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Hildburghausen

Gedenken an die Pogromnacht als Beginn des Holocaust

Der 9. November, ein Schicksalstag, der neben der Freude über die Freiheit auch eine der schwärzesten Stunden deutscher Geschichte in Erinnerung ruft, die sogenannte Pogromnacht.



Rund 50 Menschen zogen von der Schleusinger Kreuzkirche mit Kerzen zur Stele an der jüdischen Synagoge, deren Umfeld vom SPD-Ortsverein gepflegt wird.
Rund 50 Menschen zogen von der Schleusinger Kreuzkirche mit Kerzen zur Stele an der jüdischen Synagoge, deren Umfeld vom SPD-Ortsverein gepflegt wird.   » zu den Bildern

Schleusingen/Hildburghausen -
Dort, wo alles begann in jenem Herbst ’89, wo ein Buntglasfenster an die friedliche Revolution in Schleusingen erinnert, dort treffen sich Samstagabend 30 Jahre später wieder Menschen zum ökumenischen Friedensgebet. Damals, erinnert Reinhard Hotop vom Gemeindekirchenrat der evangelischen Gemeinde an den legendären Herbst, war die Schleusinger Kreuzkirche bis auf den letzten Platz gefüllt, 2000 Menschen zogen anschließend mit Kerzen durch die Stadt zum Rathaus.

An diesem Samstag im November 2019 sind es rund 50. Reinhard Hotop erinnert sich zurück an die Ereignisse des Herbstes.

Von der Kirchgemeinde aus sei damals der friedliche Widerstand mit dem ersten Friedensgebet organisiert und das Neue Forum gegründet worden. Thomas Mirsch, gerade mit den absolut meisten Stimmen in den Gemeindekirchenrat gewählt, spricht davon, dass es viele Berührungspunkte mit der jüdischen Religion gibt und selbst das Vaterunser auch eine hebräische Seele hat. "Wie konnten wir das damals übersehen, wie konnten wir das vergessen?"

Es sei erst 81 Jahre her, seit mit der Pogromnacht die systematische Vernichtung der Juden begann, und gerade erlebten wir den aufflammenden Antisemitismus, in der Region in den Rechtsrockkonzerten in Themar, und in einer Partei, deren Spitzenpersonal das offen propagiert. "Unsere Generation hat keine Schuld an den Ereignissen von damals, aber wir haben die Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit in unserer Gesellschaft", so Mirsch.

In der kommenden Woche wird es um 18.30 Uhr erneut ein Friedensgebet in der Kirche geben, dann, wenn draußen zum Volkstrauertag wieder Neonazis vorbeiziehen zu ihrem sogenannten Heldengedenken.

Mit Kerzen ziehen die Teilnehmer des Friedensgebetes dann zur Stele an der ehemaligen jüdischen Synagoge, s ingen und beten dort im Gedenken an die ermordeten und vertriebenen jüdischen Schleusinger Bürger.

In Hildburghausen treffen sich am Samstagvormittag etwa 25 Menschen vor dem historischen Rathaus. Dort waren die jüdischen Mitbürger vor 81 Jahren von den Nationalsozialisten mit Gewalt zusammengetrieben und danach in die Konzentrationslager deportiert worden. Burkhard Knittel, der erste Beigeordnete der Stadt, sagte stellvertretend für den dienstlich verhinderten Bürgermeister Holger Obst, der offene Terror gegen die jüdische Bevölkerung sei die Vorstufe zum Holocaust gewesen, zur Ermordung und Vernichtung von rund sechs Millionen Juden.

Er erinnerte zugleich an den Terroranschlag auf die Synagoge in Halle, wo am 9. Oktober ein Rechtsextremer versucht hatte, ein Massaker unter betenden Juden anzurichten. Weil die Tür der Synagoge standhielt, konnte er seinen mörderischen Plan nicht ausführen und richtete stattdessen zwei unbeteiligte Passanten hin. "In einer Zeit, in der Antisemitismus und Rassenhass zunehmen, dürfen wir die Augen davor nicht verschließen", mahnte Knittel. "Die Geschichte darf sich nicht wiederholen", sagte er. Danach legten er und Teilnehmer Blumengestecke an der jüdischen Gedenktafel nieder. kat/rdl

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Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
20:50 Uhr

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10. 11. 2019
20:50 Uhr



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