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Hildburghausen

Brandopfer: "Wenn man die Sirene hört, kommt alles wieder hoch"

Mit 15 000 Euro dank der Leser-Spenden hat der Verein "Freies Wort hilft e. V." die Familie Westhäuser aus Poppenhausen unterstützt. Deren Haus war beim zweiten Feuer kurz nach dem ersten unbewohnbar geworden. Nun wird es bald abgerissen.



Tina und Mathias Westhäuser (Bildmitte) freuen und bedanken sich über die große Spendenbereitschaft. Zur Hilfsaktion aufgerufen hatte unsere Zeitung gemeinsam mit der Stadt Heldburg. Jan-Thomas Markert (links), Redaktionsleiter in Hildburghausen, und Heldburgs Bürgermeister Christopher Other (rechts) überreichten den Spendenscheck.	Foto: frankphoto.de
Tina und Mathias Westhäuser (Bildmitte) freuen und bedanken sich über die große Spendenbereitschaft. Zur Hilfsaktion aufgerufen hatte unsere Zeitung gemeinsam mit der Stadt Heldburg. Jan-Thomas Markert (links), Redaktionsleiter in Hildburghausen, und Heldburgs Bürgermeister Christopher Other (rechts) überreichten den Spendenscheck. Foto: frankphoto.de   » zu den Bildern

Poppenhausen/Heldburg - "Das wird uns in zehn Jahren noch beschäftigen, das wird uns auch in 20 Jahren noch beschäftigen", sagt Tina Westhäuser. Gemeinsam steht sie mit Ehemann Mathias vor dem jetzt unbewohnbaren Haus, das dessen Opa erbaut hat. Das Haus, an dem die Familie jahrelang herumgewerkelt und in dem sie sich mit ihrem Sohn so wohl gefühlt hat. Zweimal kurz hintereinander musste die Feuerwehr in den Speierlingsweg 39 ausrücken, weil es dort gebrannt hatte (Freies Wort berichtete).

Beim ersten Brand, bei dem eine Holzheizung im Nebengebäude und der Garage Feuer gefangen hatte, war zwar auch das Hauptwohnhaus leicht beschädigt worden. Es hätte aber wieder repariert und bewohnbar gemacht werden können. Daran hat Mathias Westhäuser mit Hilfe von Familienmitgliedern und Freunden gearbeitet. Doch dann, als der Wiedereinzug der Familie, die mit Hilfe der Stadt und auf Kosten der Versicherung zwischenzeitlich in einer Ferienwohnung untergekommen war, kurz bevorstand, brach das zweite Feuer aus. Diesmal stand der ganze Dachstuhl in Flammen. Mathias Westhäuser, der auf Grund der restlichen Reparaturarbeiten im Haus übernachtete, bekam das rechtzeitig mit, konnte sich retten und die Feuerwehr alarmieren.

Weil die Familie nun vor dem Nichts stand, startete Mathias Westhäusers bester Freund Ringo Krämer aus Bad Rodach auf Facebook eine private Spendenaktion. Die brachte zwar auch ein klein wenig Geld ein, das die Familie in der Anfangsphase gut gebrauchen konnte. Doch dann versiegte der Spendenfluss. Zum einen wegen der Corona-Pandemie, zum anderen, weil eine private Hilfsaktion übers Internet offenbar als wenig seriös eingestuft wird.

15 000 Euro an Spenden

Weil die Versicherung erst die Brandermittlungen der Polizei und Schadensgutachten abwarten sowie bewerten wollte, schaltete Ringo Krämer die Stadt Heldburg und den Verein "Freies Wort hilft"ein. Beide riefen zu Spenden auf. Das Ergebnis kann sich dank der Leserschaft unserer Zeitung wirklich sehen lassen. Vor etwa zwei Wochen wurden die Spenden, auf 15 000 Euro aufgestockt, und das Konto der Familie überwiesen. Am vergangenen Donnerstagnachmittag überreichten Jan-Thomas Markert, Leiter der Lokalredaktion in Hildburghausen, und Heldburgs Bürgermeister Christopher Other (CDU) nachträglich den symbolischen Spendenscheck.

Markert sprach von einer staatlichen Summe, die zusammengekommen sei und dankte allen Menschen, die gespendet haben. "Das Freie Wort ist aber nur der Mittler", so der Hildburghäuser Redaktionsleiter. Bürgermeister Other lobte den unkomplizierten Ablauf der Spendenaktion und sagte, es seien wohl viele Einzelspenden dabei gewesen. Das Thema Brände habe Heldburg in diesem Jahr schon ziemlich häufig beschäftigt. Das weit vom Ortskern Poppenhausen liegende Grundstück der Westhäusers so ziemlich der ungeeignetste Ort, wo es brennen sollte, so Other. Die Feuerwehr habe da neue Erfahrungen gesammelt. Gut sei, dass es bei den beiden Bränden im Speierlingsweg 39 keine Personenschäden gegeben habe.

Auch Mathias und Tina Westhäuser dankten allen Spendern sowie jenen Familienmitgliedern, Freunden und Menschen aus Poppenhausen, die ihnen geholfen, mitangepackt und in der schweren Zeit beigestanden hätten. In so einer Situation, sagt Tina Westhäuser, merke man eben, wer wirklich für einen da sei und wer nicht. Natürlich gebe es, wenn es um Spenden gehe, auch immer Neider. Sie wünsche jedenfalls niemandem, dass er im Leben eine derartige Erfahrung machen müsse.

Haus wird abgerissen

Inzwischen haben die Westhäusers die kleine Ferienwohnung verlassen und sind in eine Mietwohnung nach Hellingen gezogen. Auch die Versicherung hat inzwischen zugesagt, beide Schadensfälle zu regulieren. Sicher ist, dass das bei den Bränden zerstörte Haus im Speierlingsweg 39 statisch nicht mehr bewohnbar und auch nicht teilweise zu sanieren ist. Noch im Laufe dieser Woche sollen die Abrissarbeiten beginnen.

Mit einem Neubau wollen sich Tina und Mathias Westhäuser aber noch Zeit lassen. Das Materielle stehe nicht im Vordergrund. Die Ereignisse hätten Mut, aber auch Demut und Geduld gelehrt. An dem alten, vom Opa erbauten, Haus hängen viele Erinnerungen. Das Schicksal sei zwar jetzt vorbei, aber noch nicht das Trauma, sagen die Westhäusers: "Wenn man die Sirene hört, dann kommt alles wieder hoch."

Autor

Rolf Dieter Lorenz
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Veröffentlicht am:
07. 06. 2020
20:12 Uhr

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Rolf Dieter Lorenz

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Veröffentlicht am:
07. 06. 2020
20:12 Uhr



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