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Ilmenau

Anschluss nicht verpassen: Kreistag fordert Bahn-Haltepunkt

Der Kreistag fordert in einer Resolution, in Wümbach (im Ilm-Kreis) einen Regionalhaltepunkt zu schaffen. Damit will man gegenüber der Bahn ein Signal senden. Einstimmig ist das aber nicht.



Arriva
Ein Bus von Arriva PLC ist im britischen Tamworth unterwegs. Im internationalen Konzern Deutsche Bahn haben viele Beteiligungen nichts mit dem Kerngeschäft zu tun.   Foto: Lee Sanders/News Team International/dpa

Arnstadt - Der Kreistag hat am Mittwoch eine Resolution zur "Aufnahme eines Regionalhaltepunktes in Ilmenau-Wümbach an der ICE-Strecke Erfurt-Coburg-Nürnberg in die Planung der Deutschen Bahn" verabschiedet. Wie von Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders (Linke) erhofft einstimmig fiel dies aber nicht aus. Die sechs Neinstimmen und fünf Enthaltungen kamen vor allem aus dem Nordkreis. Dort fürchtet man um die bestehende Strecke Ilmenau-Arnstadt-Erfurt.

Die Resolution fordert die Landesregierung auf, "sich vehement" und "aktiv" bei der Deutschen Bahn für einen Haltepunkt" einzusetzen. Sie verweist darauf, dass im 1996er-Planfeststellungsverfahren in Wümbach "der Ausbau eines Persone nbahnhofs zum Haltepunkt und Verknüpfungspunkt zwischen Nah- und Fernverkehr" vorgesehen war. "Ich denke, wenn Regionalverkehr auf die Strecke kommt, dann ist es an der Zeit, diesen Haltepunkt zu schaffen", betonte Enders. Sie sehe diesbezüglich Bund und Bahn in der Pflicht. Der Ilm-Kreis habe durch Baumaßnahmen so viele Einschnitte hinnehmen müssen, nun habe er verdient, davon zu profitieren.

"Für den Ilm-Kreis wird festgestellt, dass Thüringen wie auch der Ilm-Kreis von diesem Haltepunkt profitieren", heißt es in der Resolution. Sie verweist darauf, dass "die einzige Technische Universität Thüringens" diese direkte Anbindung brauche, denn von den 4200 Studierenden aus Deutschland kämen über 700 aus dem bayerischen Raum. Auch in Ilmenau ansässige Institute und Forschungseinrichtungen würden "von einer direkten Anbindung an den bayrischen Raum über die Schiene" enorm profitieren.

Ein Angebot über Regionalverkehr auf der Schiene sei aber auch für die Wirtschaft wichtig, ein weiterer Standortfaktor im Kampf um Fachkräfte sowohl für die Unternehmen im Umfeld der TU Ilmenau wie am Erfurter Kreuz wird weiter angeführt. "Das Industriegebiet ist gut aus Richtung Erfurt erschlossen. Es fehlt eine ebenso gute Anbindung aus südlicher Richtung", heißt es. Mit einem Regionalhaltepunkt an der ICE-Strecke könne dem abgeholfen werden.

Die Resolution verweist auch auf den "Schienenverkehr als umweltfreundliche Alternative zum Straßenverkehr". Durch einen mit dem ÖPNV im Kreis gut vertakteten Regionalverkehr könne eine Alternative zu den ausgelasteten Straßen geschaffen werden.

Und schließlich führt die Resolution auch den Tourismus als Argument für einen Haltepunkt in Wümbach auf. Der Ilm-Kreis habe durch den ICE-Streckenbau viele Eingriffe in die Natur hinnehmen müssen, heißt es. "Ein Regionalverkehr auf der ICE-Strecke mit einem Halt in Ilmenau würde diese Eingriffe zumindest zum Teil auffangen."

Mit der TU und der Stadt Ilmenau erwarte der Kreistag, "dass die Landesregierung mit ganzer Kraft das Anliegen, den Regionalverkehr auf die ICE-Strecke zu bringen und Thüringen einen Haltepunkt in Ilmenau zu geben, unterstützt und sich für die Erreichung dieses Zieles einsetzt", fordert man in Richtung Erfurt.

Es gibt auch Bedenken

"Mit der Resolution setzen wir ein Signal Richtung Landesregierung, Bund und Bahn, dass es an der Zeit ist, diesen Haltepunkt umzusetzen", betonte Enders. Im Dezember soll es im Landratsamt ein Gespräch mit der Bahn geben, kündigte sie an.

Nicht alle Kreistagsmitglieder aber sahen den Haltepunkt als dringend notwendig an. "Ich sehe keinen Vorteil darin", sagte Lars Oschmann, CDU/FDP-Fraktion. Man sei mit der bestehenden Strecke genauso schnell von Ilmenau in Erfurt wie über die neue, schließlich müsse man erst mit dem Bus nach Wümbach fahren. "In der Zeit ist der Zug schon in Martinroda", so Oschmann. "Wer klimafreundliche Strukturen fordert, soll sich auch damit beschäftigen, dass auf der bestehenden Strecke klimafreundliche Strukturen geschaffen werden."

Die Millionen für den Haltepunkt sollte man lieber in die bestehende Strecke stecken und dort mehr Ausweichstellen schaffen, sodass mehr Züge gleichzeitig verkehren könnten. "Ein Haltepunkt in Wümbach würde zu weniger Angeboten auf der bestehenden Strecke führen und gleichzeitig durch die Busanbindung dem Ilm-Kreis zusätzliche ÖPNV-Kosten bescheren", fürchtete Oschmann.

Anders sah es sein Fraktions-Vize Andreas Bühl. Die Studierendenzahlen an der TU Ilmenau seien rückläufig, besonders aus dem fränkischen Raum, seitdem dort die Studiengebühren wegfielen. "Wir müssen uns also attraktiver machen", forderte Bühl. "Die bisherige Strecke ist für den fränkischen Raum nicht attraktiv." Auch sei sie seiner Meinung nach kaum ausbaubar für höhere Geschwindigkeiten. Dies würde eine durchgehende Zweigleisigkeit bedingen, "die weitaus mehr als der Haltepunkt" koste.

Autor

Berit Richter
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Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
19:48 Uhr

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Autor

Berit Richter

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Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
19:48 Uhr



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