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Bauernregeln: Grüßt ein kalter November?

Nach dem außergewöhnlich langen, warmen und trockenen Sommer fragen sich nun viele , wie wohl das Wetter im November wird. Alte Wetterweisheiten und Bauernregeln für den elften Jahresmonat geben einen Hinweis.



Wolkenspiele am Novembertagshimmel im östlichen Grabfel: Der Winter kündigt sich mit der flach am Horizont stehenden Sonne an. Foto: B. Heim
Wolkenspiele am Novembertagshimmel im östlichen Grabfel: Der Winter kündigt sich mit der flach am Horizont stehenden Sonne an. Foto: B. Heim  

Mit seinem sprichwörtlichen Schmuddelwetter und Mütze-, Schal- und Handschuhtemperaturen gehört der November für viele Menschen nicht gerade zur angenehmsten Zeit im Jahr. Zumeist ist nun der Himmel grau und wolkenverhangen, sind die dunkler werdenden Tage oft neblig-trüb und nass mit meist viel Wind - und die Natur rüstet sich jetzt zu ihrem "Winterschlaf". Von den Altvorderen als "Windmonat", "Nebelmond" oder "Nebelung" bezeichnet, gaben die alten Römer dem November seinen Namen, war er doch im altrömischen Kalender der neunte Jahresmonat ("novem" = neun).

Noch heute, im Zeitalter der Wettersatelliten und leistungsstarker Computer, lebt in der Bevölkerung - und insbesondere dabei in der älteren Generation - eine Vielzahl von gereimten Wettersprüchen fort, die sich auf die gesammelten Naturbeobachtungen unserer Vorfahren beziehen, die früher von Generation zu Generation in einprägsamer Form mündlich weitergegeben wurden und allgemein als Bauernregeln bekannt sind.

Man glaubte, vom Novemberwetter auf den Witterungsverlauf im kommenden Winter und im nächsten Frühjahr schließen zu können. Nicht von ungefähr lauten so einige der jahrhundertealten Wetterweisheiten: "Wie der November wittert, so wittert auch der Lenz", "Im November viel Naß - auf den Wiesen viel Gras", "November hell und klar, bringt wenig Segen für’s nächste Jahr" sowie "Hat der November einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart", "Je mehr Schnee im November fällt, desto fruchtbarer wird das Feld". Ferner solle gelten: "Glatter Pelz beim Wilde, dann wird der Winter milde"; jedoch: "Sitzt im November noch das Laub fest an den Ästen, kommt bald der Winter mit strengen Frösten."

Besonders beliebt waren in früheren Jahrhunderten die Lostagsregeln, die sich auf bestimmte Namenstage von katholischen Heiligen bezogen, an denen das "Los", also das künftige Wetterschicksal, angeblich bestimmt wird. Zu den wichtigsten Lostagen gehören dabei der 1. und der 11. November. Gleich für den ersten Novembertag soll gelte n: "Allerheiligen klar und helle, sitzt der Winter auf der Schwelle" sowie "Allerheiligen-Reif macht die Weihnacht starr und steif." Am Sankt-Leonhard-Tag (6. November) fanden früher in einigen Gegenden - auch heute beispielsweise noch in Ober- und Niederbayern sowie in der Oberpfalz - Umritte mit Pferdesegnung statt, denn: "Nach der vielen Arbeit Schwere an Leon-hardi die Rösser ehre."

Wettermacher St. Martin

Besonders im Fokus stand das Wettergeschehen am Sankt-Martins-Tag (11. November), der nach dem Schutzpatron der Soldaten, der Tuchmacher, der Bettler sowie der Kinder benannt ist. Der Heilige Martin war im 4. Jahrhundert ein römischer Offizier und Bischof von Tours in Südfrankreich, der der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler teilte.

Wettersprüche für den 11. November sind: "Wolken am Martinstag, der Winter unbeständig werden mag", "Wenn an oder gleich nach Martini Nebel sind, wird der Winter meist gelind," "Sankt Martin trüb, macht den Winter lind und lieb; ist er aber hell, macht er Eis gar schnell", "Ist an Martini Sonnenschein tritt ein kalter Winter ein," "Ist Martini klar und rein, bricht der Winter bald herein" sowie "Ist um Sankt Martin der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual; wenn das Laub nicht vor Martini abfällt, sich ein harter Winter lange hält."

Früher war es im Übrigen ein weitverbreiteter Brauch, am Martinstag Sauerkraut aufzutischen, glaubte man doch: "Wer am Martinstag Sauerkraut isst, bleibt das ganze Jahr gesund, hat immer Geld und Segen." Und wenn es hieß: "Sankt Martin reitet auf einem Schimmel hinein in den Himmel", so ist mit dem weißen Pferd nach den Beobachtungen der Altvorderen der Schnee gemeint, der zu diesem Zeitpunkt oftmals schon die Flur bedeckte.

Sollte gar zwischen dem 13. und dem 22. November eine Schönwetterphase herrschen, dann spricht man vom "Martinssommer". Für den 15. November, dem Tag des Heiligen Leopold, soll es gelten: "Der heilige Leopold ist oft noch dem Altweibersommer hold."

Monatsendwetter

Ein wichtiger Lostag war nach alter Überlieferung der Tag der Heiligen Elisabeth (19. November): "Sankt Elisabeth sagt es an, was der Winter für ein Mann." Des Weiteren soll es gelten: "Wenn um den Cäcilientag (22. November) nachts die Stern‘ stark leuchten, lässt dies auf baldige Kälte deuten." In den alten Bauernkalendern ebenfalls dick angekreuzt ist der Tag der Heiligen Katharina (25. November), der Schutzpatronin der Müller, Schmiede und Wagner: "Wie das Wetter um Kathrein, wird’s den ganzen Winter sein", "Wie Sankt Kathrein wird’s auch an Neujahr sein" und "Wie’s zu Katharina, trüb oder rein, so wird auch der nächste Februar sein."

Ferner hat nach altem Volksglauben Gültigkeit: "Friert es auf Virgilius (27. November), im Märzen Kälte kommen muss." Auch dem Wettergeschehen am 30. November, dem Sankt-Andreas-Tag (der Heilige Andreas galt als Schutzpatron der Metzger, Fleischer und Seiler), maßen die Bauern eine besondere Bedeutung bei: "Schau in der Andreasnacht, was für ein Gesicht das Wetter macht: So wie es ausschaut, glaub’s fürwahr, bringt’s gutes oder schlechtes Jahr."

Und bei alledem gilt es nicht nur zu berücksichtigen, dass seit dem Jahr 1582 die Gregorianische Kalenderreform gilt, sondern auch den sich gegenwärtig vollziehenden Klimawandel mit seinen Wetter-kapriolen und -extremen mit einzukalkulieren.

Hundertjähriger Kalender

Schenkt man den Aussagen des Hundertjährigen Kalenders Glauben, soll es vom 1. bis 5. November kühl und trüb sein, vom 6. bis 8. November angenehm-milde Witterung herrschen, es vom 8. bis 16. November kalt und regnerisch sein, am 17. und 18. November Schneeregen geben, es vom 19. bis 30. November kalt sein und schneien - und dieser Schnee solle bis Weihnachten liegenbleiben.

Autor

Bernd Heim
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Veröffentlicht am:
06. 11. 2018
00:00 Uhr

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Bernd Heim

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06. 11. 2018
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