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Hildburghausen

Der Unterrock leuchtet beim Kirmestanz

Eine alte Tradition in Heßberg ist die Trachtenkirmes, die schon seit Jahrhunderten gefeiert wird.



Die schöne Tracht der Kirmesleute von Heßberg hat sich über mehrere Jahrhunderte bewahrt. Foto: Verein
Die schöne Tracht der Kirmesleute von Heßberg hat sich über mehrere Jahrhunderte bewahrt. Foto: Verein  

Wir können schon stolz sein, dass bei uns die Trachtenkirmes über die Jahrhunderte erhalten blieb. Das Aussehen der heutigen Tracht geht zurück auf die Bekleidung der vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung des 15. bis 19. Jahrhundert.

Termine

Trachtenkirmes ist vom heutigen Freitag bis zum Montag im und am Gemeindezentrum Heßberg.

 

Freitag ,

20 Uhr : Bunter Kirmesauftakt für Jung und Alt mit Wirtshausmusik von "Gschmouk on the Obstler"

ab 22 Uhr : Disco mit den HBN DJs

 

Samstag ,

ab 8 Uhr : Ständchen im Dorf

18 Uhr : Kirmesgottesdienst,

anschl. Kirmesspruch der Männer

20 Uhr : Kirmestanz mit "Ohne Filter"

 

Sonntag,

10 Uhr : musikal. Frühschoppen

11.30 Uhr : Mittagessen
(nur Vorbestellung)

13 Uhr : Umzug durchs Dorf mit der kleinen und großen Kirmesgesellschaft, anschl. Kirmesspruch der Frauen und der Kinderkirmes

15 Uhr : Kinderkirmes mit "Ohne Filter"

18.30 Uhr : Kirmestanz "Ohne Filter"

gegen 20 Uhr Kirmespredigt

 

Montag,

10 Uhr : Blauer Bock mit DJ Sven.

 

Kirmeslexikon

Plotzer Kirmesbursche

Plotzere Kirmesmädchen

Plan Platz, wo der Kirmesbaum steht und die Sprüche verlesen werden

Plankirmes Trachtenkirmes

Kirmesbaum

Mähbaum siehe Mä

Planbaum siehe Mä

Martini 11.November

einheimische Spielleute Musiker des Ortes

Planleute Kirmesgesellschaft

Heiligabend Tag vor dem Fest

im ächna Ort im eigenen Ort

fatz’n u hot g’feuert sehr angefeuert

noch merra zatt noch mehr zerrt

reigezatt hereingezerrt

geheiert geheiratet

omüßstrampel sehr anstrengen müssen

brätlaßschla breitschlagen lassen

aufkonntgegeil über etwas aufregen

Fettweche Fettbrot, Fettschnitte

Griefen ausgelassener Speck

Kr. Kreuzer (alte Währungseinheit)

Kirmßen Kirchweihmessen


 

Frack Gehrock

zusammengestellt von Tobias Kambach, Heßberger Vereine

 

 

Der Pfarrer hat die Geschichte aufgeschrieben

Armin Human schrieb 1878 in der "Chronik von Heßberg": "Wird die Kirmes mit einem sogenannten Plan gefeiert, so ziehen die mit bunten Tüchern und Sträußen geschmückten Planburschen von 16 bis 20 Jahren mit gleichaltrigen Mädchen vormittags mit Musik zur Kirche, nachmittags um 1.00 Uhr zum Plan. An den mit Kränzen geschmückten und an der Spitze bebänderten Planbaum hinter der Kirche wird dann eine halbe Stunde getanzt und von jedem eine kurze humoristische Ansprache gehalten, auch auf die Gesundheit der Ortsbeamten wird ein Gruß ausgebracht. Am anderen Tag bringt die sogenannte Kirmespredigt die launigen Unfälle des Jahres zum Besten."

 

Human wurde 1843 in Schalkau geboren und starb 1923 in Hildburghausen. Er war Pfarrer in Heßberg und später Superintendent des Kirchenkreises Hildburghausen.

 

 

Der Rock aus schwarzem oder dunkelgrünem Tuch war vom Bund bis zum Saum in fest eingepressten engen Falten gelegt. Ein- oder zweifacher Besatz von hellgrünem Band brachte ihm die Bezeichnung "Bandrock" ein. Innen war der Saum mit rotem Stoff ausgeschlagen. Dieser rote "Stoß" sowie die weißen, mit Nähspitze verzierten Unterröcke, kamen besonders beim Tanzen zur Geltung, wenn die Röcke in weitem Bogen um die Beine der Tänzerinnen schwangen.

 

Darunter zog man ein weißleinenes Ärmelhemd. Die Schürzen waren und sind ein besonderes Putzstück. So gilt in Heßberg, dass zum Kirmesgottesdienst eine schwarze mit Stickereien und Perlen verzierte Schürze getragen wird. Am Samstagnachmittag ist die rote Schürze, rote Bänder und ein rotes Kränzchen Pflicht. Am Sonntag werden blaue Schürzen, Bänder und Kränze getragen, an den jeweiligen Abenden wird die weiße Schürze angelegt. Ein Tuch über dem Mieder macht die Tracht komplett.

Die Kirmesburschen tragen beim Umzug zur Kirche und am Plan einen schwarzen Frack ("Schöß") sowie einen mit Blumen und buntem Tuch geschmückten Zylinder. Diese Zylinder werden von den Mädchen geputzt. Auch der "Gießerträger", welcher die Gesellschaft beim Umzug anführt, ist nicht zu vergessen. Er trägt eine schwarze Hose, weißes Hemd sowie eine mit einem Sträußchen geschmückte weiße Schürze. Der blumenverzierte Gießer enthält das Bier, welches zu den Sprüchen am Plan den Plotzern und Plotzerinnen gereicht wird.

Die Tanzveranstaltungen werden mit den drei Pflichttänzen Walzer, Rheinländer und Hopser eröffnet. Beim abendlichen Tanz ist die Kirmesgesellschaft verpflichtet, alle Ehepaare des Ortes zu einer Extratour aufzufordern. Es darf möglichst niemand vergessen werden, da dies als Beleidigung aufgefasst wird. Nach der Extratour führt das Mädchen ihren Tänzer zur Kirmeskasse, wo er bezahlen darf.

Auch die Ständchen für den Ort sind eine wichtige Angelegenheit. Mit der Musikkapelle zieht die Kirmesgesellschaft von Haus zu Haus. Die Plotzer gehen dann zu jeder Familie und kassieren ab. Um die Gesellschaft bei Laune und Kräften zu halten gibt es unterwegs belegte Brote, Bier und Schnaps (das hatte mitunter auch fatale Folgen).

Am Sonntag gegen 22 Uhr ist mit dem Verlesen der Kirmespredigt ein weiterer Höhepunkt erreicht. Hier werden die Missgeschicke mancher Dorfbewohner aus dem letzten Jahr genüsslich zum Besten gegeben.

Damit ist die Kirmes aber noch nicht beendet. Seit 1966 wird am Montag der "Blaue Bock" als feuchtfröhlicher Frühschoppen mit Eisbeinessen und lustigen Programmen gefeiert. Dieser Frühschoppen, welcher oftmals erst in den frühen Abendstunden endet, beschließt dann die Kirmes.

Die Kinder sind dabei

Die Kirmes wurde immer im Saal des Heßberger Wirtshauses gefeiert, letztmals 1995. Kein Wirt, der Saal marode und das Gebäude zum Verkauf gestellt - also entschlossen wir uns 1996, die Kirmes ins Festzelt am Sportplatz zu verlegen. Das war schon ein Wagnis für uns, denn die Kosten einer solchen Zeltkirmes sind immens. Die Vereine haben die Verantwortung übernommen und wir können rückblickend sagen, dass sich das Wagnis gelohnt hat.

Seit einigen Jahren gibt es auch eine Kinderkirmes. Ursprünglich entwickelte sich in Heßberg die Kinderkirmes aus einer Projektarbeit der damals noch vorhandenen Grundschule. Die Initiatoren waren die Lehrerinnen und Hortnerinnen der Schule, allen voran Hannelore Dietz und Ilona Söffler. Viele Jahre betreuten sie die Kinder und studierten die Pflichttänze mit ihnen ein. Nun haben das Katja Fischer und Kathrin Witter übernommen. Auf Grund der guten Resonanz wurde die Kinderkirmes separat gefeiert, bis die Kinder bei den Großen mitfeiern konnten.

Bis zum August 2017: Die Werrabrücke, die zum Sportplatz und zum Kirmeszelt führt, ist durch Hochwasser stark beschädigt und gesperrt. Eine Krisensitzung wurde einberufen, um Alternativen für einen neuen Kirmes-Standort zu finden. Die Entscheidung war alles andere als einfach, doch bevor die Kirmes komplett ausfällt, entschlossen sich die Vertreter aller Vereine, diese im Gemeindezentrum zu veranstalteten. Nach dem Motto: "Zurück zu den Wurzeln!"

So auch dieses Jahr wieder, wenn es heißt: "13, 14, Kirmes!"

Autor

Ein Gastbeitrag von Roswitha Kirchner, Diana Gütter
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 09. 2019
15:30 Uhr

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Autor

Ein Gastbeitrag von Roswitha Kirchner, Diana Gütter

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Veröffentlicht am:
05. 09. 2019
15:30 Uhr



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