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Hildburghausen

Ein Faustschlag vertreibt den ungebetenen Partygast

Ein betrunkener Partygast, den niemand kannte, hat ordentlich Prügel bezogen. Vor Gericht hielt seine Geschichte nicht stand. Die vermeintlichen Schläger sind mit einem blauen Auge davongekommen.



Themar/Hildburghausen - Bei großen Feiern kann so etwas schon einmal passieren: Plötzlich ist jemand unter den Gästen, den eigentlich niemand kennt. Unangenehm wird es, wenn der ungeladene Besucher sich betrinkt und die anderen Gäste beleidigt. Dann setzt es schon mal Prügel, wie in einem jüngst vor dem Amtsgericht Hildburghausen verhandelten Fall aus dem Raum Themar.

Angeklagt sind zwei 23-jährige Männer, die den seltsamen Gast angeblich lebensgefährlich verletzt haben sollen. Laut Anklageschrift sollen sie auf den Geschädigten nach zahlreichen Schlägen ins Gesicht noch weiter eingetreten haben als dieser bereits am Boden lag. Mehrere Rippenprellungen waren die Folge.

Ein Dutzend Zeugen wird vor Gericht angehört. 14 sind bereits im Vorfeld befragt worden. Ihre Geschichte unterscheidet sich deutlich von der des Klägers.

Der erste Angeklagte räumt ein, dass er dem Opfer einen Faustschlag ins Gesicht verpasst habe. Der in ihrem Freundeskreis bis dahin Unbekannte habe bereits den ganzen Abend über schwer alkoholisiert gestänkert und Mädchen "angemacht" und "angetanzt", sagte er zur Begründung. Irgendwann habe er sogar seine Mutter schwer beleidigt und damit auch ihn. Außerdem habe es durch dessen unangenehmes Verhalten auch bei der Gastgeberin Beschwerden gegeben.

Diese hatte dann den jungen Mann gebeten, die Party zu verlassen, brauchte aber dazu die Unterstützung des Angeklagten. Er sei dann mit dem Störenfried hinausgegangen, wobei dieser keine Bereitschaft zeigte, die Gesellschaft zu verlassen, sondern vielmehr noch "nachgelegt" habe und sich in obszönen Beleidigungen erging. Als er zum Angeklagten sagte: "Ich ficke deine Mutter", sei das sei für ihn zu viel gewesen, da seine Mutter für ihn eine Respektsperson sei.

So kam es zum einmaligen Faustschlag. Das sei alles gewesen, denn er wurde sogleich von Freunden aus der Situation weggezogen und keinesfalls ging der Kläger nach dem Faustschlag zu Boden. Auch der zweite Angeklagte bestätigt die Belästigungen durch den bis dato unbekannten Gast, den wohl irgendjemand mitbrachte oder der sich eventuell auch selbst eingeladen hatte.

Er selbst sei zu dem fraglichen Zeitpunkt gar nicht draußen, sondern drinnen im angemieteten Partykeller gewesen. Sein angeklagter Kumpel sei nach dem Vorfall wieder zurückgekommen und man habe zusammen weiter getrunken. Sie hätten dem Alkohol bis dahin schon recht gut zugesprochen. So etwa mit acht bis neun Bier seit Beginn der Party ab 19 Uhr des Vorabends bis sich dann der Vorfall in den frühen Morgenstunden ereignete.

Etwas später sei dann auch die Polizei gekommen, da es zu einer Anzeige nach dem Disput gekommen war. Dabei sollte der "unliebsame Gast" der Polizei gegenüber Personen identifizieren, die ihn angeblich so schwer verletzt hatten. Dieser konnte aber keinen von den geschätzt mindestens 20 anwesenden Gästen identifizieren. Außerdem fand dort gleichzeitig noch die Feier einer anderen Gruppe statt. Der Raum sei gemeinsam gemietet worden.

Danach werden zwölf Zeugen gehört, die an dieser Feier teilnahmen, wie auch die junge Frau, die vom Störenfried belästigt worden sein soll. Sie bestätigen die Schilderungen des Abends, auch, dass der Angeklagte dem unliebsamen Gast nur einen einzigen Faustschlag versetzt habe. Der zweite Angeklagte wurde von keinem der Zeugen zum fraglichen Zeitpunkt draußen gesehen.

Einer der geladenen Zeugen ist auch der vermeintlich schwer Geschädigte. Ein Geschädigter als Zeuge im Strafprozess hat die Aufgabe - quasi als Berichterstatter - über die eigenen Wahrnehmungen und Erinnerungen dem Gericht Auskunft zu geben.

Alles nur gespielt

Er bestreitet, an dem Abend "Mädchen angemacht" zu haben. Er schildert auch, dass er Schläge bekommen habe, aber nicht mehr genau wisse, wie viele es gewesen seien. Dabei sei er zu Boden gegangen. Dort habe er - und das ist eine neue Aussage - "sein K.O. simuliert" damit man ihn in Ruhe ließe. Seine Darstellungen vom Tatgeschehen wirken eher oberflächlich und lassen Detailreichtum vermissen. Mit den Aussagen der anderen Zeugen konfrontiert, er sei gar nicht zu Boden gegangen, führt er aus: Irgendwann habe er sich auf einen Stein gesetzt und habe dann "Reißaus" genommen, sich hinter Häuserzeilen versteckt und die Polizei angerufen.

All das passt so gar nicht zu den schweren Verletzungen, die er angeblich erlitten haben soll. Ja, er sei beim Arzt gewesen, aber nicht krankgeschrieben worden, sondern habe weiter zur Schule gehen können, antwortet er auf Nachfrage.

Angesichts seiner vagen, eher widersprüchlicher Angaben, die kaum nachvollziehbar sind, fordert der Staatsanwalt den Geschädigten nachdrücklich auf "endlich konkret zu sagen, wie es wirklich war". Seine nun folgende Zusammenfassung zum Hergang des Tatgeschehens erscheint im Detail noch weniger belastbar. Für den Beobachter im Gerichtsaal fällt zudem von Anfang an auf, wie sehr Füße und Beine immer wieder unter dem Zeugenstuhl "arbeiten" im "Ringen um einen geschlossenen Vortrag".

Nach Rücksprache mit den Anwälten und dem Staatsanwalt wird auf eine Anhörung weiterer Zeugen verzichtet, sodass ein Urteilspruch erfolgen kann. Das Urteil lautet: Gegen den ersten Angeklagten, der selbst gestand den Faustschlag abgegeben zu haben, erfolgt gegen Zahlungsauflage von 300 Euro und die Einstellung des Verfahren. Gegen den zweiten Angeklagten wird das Verfahren ohne jede Auflage eingestellt. Angeklagte und deren Anwälte verzichten auf Rechtsmittel, sodass die Urteile rechtskräftig werden. bwm

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Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
00:00 Uhr

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19. 06. 2019
00:00 Uhr



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