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Ilmenau

Das neue Schätzchen heißt Mopetta

Der Ilmenauer Marek Schramm ist als Sammler exklusiver Oldtimer bekannt. BMW 507, Mercedes 300 SL Flügeltürer oder ein Porsche 550 Spyder gehören längst zur Sammlung. Nun kommen das kleinste Auto und der einzige Maserati-Roller dazu.



Marek Schramm mit seinen Neuerwerbungen: rechts die Mopetta zum Hochnehmen, links der einzige Maserati-Roller.
Marek Schramm mit seinen Neuerwerbungen: rechts die Mopetta zum Hochnehmen, links der einzige Maserati-Roller.   » zu den Bildern

Ilmenau - "Es war Liebe auf den ersten Blick." Marek Schramm ist die Freude anzusehen. Spitzbübisch kneift er seine glänzenden Augen, wenn er die Garage öffnet. Zwischen Stilikonen des Automobilbaus steht ein kleines blaues Gefährt in Eiform. Sieht mehr aus wie ein Wagen vom Autoscooter auf dem Rummel: Es ist eine Mopetta. Der "heilige Gral" der Kleinwagen. Zum Knutschen gern haben kann man diesen kleinen runden Zwerg in Blau, weiß abgesetzt mit Zierleisten und mitten im Gesicht eine Lampe. Gerademal 170 Zentimeter lang, kaum einen Meter breit und hoch. Ein Roadster, wie man sagen würde, da es für diesen Wagen eigentlich kein Verdeck gibt. Es ist ein Einzelstück der Brütsch Mopetta, Baujahr 1957, aus der Produktion von nur 14 Exemplaren.

Es war wieder einmal das sprichwörtliche Glück und der richtige Riecher des 50-jährigen Ilmenauers. "Ich war gerade an der französischen Grenze unterwegs, da wollte ich gleich mit Hänger zu Sotheby‘s nach Paris fahren, um das exklusive Stück zu ergattern", erinnert er sich wieder zu Hause in Ilmenau. Die Mopetta, im Prinzip ein Moped mit einem eiförmigen Aufbau, ist in der Fachliteratur mit dem englischen Kennzeichen 408 EPD als Urzustand aufgeführt. Von den 14 Exemplaren existieren nicht mehr alle, einige sind neu aufgebaut oder restauriert worden. Sogar eine Reihe Replika gibt es auf dem Markt. Schramm: "Der englische Sammler hatte den Schätzwert auf 90.000 bis 120.000 Euro im Katalog angegeben."

Persönliches Limit

Als Schramm das Eier-Wägelchen sieht, ist er erst einmal baff. Der Auktionator hat die Mopetta neben sich stehen. Da es kein Limit gibt, beginnt die Auktion bei 30.000 Euro. Bei 60.000 steigen sechs weitere Bieter aus. "Da habe ich die Hand oben behalten und der Auktionator hat den Preis zugeschlagen", sagt Schramm und gibt zu: "Ich setze mir immer ein Limit, sonst dreht man bei einer Auktion durch." Sein Limit liegt diesmal bei 65.000 Euro. "Glück gehabt." Schnell noch ein Foto mit dem Auktionator vor der Übergabe. Dann packt Marek Schramm die 78 Kilo leichte Mopetta auf seinen Hänger. "Ein Bild zum Piepen", erinnert er sich. "Der Clou war dann auf der Autobahn nach Deutschland. Da kamen wir in eine Polizeikontrolle. Die haben doch tatsächlich den Hänger nachgewogen, ob das Höchstgewicht nicht überschritten ist."

Die Mopetta ist eine Entwicklung des Rennfahrers Egon Brütsch (1904-1988). Der Süddeutsche stammte aus wohlhabenden Verhältnissen, die Eltern hatten eine Damenstrumpffabrik. Zwischen 1956 und 1958 baute Brütsch nachweislich 14 teils sehr verschiedene, verkleidete Mopeds und nannte sie Mopetta. Grundlage bildet ein Moped, von dem aber nur die Lenkung und der Motor stammen. Beides ist auf einem Stahlrohrrahmen angebracht, mit einer aus Glasfaservlies und Kunstharz hergestellten Karosserie komplettiert. Der Motor muss mit der linken Hand per Seilzuganlasser gestartete werden. Gelenkt wird das somit kleinste Auto der Welt mit einem Mopedlenker, in dem die Gangschaltung wie auch die Kupplung integriert sind. Die Bremse befindet sich auf dem Boden. Der seitliche Motor treibt über eine Kette das linke Hinterrad an. Auf ein Differentialgetriebe konnte somit verzichtet werden. Am hinteren Querträger des Chassis sind Hülsen, in denen das hintere Achsrohr gleitend gelagert ist. Jedes der Räder wird von einer Zweiarmschwinge umschlossen. Von der Mitte des Achsrohrs geht ein Ausleger nach vorne, der in einem Gummifederelement gelagert ist. Somit können sich die Hinterräder nicht unabhängig voneinander bewegen. Die Eigenkonstruktion von Egon Brütsch stellt also keine Einzelradaufhängung dar.

Die Handbremse ist zugleich als Feststellbremse ausgelegt und wirkt allein auf das Vorderrad. Das Fußbremspedal liegt rechts und wirkt auf die Hinterräder. Der Motor hat 50 Kubikzentimeter und bringt eine Leistung von 2,3 PS. Mit drei Vorwärtsgängen kann eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 45 Stundenkilometern erreicht werden. Ein Rückwärtsgang ist nicht vorhanden. "Da muss man aussteigen und die Mopetta vorn hochheben", demonstriert Marek Schramm und springt behände aus dem Minisitz. Der 1,90 Meter große Fahrer hat genügend Platz. Der Tank fasst sieben Liter Benzingemisch, reicht für 350 Kilometer. Der Zweitakter verlangt ein Mischungsverhältnis von 1:20.

Diese Kleinstwagen wie die Mopetta entstanden in Westdeutschland in Zeiten des beginnenden Wirtschaftswunders. Der Drang nach freier Beweglichkeit wurde anfangs mit Kleinwagen wie der Isetta von BMW befriedigt. Die großen Wagen der Autohersteller konnte sich damals kaum ein Arbeiter leisten. 1957 lag der Jahres-Durchschnittsverdienst bei 4050 D-Mark. Die Isetta, besser bekannt als Knutschkugel, kostete 2780 DM, die Brütsch-Mopettas lagen zwischen 750 und 1050 DM. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich einen VW-Käfer für 4600 DM. Das einfach zu bedienende Auto wurde zum Synonym des Wirtschaftswunders. Im Osten setzte man seinerzeit auf Mopeds wie das SR 2 aus Suhler Produktion. In der Planwirtschaft war kein Platz für Nischenprodukte. 1957 wurde als Nachfolger des DKW in Zwickau der Trabant entwickelt.

Zurück zu Marek Schramms Mopetta. Damit das gute Stück nicht so alleine in seiner Klasse ist, kaufte der Oldtimersammler das einzige Exemplar des Maserati Scooters "Alférez" M2 hinzu. Der Prototyp, der von vorn wie eine Vespa aussieht, war 1957 von Maserati in Mexiko entwickelt worden. Von zwei Exemplaren ist nur eines übrig geblieben. Der Roller ist vor ein paar Jahren in New York entdeckt worden und steht nun in Ilmenau in der Garage.

Apropos Maserati: Marek Schramm traf sich vergangenes Jahr mit Adolfo Orsi jr.. Dessen Großvater hatte sich 1937 bei Maserati eingekauft. Nun bestätigte der Enkel die Echtheit des Scooters.

Marek Schramm will die beiden Neuerwerbungen zum diesjährigen Gabelbach-Bergrennen vorstellen. Das Rennen findet vom 21. bis 23. Juni in Ilmenau statt.

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Volker Pöhl
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Veröffentlicht am:
08. 03. 2019
17:26 Uhr

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Volker Pöhl

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08. 03. 2019
17:26 Uhr



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