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Hildburghausen

Eine Stunde ahnungslos unter glimmenden Balken gelegen

Beißender Rauchgeruch zieht in die Nase. Der wird im Obergeschoss des Hauses von Jörg Kegeler in der Schleusinger Mozart-Straße extrem. Vor gut einer Woche hatte hier der Blitz eingeschlagen und Feuer an den Dachbalken gefressen. Das 17 Jahre alte Holzhaus ist abrissreif.



Jörg Kegeler steht vor den abrissreifen Überresten seines Hauses. Ein Blitz hatte eingeschlagen und es unbewahnbar gemacht. Foto: frankphoto.de
Jörg Kegeler steht vor den abrissreifen Überresten seines Hauses. Ein Blitz hatte eingeschlagen und es unbewahnbar gemacht. Foto: frankphoto.de  

Schleusingen - Jörg Kegeler war wach, als es in seinem Haus krachte. "War das aber nah! Blitz und Donner in einem", dachte er sich. Im ganzen Haus habe er nachgeschaut, ob etwas passiert war. Er fand, sah, hörte, roch nichts und legte sich schließlich zurück ins Bett. Das war am 1. August um 5 Uhr. Was er nicht wusste: Zwei Meter über ihm begannen da die Flammen bereits am Dachbalken zu fressen - zwischen der Holzverschalung und den Ziegeln.

Hilfsaktion

Wer den Kegelers helfen möchte, der kann aufs Konto des Vereins Freies Wort hilft e.V. spenden.
IBAN: DE39 840500 001705 017017
Rhön-Rennsteig-Sparkasse.
Bitte das Stichwort "Familie Kegeler" nicht vergessen.

 

Blitz hatte eingeschlagen

Erst die Nachbarn haben schließlich eine Stunde später bemerkt, dass es aus dem Spitzboden des Hauses qualmte. Der Blitz hatte tatsächlich eingeschlagen. Und sie reagierten schnell, weckten Jörg Kegeler und seine Lebensgefährtin und alarmierten die Feuerwehr. Der Familienvater versuchte noch selbst zu löschen, doch das war aussichtslos.

"Diesen Morgen werden wir so schnell nicht vergessen", sagt Nachbar Dietmar Steglich. Er weiß, dass er Riesenglück hatte, denn Blitz und Feuer hätten auch sein Haus, das in unmittelbarer Nähe steht, vernichten können. Er und seine Frau - wie viele andere Bewohner des Wohngebiets "Weißer Berg" auch - fühlen mit den Kegelers mit. "Wenn Hilfe gebraucht wird, sind wir da", lässt Dietmar Steglich wissen. Geholfen hat auch die Feuerwehr. 14 Stunden lang haben die Kameraden ununterbrochen gelöscht und versucht zu retten, was zu retten war. Dafür sagt Jörg Kegeler von ganzem Herzen danke.

Von außen scheint das Haus unversehrt. Alles sieht idyllisch aus. Das Holzhaus mit der braunen Fassade strahlt Wärme aus, im Garten blühen die Blumen, Äpfel reifen am Baum und Wein rankt sich an der Hauswand empor. Dicke Trauben haben sich gebildet. In ein paar Wochen ist Erntezeit. Jörg Kegeler lächelt. Ein fröhliches Lächeln ist es nicht, eher Galgenhumor. Ja, die Äpfel könnten runter . . . Doch momentan sei anderes zu tun. Ein Blick auf den Boden und ums Haus herum klärt auf: Überall liegen Ziegel und Brocken der Holzdämmung, im hinteren Bereich ist das Dach abgedeckt und mit einer Plane geschützt. Es riecht verkohlt.

Auch im Obergeschoss ist die Dämmung aus der Decke gezogen. Teils schwarz, teils aber noch in Originalzustand. Die sonst hinter einer Brettschalung versteckten Dachbalken sind frei gelegt. Es ist zu sehen, wo das Feuer entlang gekrochen ist, wo es geleckt und gefressen hat. In der Decke des Kinderzimmers war es ausgebrochen. In diesem steht Jörg Kegeler und schaut auf die verkohlten Balken. Das habe er alles mit gedämmt - überhaupt sehr viel selbst gemacht beim Hausbau. "Es tut weh, das alles jetzt so zu sehen", gibt er zu. Er weiß, dass ein Blitzeinschlag Temperaturen von 20 000 Grad Celsius auslöst. "Balken werden angezündet wie nichts", sagt der 54-Jährige. "In den ersten drei Tagen nach dem Brand fühlt man sich wie in Watte gepackt. Die Zeit habe ich gebraucht, um zu akzeptieren, dass alles kaputt ist", sagt er. Natürlich sind seine beiden Kinder Maria und Martin sofort gekommen. Aus Potsdam vom Studium. Sie haben mit angepackt - alle Papiere aus dem Haus geholt und das, was vermeintlich nichts abbekommen hatte. Die Holzmöbel sind nun erst einmal eingelagert, doch sie riechen aus allen Poren. Nach dem Brand, nach Rauch. Ob sie wieder zu verwenden sind? Jörg Kegeler will sie noch nicht aufgeben, doch viel Hoffnung hat er nicht.

Sein Blockhaus ist verloren, soviel weiß er schon. Doch der Schleusinger steckt den Kopf nicht in den Sand. Er sagt von sich selbst: "Ich bin der letzte Optimist auf dieser Welt." Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin wird er nun neu beginnen. Auf dem Weißen Berg. Dort wird wieder ein Häuschen entstehen. Vielleicht wieder ein Holzhaus. Doch genau weiß Kegeler das noch nicht. Es wäre sicherlich das Schnellste, denn die Firma, die vor 17 Jahren seines gezimmert hatte, gibt es noch. Dort habe er auch schon angeklopft - er könnte als Notfall zwischen verschiedene andere Bauprojekte "geschoben" werden. Dennoch: Im Moment ist der Physiker, der in der Entwicklungsabteilung eines Unternehmens in Suhl arbeitet, mit Versicherungsfragen beschäftigt. "Es ist unwahrscheinlich viel Papierkram zu erledigen", sagt er und winkt ab. Zum Glück hat er Urlaub. Drei Wochen. Da lasse sich viel regeln.

Baukosten fast verdoppelt

Eines ist ihm klar: Der Abriss wird enorm teuer. Und das, was er zum Hausneubau benötigt, wird die Versicherung nicht komplett zahlen. Die Baukosten sind gestiegen, haben sich fast verdoppelt. "Doch wir werden es schaffen, auch wenn es bedeutet, wieder einen Kredit aufzunehmen."

Momentan ist er bei seinen Eltern in Schleusingen untergekommen. Im Gästezimmer. Doch eine Dauerlösung sei das nicht. Deshalb ist er auf Wohnungssuche gegangen. "Bürgermeister Klaus Brodführer unterstützt uns hier sehr. Er war auch am 1. August fast den ganzen Tag dabei", erzählt Jörg Kegeler. Er ist optimistisch, dass er in einem Jahr wieder in (s)ein Haus in der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Straße 16 ziehen kann, etwa 125 Quadratmeter groß - so in etwa wie sein Bisheriges.

 

01.08.2017 - Dachstuhlbrand Schleusingen - Foto: proofpic.de

Dachstuhlbrand Schleusingen Schleusingen
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Katja Wollschläger
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Veröffentlicht am:
11. 08. 2017
18:57 Uhr

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Autor

Katja Wollschläger

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Veröffentlicht am:
11. 08. 2017
18:57 Uhr



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