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Hildburghausen

Doppelt und dreifach abgebrannt

Bei Familie Westhäuser hat das Schicksal arg zugeschlagen. Zweimal hat ihr Haus in Poppenhausen gebrannt. Sie benötigt dringend Unterstützung. Der Verein "Freies Wort hilft" und die Stadt Heldburg bitten um Spenden.



Doppelt und dreifach abgebrannt
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Poppenhausen/Heldburg - "Als ich den Anruf am frühen Morgen von meinem Mann gekriegt habe und er gesagt hat, es hat nochmal gebrannt und das Haus ist komplett zerstört, war das für mich ein Riesenschock", sagt Tina Westhäuser. Die 35-jährige Frau aus Poppenhausen im Südzipfel des Kreises Hildburghausen lebt mit ihrem Ehemann Mathias und dem siebenjährigen Sohn Charly derzeit in einer Ferienwohnung in Heldburg. Ebenfalls dort mit untergebracht: der 89-jährige Großvater, der pflegebedürftig ist. Die Ersatzunterkunft zahlt die Versicherung. Doch darüber hinaus ist bisher noch kein Geld geflossen. "Wir wissen nicht, wie es mit dem Haus und mit uns weiter geht", sagt Tina Westhäuser.

Sachverständige und Versicherung klären derzeit, inwieweit das Haus statisch noch in Ordnung ist und ganz oder teilweise wieder auf- und umgebaut werden kann. Oder ob es total abgerissen und völlig neu errichtet werden muss. "Wir haben bisher noch keine Nachricht", sagt Ehemann Mathias. Eine Hängepartie für die ganze Familie, die durch das zweite Feuer so gut wie alles - bis auf etwas Winterkleidung - verloren hat: Neben dem Haus das gesamte Mobiliar und die Ausstattung: Küchengeräte, Unterhaltungselektronik, Geschirr, Gläser, Spielzeug, persönliche Erinnerungen. Was nicht verbrannt ist, wurde durch das Löschwasser zunichte gemacht bei der Brandbekämpfung am Mittwoch vor drei Wochen.

Es ist frühmorgens nach vier in dem 100-Seelen-Dorf, als sich Mathias Westhäuser plötzlich kerzengerade im Bett aufrichtet. Ein Brandmelder hat ihn aus dem Schlaf gerissen. Er hört ein knisterndes Geräusch. Eines, das er noch sehr gut in Erinnerung hat. Etwa drei Wochen ist es erst her, da war am Sonntagabend, 9. Februar, abends nach zehn im Anbau seines Wohnhauses ein Brand ausgebrochen. Dort, wo Garage und Heizungsraum untergebracht sind, hatte das Gebäude wegen eines Defekts oder eines Funkenflugs aus der Holzvergaser-Heizung Feuer gefangen, den Dachstuhl zerstört, das Mauerwerk arg in Mitleidenschaft gezogen und auch das angrenzende Wohnhaus beschädigt. Nun also schon wieder Brandmelder-Alarm, schon wieder ein verdächtiges Knistern, schon wieder ein Feuer, diesmal viel größer als beim ersten Mal.

Um 4.15 Uhr setzt der 39-jährige Familienvater einen Notruf ab. Um diese Zeit steht schon ein Teil des Wohnhausdachstuhls in Flammen. Kurze Zeit später das ganze Dach und die Wohnung. Ein Großaufgebot der Feuerwehren aus der thüringischen und bayerischen Umgebung kann den Brand nach zwei Stunden unter Kontrolle bringen. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf 200 000 Euro. Sie hat inzwischen auch die Brandursache ermittelt.

Verletzt wurde bei dem Feuer niemand. Mathias Westhäuser hatte die Nacht allein in dem nach dem ersten Brand zwar beschädigten, aber noch halbwegs bewohnbaren Haus verbracht. Er wollte die Reparatur- und Trockenlegungsarbeiten betreuen und nach seiner Arbeit auch selbst mit Hand anlegen. Dank der nach dem ersten Brand ausgetauschten und neu eingebauten Brandmelder konnte er sich rechtzeitig ins Freie retten und kam mit einem Schock davon. Der restliche Familie hatte die zweite Brandnacht in der Ersatz-Ferienwohnung verbracht, die sie nach dem ersten Feuer für die Zeit der Reparaturarbeiten bezogen hatte.

Ersparnisse aufgebraucht

"Es brennt doch bei Leuten nicht zweimal so kurz hintereinander", sagt Tina Westhäuser. Dass es doch passiert ist, empfindet sie als Supergau. "Wir waren nach dem ersten Brand soweit, dass wir wieder hätten einziehen können", sagt sie. Drei Wochen lang hatte die Familie alle Brand- und Wasserschäden im Anbau mit Hilfe von Verwandten, Freunden und Firmen beseitigt, den Dachstuhl wieder neu errichtet und eine neue Heizung im Keller eingebaut. "Wir standen kurz davor, wieder halbwegs zur Normalität zurückzukehren", sagt Tina Westhäuser.

Doch das ist jetzt nach dem zweiten Brand in ganz, ganz weite Ferne gerückt. Auch finanziell ist die Familie abgebrannt. "Wir leben derzeit von der Hand in den Mund. "Mehr als vier Fünftel unserer Ersparnisse haben wir ausgegeben müssen, um das Allernötigste vom ehemaligen Hausstand Stück für Stück wieder zu kaufen: Frühlings- und Sommerbekleidung, Elektrogeräte, etwas Spielzeug für den Sohn. Dazu einen kleinen Teil der zerstörten Möbel.

Denn das Ehepaar hat trotz der zwei Brände und des Totalverlusts den Mut nicht verloren. Irgendwann wollen Mathias und Tina Westhäuser auf ihrem Grundstück ein neues Zuhause schaffen. 2010 seien sie dort hingezogen, hätten jedes Jahr was am Haus gemacht, gebaut, gewerkelt, dafür gespart und auf Urlaub verzichtet. Dieses Jahr sollte erstmals etwas Ruhe einkehren. Doch genau das Gegenteil ist nun der Fall.

"Was uns in dieser schwierigen Situation gut tut, ist die Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft, die ist immer für uns da", freut und bedankt sich die 35-jährige Frau bei den vielen Helfern und Unterstützern in dem kleinen Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze. Da brächten Leute einen Kuchen vorbei, fragten, ob wir etwas brauchen oder passten auf den Sohn auf. "Wir sind nicht auf uns allein gestellt, die Ereignisse waren zwar schlimm, aber wir machen trotzdem weiter, weil wir nicht aufgeben wollen. Wir haben da ein schönes Haus gehabt, wir wollen dort weiter leben und nicht aus Poppenhausen weggehen, sagt Tina Westhäuser.

Ringo Krämer aus Bad Rodach, ein guter Freund der Familie und Patenonkel von Sohn Charly, hat nach dem zweiten Brand Anfang März über Facebook eine kleine private Spendenaktion ins Leben gerufen. Doch da sei nicht wirklich etwas zusammengekommen, sagt er. Die Menschen hätten seit Beginn der Corona-Krise mit all ihren Kontakteinschränkungen eigene Ängste, Sorgen und Nöte.

Starthilfe dringend nötig

Mathias und Tina Westhäuser, so Krämer, benötigten aber ganz dringend Unterstützung und eine Starthilfe zur Selbsthilfe, um ihr Leben neu aufzubauen und zu gestalten. Nicht nur, weil die Versicherung bisher keinen pauschalen Vorschuss gewährt und keine Entscheidung getroffen hat, mit wie viel Schadensersatz die Familie Westhäuser rechnen kann. Sondern auch, weil sie inzwischen selbst von der Corona-Krise betroffen ist. Der Arbeitgeber von Ehemann Mathias hat gestern auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt, dass er ab 1. April Kurzarbeit beantragt hat.

Für Heldburgs Bürgermeister Christopher Other ist das eine weitere Hiobsbotschaft für die Familie in einer sowieso schon dramatischen und finanziell schwierigen Situation. Deshalb unterstützt die Stadt Heldburg die Hilfsaktion unserer Zeitung, ruft ebenfalls zu Spenden für die Westhäusers auf und will sich mit einem Betrag an der Aktion beteiligen.

 

"Freies Wort hilft" nimmt ab sofort Spenden für die Brandopfer entgegen. Bitte als Verwendungszweck das Stichwort "Poppenhausen" angeben. Kontoverbindung siehe Kasten. Wir garantieren: Jeder gespendete Cent kommt direkt bei den Betroffenen an.

Autor

Rolf Dieter Lorenz
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Veröffentlicht am:
25. 03. 2020
17:10 Uhr

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Rolf Dieter Lorenz

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Veröffentlicht am:
25. 03. 2020
17:10 Uhr



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