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Hildburghausen

Auf dem Rad familienfreundlich zum Rennsteig - durchs Engertal

Die Region um Schleusingen ist eine Touristenregion. Es bietet sich an, sie auf zwei Rädern zu erkunden. Doch momentan ist das nicht gefahrlos möglich. Daran möchte eine Initiative etwas ändern.



Hier soll’s langgehen: Maik Kummer, Michael und Anja Bohn, Kathrin Kern-Ludwig und Uwe Rettner haben konkrete Vorschläge für den Streckenverlauf des Engertal-Radwegs. Sie wollen Touristen, aber auch den Einheimischen künftig mehr bieten. Foto: K. Wollschläger
Hier soll’s langgehen: Maik Kummer, Michael und Anja Bohn, Kathrin Kern-Ludwig und Uwe Rettner haben konkrete Vorschläge für den Streckenverlauf des Engertal-Radwegs. Sie wollen Touristen, aber auch den Einheimischen künftig mehr bieten. Foto: K. Wollschläger   Foto: K. Wollschläger

Schleusingerneundorf - Sie nennen sich #ProvinzEnthusiasten "18 sind 1" und wollen in Schleusingen mit seinen 18 Ortsteilen etwas bewegen. Zurzeit beschäftigt die Akteure, die vor etwa drei Monaten zusammengefunden haben, ein großes Thema: Die Radweg-Verbindung vom Werratal zum Rennsteig. "Irgendwann ist uns klar geworden, dass das Engertal auf dem besten Wege ist auszusterben", sagt Uwe Rettner. Dem Elektroingenieur aus Schleusingerneundorf liegt die Heimat am Herzen - genau wie Maik Kummer, Anja und Michael Bohn, die seit 15 Jahren die Wanderherberge "Alter Bahnhof" betreiben, oder auch der Schleusinger Unternehmerin Kathrin Kern-Ludwig. Es sind ein paar Enthusiasten, die etwas auf die Beine stellen, die die Region attraktiver, lebenswerter machen wollen. Beispiele, wie man Landstriche touristisch besser erschließen kann, hat Uwe Rettner einige im Angebot. "Ich komme beruflich viel rum, sehe viel." Ein besseres Radwegenetz, an dem auch E-Bike-Stationen angesiedelt sein können, sei ein wichtiger Anfang.

Gesagt, getan. Warum nicht den ersten familienfreundlichen Radweg Südthüringens zum Rennsteig bauen? Sozusagen das Verbindungsstück vom Werratalradweg zum Ilmtal- und Rennsteig-Radweg in Schmiedefeld. "Das ist unsere Idee", sind sich die Akteure einig. In Abschnitten sind hier auch schon Wege vorhanden, weiß Rettner: Von Rappelsdorf nach Schleusingen, Hinternah und Schleusingerneundorf beispielsweise. Von dort aus könnte die Route parallel zur Bahnlinie verlaufen, und von Schmiedefeld aus über den Doktor-Wald-Weg bis Allzunah, schlagen sie vor. "Und wenn die Radler dort angekommen sind, haben sie dann alle Möglichkeiten, weiß Rettner.

Aber: Die neun Kilometer zwischen Schleusingerneundorf und Schmiedefeld seien momentan noch Niemandsland. "Es kommen immer wieder Touristen zu uns und fragen nach Radwegen in den Thüringer Wald", erzählt Anja Bohn. Was soll sie ihnen sagen? Die Straße wäre eine Möglichkeit. Doch die sei für Radfahrer zu gefährlich. Unbefahrbar.

"Schwarze Piste"

Es braucht einen für Radfahrer befahrbaren Weg auf die Höhe. Derzeit ist eine Radwegeverbindung über Schönbrunn an der Talsperre entlang vorgesehen - und in der Radwegenetzplanung 2.0 des Landes Thüringen zu finden. Maik Kummer, selbst sehr aktiver Radfahrer, kann da nur mit dem Kopf schütteln. "Die geplante Strecke ist ausschließlich etwas für geübte Radfahrer. Die Steigungen sind zu extrem für Alltagsfahrer." In Skigebieten würde der Weg also als "schwarze Piste" eingestuft. Der Engertal-Radweg wäre hingegen eine Blaue - ein Weg für Anfänger, Kinder - eben Familien. Und das ist ein Vorteil, mit dem die Alternativroute punkten könnte: Auf der Strecke zwischen Schleusingen und Schmiedefeld (etwa 15 Kilometer) müsse lediglich ein Höhenunterschied von 329 Metern überwunden werden. Durchaus zu meistern für die Zielgruppe 50 Plus - und auch für Kinder. Allerdings: Wenn der Radweg für alle nutzbar sein soll, dann dürfe er nicht grob geschottert sein, sondern müsse asphaltiert werden.

Die #ProvinzEnthusiasten wollen die Schönbrunner Strecke nicht verteufeln. Sie sei eine Abfahrtsvariante, doch um in Richtung Rennsteig zu radeln, sei das Engertal deutlich besser geeignet. "Wie wär’s also mit einem Rundweg?" Die Frage steht im Raum.

Ein weiterer Fakt, der für den Engertal-Radweg spricht, ist die Anzahl der Attraktionen, die gestreift werden. "Wir haben mal alle aufgelistet und sind tatsächlich auf über 30 gekommen - von Schwimmbädern über Schloss Bertholdsburg, vom Mehrgenerationenaktivpark bis hin zum Biosphärenreservat." Apropos. Das würde mithilfe des Engertal-Radwegs gestärkt, denn der könnte direkt zum Infozentrum geführt werden. Mit dem Reservatsleiter Jörg Voßhage haben die Enthusiasten bereits Kontakt aufgenommen, weil die Route die Kernzone quert. Doch hier habe es keine Bedenken gegeben. Im Gegenteil. So könnten Besucher "kanalisiert" auf einem (Rad)Weg ins und durchs Biosphärenreservat geführt werden. Und last not least ist da noch etwas, das für die Engertal-Route spricht: Er könnte im Winter prima als Skiwanderweg genutzt werden.

Eines ist den enthusiastischen Schleusingern klar: "Familienfreundliche Radwege fehlen." Noch etwas wird deutlich: Alles bedingt sich irgendwie. Denn kommen Touristen, dann blüht die Region auf, dann siedelt sich Gewerbe an, die Gegend wird attraktiver, neue Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen können entstehen - und junge Leute entscheiden sich vielleicht zu bleiben . . .

Schleusetal-Weg bleibt

Seit Anfang 2018 beschäftigt das Thema Uwe Rettner, aber auch Familie Bohn. Seitdem habe es verschiedene Aktivitäten gegeben, zig Gespräche wurden geführt. Von vielen Seiten - auch aus den Nachbarlandkreisen - gibt es Unterstützung. Doch ins Thüringer Radverkehrskonzept 2.0 hat es der Engertal-Radweg nicht geschafft. Der Landkreis, so Landrat Thomas Müller in einem Schreiben, werde keinen Routenänderungsantrag für das Radverkehrskonzept stellen. Dennoch: Unabhängig vom dort vorgesehenen Schleusetal-Radweg könne auch der "Engertal-Radweg" weiterentwickelt werden.

Sie fühlen sich aufs Abstellgleis geschoben. Und doch steht für sie fest: "Wir geben nicht auf!" Auch die Mitglieder der Bürgerinitiative "Gegenwind" haben sich zur touristischen Weiterentwicklung bekannt und ziehen mit ihnen an einem Strang. Denn schließlich geht es ihnen allen um ihre Heimat, um Weiterentwicklung. Darum, dass junge Leute bleiben und das Land nicht Stück für Stück ausblutet. Dafür werden sie weiterkämpfen - und auch in Sachen familienfreundlicher Radwanderweg durchs Engertal nicht lockerlassen.

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www.18sind1.de

Autor

Katja Wollschläger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
18:42 Uhr

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Autor

Katja Wollschläger

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
18:42 Uhr



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