenreichen, gesundheitlichen Diagnose für das Töchterchen: "Während dieser Schnupperwoche wurde bei unserer Tochter Diabetes mellitus Typ 1 diagnostiziert, was wir der Kindergartenleitung mitteilten. Es folgte ein persönliches Gespräch über die Erkrankung und die bevorstehende Eingewöhnungszeit. Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt bereits um einen Pflegedienst gekümmert, der die medizinische Betreuung während der Mahlzeiten in der Kita übernehmen konnte. Außerdem boten wir eine Diabetesinformation durch uns vor Ort an, um den Erziehern die Erkrankung näherzubringen. Auch die Caritas hatte keine Bedenken bezüglich der Aufnahme einer Diabetespatientin", führt Vater Johannes Sorg in einer Zuschrift an unsere Zeitung aus.

Am Ende des Gespräches haben die Eltern der Kindergartenleitung die Aufnahmeunterlagen ausgehändigt, jedoch ohne Dokumente zurück zu bekommen, die einen schriftlichen Beleg für die offizielle Annahme belegten. "Begründet wurde dieses Vorgehen damit, dass die Leitung erst mit den Erziehern Rücksprache halten müsse, ob sie unsere Tochter wirklich aufnehmen. Wir verblieben mit der Vereinbarung, dass wir in einer Teambesprechung anwesend sein werden, um über die Situation aufzuklären und die Fragen der Erzieher zu beantworten", erläutert Vater Johannes Sorg weiter.

Das zugesagte gemeinsame Gespräch sollte jedoch nie stattfinden. In einer Teamsitzung ohne die Eltern beschloss die Belegschaft, die Aufnahme des an Diabetes erkrankten Mädchens an verschiedene Bedingungen zu knüpfen. Eine davon: Eine Integrationshilfe für den Kindergarten. Bis diese Auflagen erfüllt würden, läge die Eingewöhnung auf Eis.

Eine Integrationshilfe zu engagieren, gestaltete sich für die junge Familie jedoch als nicht realisierbar, da Diabetes keine integrationsbedürftigen Einschränkungen mit sich brächte und Monate dauern würde. Dieser Sachverhalt wurde Familie Sorg auch durch das Sozialamt und der Leitung des Integrations-Kinderzentrums Ilmenau bestätigt. "Unsere Tochter ist ein ganz normales Kind, das spielt, herumtobt und alles essen kann. Den Pflegeaufwand, die entsprechende Insulingabe zu den Mahlzeiten hätte der Pflegedienst übernommen, womit wir den Erziehern lediglich die ‚normale‘ Betreuung auferlegt hätte. Eine plausible Begründung für die Forderung der Integrationshilfe bekamen wir nicht. Unserer Meinung nach wollte die Belegschaft über diesen Weg eine zusätzliche Kraft erzwingen", beschreibt Johannes Sorg.

Es folgte ein Telefonat, in dem die Kindergartenleitung des katholischen Kindergartens äußerte, dass die Tochter im integrativen Kindergarten am Eichicht besser aufgehoben wäre. Dort war eine Aufnahme des Kindes jedoch aus Platzgründen nicht möglich, ebenso bestärkte die Kita-Leitung die Eltern, dass Diabetes kein Grund sei, ein Kind nicht in einer Regel-Kita aufzunehmen.

Anmeldung zurückgezogen

Nach der Absage der Eingewöhnung gestaltete sich die Kommunikation mit dem christlichen Kindergarten nach Angaben von Johannes Sorg als "sehr spärlich". Konkrete Ansagen und Lösungsansätze blieben aus. Dass von der Diabetesberaterin aus dem Heliosklinikum Erfurt vorgebrachte Angebot einer kostenlosen Vor-Ort-Schulung lehnte die Einrichtungsleitung ab. Schließlich beschloss Familie Sorg, für ihre fünf Jahre alte Tochter eine andere Kita zu suchen. "Wir sind sehr enttäuscht vom diesem Kindergarten. Wir haben alles Erdenkliche unternommen, unserer Tochter den Start in dieser Kita zu ermöglichen. Die Ungewissheit, wie die Situation ausgehen wird, hatte auch Auswirkungen auf sie, die die Probleme natürlich bemerkte, auf sich bezog und wieder zurück nach NRW ziehen wollte. Es ist sehr schade, dass die Probleme auf dem Rücken unserer Tochter ausgetragen wurden, die in dieser Zeit viele Fragen stellte und den täglichen sozialen Kontakt zu einer Kindergartengruppe vermisste, wie sie es aus ihrer ‚alten‘ christlichen Kita gewohnt war. Das Kindeswohl stand nicht an erster Stelle, wie es in einer Kita der Fall sein sollte. Wir hätten von einer katholischen Einrichtung mehr Entgegenkommen und eine offenere Kommunikation erwartet.", resümiert und kritisiert die Familie.

Andere Kita - keine Probleme

Ihre Tochter besucht mittlerweile den städtischen Kindergarten Zwergenland, in dem die Aufnahme nach wenigen Telefonaten und einem persönlichen Gespräch reibungslos verlief. Darüber hinaus sind Erzieher und Kita-Leitung kurzfristig zur Diabetesschulung nach Erfurt gefahren, der Pflegedienst kommt für die Insulinspritze zum Mittagessen.

Die Anmeldung des Sohnes für den Kindergarten Sankt Martin haben die Eltern nach den negativen Erfahrungen ebenso zurückgezogen. "Wir wünschen uns, dass der katholische Kindergarten daraus lernt und dass Familien mit kranken Kindern, wie chronischen Autoimmunerkrankungen, nicht im Regen stehen gelassen werden", so Johannes Sorg.

Die Katholische Kirchengemeinde "Sankt Elisabeth" als Träger des Kindergartens Sankt Martin hat sich indes schriftlich bei Familie Sorg für den unglücklichen Ausgang entschuldigt und bittet um Verständnis. "Wir können die Enttäuschung und den Ärger der Familie Sorg nachvollziehen und sind ebenfalls der Meinung, dass der Verlauf nicht den Ansprüchen eines christlichen Trägers genügt", erklärt das Mitglied des Kirchenvorstandes, Mario Graff. Ebenso möchte dieser jedoch auch klarstellen, dass sich die Kita weder gegen die Aufnahme des Kindes gesträubt, noch eine letztendliche Absage erteilt habe. "Es war unser erstes Kind mit Diabetes und wir waren auf so einen Fall nicht vorbereitet, weshalb sich die Erzieherinnen erst ein Bild machen und das notwendige Know-how aneignen wollten. Es ist jedoch das Versäumnis des Kindergartens, dass zu lange gebraucht und nicht schneller eine Entscheidung getroffen wurde", erläutert das Kirchenvorstandsmitglied.

Darüber hinaus betonte Mario Graff aber auch, dass es bezüglich der Integrationshelferin ein Missverständnis gegeben haben muss, so wäre diese keine Bedingung gewesen, damit das Kind aufgenommen wird. Vielmehr sollte im Vorfeld geprüft werden, ob Anspruch auf eine Helferin besteht, da diese - bei entsprechendem Anspruch - nach einer bereits erfolgten Aufnahme des Kindes schwieriger zu beschaffen gewesen wäre. Ebenso lehnten die Erzieher die Diabetesschulung nicht generell ab, vielmehr ließe sich der vorgeschlagene Zeitpunkt nicht mit dem Kita-Alltag vereinbaren. "Der Kindergarten muss in der Lage sein, solche Fälle besser und schneller zu bedienen", so Graff, der ebenso ankündigte, dass die Kita ihre Konsequenzen aus den Geschehnissen ziehen würde. So sollen gemeinsame Gespräche geführt, Schulungen abgehalten und sich mit anderen Kindergärten, insbesondere dem weiteren Kindergarten in der Pfarrei in Arnstadt ausgetauscht werden.

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Jessie Morgenroth
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Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
16:36 Uhr

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Jessie Morgenroth

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Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
16:36 Uhr



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