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Hildburghausen

Fotografin: Corona-Soforthilfe ist Tropfen auf den heißen Stein

Seit Anfang der Woche gilt die Corona-Soforthilfe des Landes. Wirtschaftsverbände helfen bei der Antragstellung. Laut Werbering Hildburghausen greift die Hilfe für in Not geratene Kleinbetriebe aber zu kurz.



Leerer Marktplatz, wenig Kunden: Optiker Thomas Kupfer darf zwar weiter geöffnet haben, aber nicht alle Dienstleistungen anbieten.	Foto: frankphoto.de
Leerer Marktplatz, wenig Kunden: Optiker Thomas Kupfer darf zwar weiter geöffnet haben, aber nicht alle Dienstleistungen anbieten. Foto: frankphoto.de   » zu den Bildern

Hildburghausen - Eva Siebert ist selbstständige Fotografin. Sie dürfte ihr Geschäft "Foto-Meffert" in Hildburghausen eigentlich geöffnet lassen. Doch seit Montag sind die Lichter und Kameras in ihrem Fotostudio aus. Auch weil sie alles Mögliche tun möchte, um das Infektionsrisiko einzudämmen und die Gesundheit ihrer Kunden sowie ihre eigene zu schützen. So hat sie es jedenfalls auf ihrer Homepage mitgeteilt. Für ihre Kunden bleibt sie jedoch telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Beispielsweise, um Fotonachbestellungen zu bearbeiten und diese per Post zu verschicken.

Es gibt aber auch andere Gründe, warum es sich für sie nicht mehr lohnt, das Fotostudio geöffnet zu halten. Es gibt einfach keine Aufträge mehr. "Am gestrigen Donnerstag haben zwei Kunden ihre Hochzeit verschoben und damit den Termin für bereits vereinbarte Hochzeitsfotos abgesagt", erklärt Siebert. Ebenso würden Pass- und Bewerbungsfotos in Zeiten der Corona-Pandemie nicht nachgefragt. Mutter-Kind-Fotos gehen auch nicht mehr. Und ein Familien-Shooting mit vier Personen wäre infolge der Einschränkung von Sozialkontakten gar nicht gestattet.

Eva Siebert befürchtet, dass ihre Existenz bald auf dem Spiel steht. Die allein erziehende Mutter bestreitet ihren Lebensunterhalt aus den Einkünften im Fotogeschäft und Fotostudio sowie aus externen Fotoaufträgen. Einen Partner, der sie durch eigene Einkünfte unterstützen und über Wasser halten könnte, gibt es nicht. Für ihre zwei Angestellten hat die Fotografin seit Montag Kurzarbeit beantragt, für ihren eigenen Betrieb Soforthilfe aus dem Corona-Zuschussprogramm des Landes.

Fast 3000 Zuschussanträge

Seit Montag können Unternehmer, Solo-Selbstständige und Handwerksbetriebe dafür Anträge über die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK) Südthüringen stellen. 1700 waren es bis zum gestrigen Donnerstag bei der IHK, 1200 bei der HWK, teilten die Kammern mit.

Für die Antragstellung haben sie Telefon-Hotlines eingerichtet, beraten die Betriebsinhaber, prüfen die Unterlagen auf Vollständigkeit und leiten diese an die Thüringer Aufbaubank weiter. Je nach Betriebsgröße und Zahl der Erwerbstätigen gibt es Zuschüsse: für bis zu fünf Erwerbstätige 5000 Euro, für bis zu zehn sind es 7500 Euro, für bis zu 50 Erwerbstätigen 15 000 Euro und für bis zu 250 Mitarbeiter können 30 000 Euro beantragt werden.

Eva Siebert würde im Falle einer positiven Prüfung 5000 Euro bekommen. "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte sie. Denn ihre Studiomiete, die Kredite, die Sozialversicherungsbeiträge für die Angestellten, die Versicherungsbeiträge für die Fotoausrüstung, die Steuervorauszahlungen, die Kosten für Wohnung, Auto und Lebenshaltung liefen ja alle weiter. Und Stundungen, sagt sie, seien auch keine nachhaltige Lösung. Denn irgendwann nach überstandener Corona-Krise müsse das ja alles doch nachbezahlt werden. Aber die Zahl der Aufträge würde sich ja nicht plötzlich verdoppeln oder verdreifachen, so die Fotografin Eva Siebert.

Ähnlich sieht es auch Hildburghausens Werbering-Chef Florian Kirner. Er begrüßt das Corona-Zuschussprogramm des Landes sowie das Engagement der Wirtschaftsverbände, die Händler und Betriebe bei der Antragstellung zu beraten. Aber: "Das Zuschussprogramm greift zu kurz", so Kirner. Verunsicherung herrsche vor allem darüber, inwieweit auch private Rücklagen aufgebraucht sein müssten, um für die Soforthilfe aus dem Corona-Zuschussprogramm antragsberechtigt zu sein. Bei der Zuschussprüfung für Kleinbetriebe und Solo-Selbstständige dürfe nur das Betriebsvermögen und Betriebskapital berücksichtigt werden, nicht aber jeglicher private Notgroschen. "Wenn wir die Kleinunternehmen dauerhaft retten wollen, muss mehr getan werden, verlangt Kirner. Der Werbering-Chef regt an, dass auch Kommunen und Landkreis prüfen, ob sie nicht kleine Rettungsschirme aufspannen könnten. Kirner hatte am Mittwochabend die erste Videokonferenz mit neun Geschäftsleuten und Mitgliedern des Werberings geleitet, da keine Vorstands- und Beiratssitzungen stattfinden dürfen.

Hildburghausens Optiker Thomas Kupfer ist der letzte Einzelhändler, der neben der Apotheke und dem Außer-Haus-Verkauf der Gastronomie noch auf dem Marktplatz in der Innenstadt geöffnet hat. Nur drei bis vier Kunden kämen am Tag noch in sein Geschäft, sagt er. Brillenreparaturen dürfe er noch erledigen. Sehtest, Kontaktlinsen einsetzen oder Brillen anpassen, all das sei auf- grund des Abstandsgebots und der Distanzbestimmungen nicht mehr gestattet. Für seine Mitarbeiter hat er ebenfalls Kurzarbeit beantragt. Für ihn hängt die Existenzfrage entscheidend davon ab, wie lange die Corona-Krise mit den Einschränkungen anhalte. Wenn es noch ein halbes Jahr dauere, so Kupfer, dann existiere kein Betrieb mehr in der Hildburghäuser Innenstadt. "Das hält keiner so lange durch."

Neu: Kein Eisverkauf mehr

Ganz bitter kommt es seit dem heutigen Freitag auch für den Eisverkäufer Jan Schlechtweg. Er hatte erst Ende Februar im Schleusinger Einkaufszentrum eine Eisdiele eröffnet und dafür seine Kreditlinie maximal ausgereizt. Dort und in Hildburghausen verkauft er derzeit wegen der Corona-Krise Eiskugeln außer Haus. Doch die am gestrigen Donnerstag von der Landesregierung neu erlassene Verordnung verbietet künftig auch den Straßenverkauf von Eis. "Das könnte der K.o.-Schlag für mich sein", sagt Schlechtweg. Kurzarbeit hatte er bereits beantragt, ebenso einen Soforthilfe-Zuschuss von rund 10 000 Euro bei der Thüringer Aufbaubank. Ob er den bekommt, darüber ist noch nicht entschieden. Wie lange er sich noch über Wasser halten kann, ist unklar. Neue Kredite haben seine Hausbank und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereits abgelehnt.

Autor

Rolf Dieter Lorenz
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
00:00 Uhr

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Rolf Dieter Lorenz

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Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
00:00 Uhr



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