Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Feuilleton

"Suchen Sie sich einen Friseur, den Sie richtig mögen"

Wann ist ein Leben gelungen? Und was muss man dafür tun? Axel Hacke hat darauf keine einfachen Antworten. Weshalb er Walter Wemut Geschichten erzählen lässt - gar keine schlechte Idee.



Axel Hacke Foto: Galuschke/dpa
Axel Hacke Foto: Galuschke/dpa  

Walter Wemut soll eine Rede halten zum 80. Geburtstag einer Freundin. Nur einige Minuten, ein bisschen Nachdenkliches, ein paar Worte dazu, wie ein Leben gelingen kann. Wemut ist nicht begeistert. "Bin ich Aristoteles?", antwortet er abwehrend. Was ist das - ein gelungenes Leben? So richtig weiß er das auch nicht, dabei gibt es viele, die meinen, er sei der passende Ansprechpartner.

Schließlich ist er Experte für Lebensbilanzen, für den Rückblick auf das, was im Leben gelungen und was schiefgelaufen ist. Der gelernte Bibliothekar, selbst Anfang 60, schreibt Nachrufe für die Zeitung - über Prominente genauso wie über Menschen, die schon in der Nachbarstadt keiner mehr kennt. Wemut ist der Ich-Erzähler in Axel Hackes neuem Buch "Wozu wir da sind". Sein Nachdenken über das, was ein gelungenes Leben ausmacht, ist die Vorbereitung auf die Rede, die er halten soll.

Der Untertitel "Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben" klingt dick aufgetragen und ist nicht wörtlich zu nehmen. Handreichungen im Sinne von kleinen Tipps, wie die Leserinnen und Leser das schon hinbekommen mit dem gelungenen Leben, hat Axel Hacke nicht zu bieten. Auch wenn am Ende ein paar aufgelistet sind: "Üben Sie das Vergeben und das Vergessen. Notieren Sie sich folgende Stichwörter: Staunen, Respekt, Zärtlichkeit. Und suchen Sie sich einen Friseur, den Sie richtig mögen. Und der Sie mag."

Wie wichtig ein Friseur ist, dem man vertraut, hat Wemut selbst erfahren: Er tauscht sich regelmäßig mit Agim aus, der zwar nicht immer grammatiksicher ist, aber lebensklug. Statt über die Prinzipien des gelungenen Lebens zu sinnieren, erzählt Wemut von Menschen wie ihm, Menschen, denen er begegnet ist: von dem Zeitungshändler etwa, der ein "Tagebuch des unbedeutenden Weltgeschehens" schreibt und in ein großes Album aus den Zeitungen des Tages jeweils einen Text klebt, den er bemerkenswert gefunden hat. Oder von dem Kollegen, der dienstags immer schwimmen geht, mittwochs Fußball spielen, donnerstags in die Sauna, freitags zu den Kartenfreunden und am Wochenende zum Haus am See. Als er stirbt, hinterlässt er keine große Spuren - aber er hat das Leben geliebt und das Leben ihn.

Axel Hacke ist als Autor großartiger Bücher bekannt geworden, die genauso intelligent wie unterhaltsam sind - "Der weiße Neger Wumbaba" etwa. Aber er schreibt auch schon lange über Themen, die nicht in erster Linie lustig sind, wie zusammen mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in "Wofür stehst Du? Was in unserem Leben wichtig ist". Sein vergangenes Buch "Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen" knüpft daran an. In gewisser Weise setzt das jüngste das Nachdenken über Fragen fort, die man ruhig philosophisch nennen kann. Hacke hat ihm "Walter Wemuts Literaturliste" angefügt, in der Texte genannt sind, die ihn zum Nachdenken inspiriert haben.

Wie ein Leben gelingen kann? Das lässt sich in einer Geburtstagsfeierrede nur unzureichend klären. Deswegen hat Axel Hacke ein ganzes Buch darüber geschrieben, eines mit vielen Geschichten - auch, weil es auf Fragen wie diese nie nur eine Antwort gibt.

Autor

Andreas Heimann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
18:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aristoteles Axel Hacke Bibliothekarinnen und Bibliothekare Bücher Chefredakteure Friseure Giovanni di Lorenzo Leser
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Charmante Werbung für "Sonja"-Margarine (1959).

31.08.2019

Geschichten von Lesern und zum Nachlesen

Am 13. September feiern unsere neuen "Konsummarken" Premiere. Den dritten Band mit Geschichten über legendäre Ost-Produkte präsentieren wir im Suhler Steinweg-Center. Hier wurde vor genau 50 Jahren das Centrum-Warenhaus ... » mehr

Frank Wirth, Geschäftsführer der alteingesessenen Meininger Firma Perladin (gegründet 1884 in Perleberg; seit 1916 in Meiningen) schickte uns dieses Foto und schreibt: "Mit großer Freude habe ich auch unser altes Firmenlogo auf einer Entfärber-Packung, die in einem Ihrer Artikel abgebildet war, entdeckt. Die in der DDR sehr bekannt gewesene Handwaschpaste 2x1 produzieren wir übrigens noch heute hier in Meiningen. Foto: Wirth

26.06.2019

Konsummarken: Wo der "Komet" Kartoffeln reibt

Die "Konsummarken" wecken Erinnerungen. Nicht nur bei den Autoren unseres dritten Buches, das Anfang September erscheint: Wir baten Leserinnen und Leser, uns von ihren Erlebnissen mit dem Ostprodukt zu berichten - und er... » mehr

Im seinem Museum "Ostalgie-Konsum" hat Johannes Bettak in Themar auch diese Waschmittel aus DDR-Produktion gesammelt.

13.06.2019

Ihre Erinnerungen ans Ostprodukt sind gefragt!

Das Ostprodukte langlebig sind - das beweisen nicht nur Simson und MZ, die noch immer auf hiesigen Straßen knattern, davon berichten auch die Leser unserer Zeitung: Unser Aufruf zeitigte ein vielfaches Echo. » mehr

Großer Spaß bei der Generalprobe von "La Mancha"

09.10.2019

Großer Spaß bei der Generalprobe von "La Mancha"

Einmal im Jahr laden unserer Zeitungen und das Meininger Theater Leserinnen und Leser zu einer besonderem Generalprobe ein: Der Erlös aus dem Ticketverkauf dieses Abends fließt komplett an den Verein "Freies Wort hilft" ... » mehr

Navid Kermani. Foto: dpa

07.11.2019

Kermani: AfD-Erfolg ist eine Gegenreaktion

2009 sagte Navid Kermani, Deutschland sei weltoffener und vielfältiger geworden. Dazu steht er noch heute - nur habe sich mittlerweile auch eine Gegenbewegung etabliert. » mehr

Der Journalist Siggi Seuß im Englischen Garten vor dem Meininger Theater. In seinem Buch versucht er eine Zeitreise in die Theatergeschichte. Foto: Meyer

28.10.2019

Legenden aus der Aufbruchzeit

Der Journalist Siggi Seuß hat das Meininger Theater unter Ulrich Burkhardt und Christine Mielitz als "Jahre voller Euphorie" erlebt. Darüber hat er nun ein Buch geschrieben - auch aus der Befürchtung, jene Zeit könnte zu... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bombenfund Meiningen

Bombe in Meiningen |
» 5 Bilder ansehen

Narrenzug Bad Salzungen Bad Salzungen

Narren regieren Bad Salzungen | 11.11.2019 Bad Salzungen
» 31 Bilder ansehen

Rathaussturm Suhl Suhl

Narren stürmen Rathaus Suhl | 11.11.2019 Suhl
» 58 Bilder ansehen

Autor

Andreas Heimann

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
18:04 Uhr



^