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Hildburghausen

Patrice ist ein Kämpfer

Die Familie ist glücklich und dankbar. Glücklich, dass Patrice wieder zu Hause ist und Fortschritte macht, dankbar über die vielen von Herzen kommenden Spenden.



Christiane, Patrice, Sandro und die beiden kleinen Brüder Fabian und Edwin sind von Herzen für die vielen Spenden dankbar. Fotos: G. Bertram
Christiane, Patrice, Sandro und die beiden kleinen Brüder Fabian und Edwin sind von Herzen für die vielen Spenden dankbar. Fotos: G. Bertram   » zu den Bildern

Ebenhards - Der Tag, an dem Patrice nach neun Monaten Klinik und Reha nach Hause kam, war zugleich der letzte Schultag seiner Klasse 10 in der Nonne-Schule. Gefeiert wurde an diesem 29. Mai in Weitersroda, und Patrice durfte dabei sein. Nicht nur, dass auch er einen Pullover mit den Namen all seiner Klassenkameraden und dem Spruch "Schluss mit dem Heulen, das Rudel zieht weiter" bekam, seine Freunde standen auch Schlange, um ihn zu drücken, zu knuffen und zu begrüßen. Ihnen allen steckt der schreckliche Tag noch in den Knochen.

Es war der 17. September 2018, als Patrice nach dem Sportunterricht nicht wieder auf die Beine kam, weil er einen Schlaganfall erlitten hatte. Mit 14 Jahren! Unfassbar, unbegreiflich. Für die Familie, seine Mama Christiane, den Stiefpapa Sandro, Oma Petra, Tante Martina und die beiden kleinen Brüder Fabian und Edwin ein Schock und ein Schicksal, das ihr ganzes Leben veränderte. Monatelang hat Mama Christiane ihren Patrice begleitet, hat die Familie mit gebangt, den Jungen immer wieder besucht und ermutigt. So viel Liebe, so viel Mitgefühl, so viel Herzenswärme - auch von Freunden, Bekannten, Nachbarn und vielen mehr.

Eine starke Mama

Patrice musste und muss alles wieder lernen - essen, trinken, sprechen. Er ist noch immer rechtsseitig gelähmt und in seinen Bewegungen sehr eingeschränkt, aber er macht Fortschritte. Darüber sind alle überglücklich. "Mit einem Löffel", erzählt Christiane, "hat er zuerst Babynahrung zu sich genommen und aus der Schnabeltasse getrunken." Aber es ging aufwärts, auch weil Christiane stark ist, nie den Mut verlor und ihrem Jungen geduldig Mut zusprach. Nie wird sie den 2. Februar vergessen, als sie frühmorgens sein Zimmer betrat und Patrice sagte: "Hallo Mama, Handy." Was für ein gewaltiger Fortschritt! "Ich stand da und hab geweint", sagt Christiane.

Zuhause musste der Alltag weitergehen, und alle halfen mit. Und die Familie bereitete sich auf die Heimkehr von Patrice vor. Auch das ältere Haus musste darauf vorbereitet werden. Patrice, das war allen klar, wird zunächst mit dem Rollstuhl Mobilität lernen. So wurde die Auslegware herausgerissen und Laminat gelegt, der Flur und die Treppen wurden erneuert, Türen verbreitert, ein Geländer angebracht, ein Treppensteiger als Hilfe angeschafft.

Rund um das Haus legte Sandro Pflastersteine, die Auffahrt muss noch geebnet, und auch das Bad soll noch behindertengerecht umgebaut werden. Und ein Auto mit Rampe haben sich die Nolles auch zugelegt. Das kostet Geld, und nicht alles übernimmt die Krankenkasse. Ein Aufruf in der Tageszeitung Freies Wort stieß auf eine große Resonanz und Hilfsbereitschaft. Wenn "Freies Wort hilft", dann richtig. Und auch die Nonneschüler sammelten fleißig und gaben einen ordentlichen Batzen dazu. Mal abgesehen von den Briefen,Bildern und den regelmäßigen Besuchen von Nadine oder Elias in der Reha-Klinik.

6000 Euro sind zusammengekommen, Geld, das der Familie weiterhilft. Geld, für das Christiane und Sandro von Herzen dankbar sind. Wie für alle anderen kleinen und großen Spenden und Geschenke von Familie, Freunden, Nachbarn, Schulkameraden, Firmen und Vereinen. "Weihnachten", erzählt die Mama, "wurden immer wieder kleine Geschenke abgegeben, alles Mutmacher und Zeichen für Mitgefühl."

Geduldiges Üben

Patrice sitzt in seinem Sessel, übrigens wurde sein Zimmer von der oberen in die mittlere Etage verlegt, und er blickt munter in die Runde. Seit ein paar Tagen bekommt er Physio-, Ergo- und Logotherapie. Mit der linken Hand schreibt er schon seinen Namen, aber alles, sagt Christiane muss immer wieder geübt werden. "Nur gut", fügt Oma Petra hinzu, "dass er so ehrgeizig ist und sich alle Mühe gibt." Seinen Humor, darüber freuen sich alle, hat er nicht verloren, ist immer mal zu einem Späßle aufgelegt. Wenn die Oma sagt, ich komm gleich wieder, sagt Patrice: Ich lauf dir schon nicht weg. Dieser Tage haben die beiden ein paar alte Fotoalben durchgeblättert. "Patrice hat so viel gelacht, wie wir so früher aussahen, in Faschingskostümen und mit den ulkigen Frisuren." Eltern, Oma, Tante, Brüder, Cousins - Patrice wird von vielen Händen getragen und gestützt - zurück ins Leben.

Patrice hat trotz allem ein Riesenglück: seine Familie. "Keine Feier ohne Meier", lacht Sandro und will damit sagen, dass Patrice immer und überall mitgenommen wird und dabei ist. Mit dem Treppensteiger, der mobil ist und auch anderswohin mitgenommen werden kann, wird Patrice täglich in die muntere Familienrunde geholt. Gemeinsam spielen sie Uno, üben dabei Farben, Zahlen und die Motorik. Manchmal, sagt die Mama, muss sie gut zureden, weil Patrice mit sich selbst ungeduldig ist. "Lasst ihn erst mal richtig ankommen", meint Tante Martina. Dass er es schafft, davon sind alle überzeugt und reichen ihm die Hände. "Wir lassen uns nicht unterkriegen."

Auch nicht, wenn es jetzt um den weiteren Schul- und Berufsweg geht. In Coburg haben die Nolles die "Schule am Hofgarten" gefunden, ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung und Heilpädagogischen Tagesstätte. Drei Jahre könnte Patrice hier lernen und seine motorischen Fähigkeiten wieder aufbauen. Aber: Die Schule ist in Bayern, und es geht um die Kostenübernahme - für Schule und Beförderung.

Eine Schule, die passt

Gespräche mit dem Landratsamt wurden bereits geführt, viel Hoffnung, gibt Christiane zu, haben sie nicht. "Nur 30 Kilometer weiter", sagt Tante Martina, "ich verstehe nicht, wieso das nicht gehen soll." Am 25. Juni wird ein Gutachten von Seiten der Schule durchgeführt. Wenn das besagt, dass Patrice hier an der richtigen Stelle ist, werden sie kämpfen und zwar wie die Löwen. "Wenn das alles nicht klappt", erklärt Sandro, "dann müssen wir uns eben an Mama Merkel wenden." Alles, wirklich alles will die Familie unternehmen und versuchen, damit Patrice seinen Weg finden kann. Auch das Ausprobieren eines Impulsgebers, der übers Bein das Gehirn stimuliert, und auf den Christiane durch Zufall stieß. Das alles sind Lichtblicke! Aber es ist ein harter Kampf, das wissen alle auch.

Neues gibt es für Patrice neben all dem Lernen und Üben übrigens fast täglich. In der Nacht zum Mittwoch hat die Familie Nachwuchs bekommen. Das Lama-Pärchen hat ein Baby, für das Patrice den Namen aussuchte. "Shinichi", wie auch immer man das spricht, lacht Christiane. Und morgen, am Sonntag, gibt es noch eine ganz tolle Überraschung, für die Sebastian aus Crock sorgt.

Autor

Gabi Bertram
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Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
15:10 Uhr

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Gabi Bertram

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14. 06. 2019
15:10 Uhr



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