Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Feuilleton

Liebesgrüße vom Bosporus

Die Beethoven-Stadt Bonn startet mit einer spektakulären "Fidelio"-Inszenierung von Regisseur Volker Lösch ins Jubel-Jahr des Komponisten.



Szene aus Löschs "Fidelio" am Theater Bonn. Foto: Thilo Beu
Szene aus Löschs "Fidelio" am Theater Bonn. Foto: Thilo Beu  

Wo, wenn nicht in Bonn, könnte der Auftakt zum Beethoven-Jahr besser platziert sein. Der Komponist wurde dort vor 250 Jahren geboren. Solche Jubiläen bringen Programmplaner, Vermarkter aller Arten und auch die einen oder anderen Opernhäuser in Schwung. Letzteren bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die einzige Oper des Großmeisters der Sinfonien zu stürzen: "Fidelio". Nimmt man den beim Libretto-Wort, dann müssen Klippen umschifft werden. Was hat Leonore eigentlich für einen Plan, um ihren Mann wirklich erfolgreich aus der Isolationshaft zu holen? Was wäre passiert, wenn der Minister, nicht genau zur richtigen Zeit und durch ein Trompetensignal unüberhörbar angekündigt, angekommen wäre, um dieser Aktion einen legalen Rahmen und der Oper ein pathetisches Happy End zu geben?

Der Bürgerchor-Erfinder Volker Lösch (siehe seinen "Macbeth" in Magdeburg 2013 und "Die Räuber" in Weimar 2015) unterzieht solche Stoffe einem radikalen Gegenwartstest. Bei "Fidelio" grätscht er mit allem, was man kritisch gegen das aktuelle politische Regime in der Türkei sagen kann, zwischen die Musiknummern. Konsequent aus der Perspektive der kurdischen Opposition nicht nur gegen Erdogan, sondern gleich gegen die Türkei als solche. Mit fünf betroffenen Zeitzeugen (darunter Goethe-Medaillen-Preisträger Dogan Akhanli) und ihren Geschichten. Vorgetragen am Tisch rechts auf der Bühne. Daneben ein Green-Screen-Raum für die von den Sängern nachgestellten Szenen. Mit meist mehr und manchmal weniger Bezug.

Dank der Technik schwebt Leonore mal wie ein Engel durch Gefängnismauern. Oder ein wildgewordener Sultan Krummsäbel schwingend durch die Gegend. Dass dieser Don Pizarro ein Erdogan-Wiedergänger ist, machen seine Landsleute am Tisch unzweideutig klar. Am Ende wird das Plakative dieser Inszenierung wörtlich - sie halten Plakate hoch, die Freiheit für alle politischen Gefangenen in der Türkei fordern. Und fordern das Publikum auf, an die Kanzlerin oder den Außenminister zu schreiben. Bei einer so direkten politischen Stellungnahme bleibt das Finale ein besonderes Problem. Bei Lösch wird der "Freigelassen"-Stempel hinter etlichen Namen zur Kehrseite einer ebenso willkürlichen Einkerkerung. Musikalisch glänzt die Oper Bonn vor allem mit ihrem Orchester (unter Dirk Kaftan), aber auch mit einem überzeugenden Ensemble, das von Martina Welschenbach (Leonore) und Thomas Mohr (Florestan) angeführt wird.

Autor

Joachim Lange
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 01. 2020
20:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Bundeskanzlerin Angela Merkel Fidelio Kanzler Komponistinnen und Komponisten Minister Oper Opernhäuser Orchester Regisseure Sinfonien Thomas Mohr Volker Lösch
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Philippe Bach, Generalmusikdirektor und Chef der Meininger Staatskapelle. Foto: CS

15.01.2020

Die Fünfte donnert im Dampflokwerk

Beethovens erste Sinfonie im Neujahrskonzert der Meininger Hofkapelle gab den Auftakt zum Beethoven-Jahr am Meininger Staatstheater. » mehr

Christine Mielitz in Meiningen (2008). Foto (Archiv): ari

23.11.2019

Die das Theater aufleuchten ließ

Die Regisseurin und ehemalige Meininger Intendantin Christine Mielitz wird heute 70 Jahre als. Ein Geburtstagsgruß. » mehr

Alex Kim und Elif Aytekin in der Meininger "La Rondine". Foto: Liebig/DMT

25.11.2019

Geld oder Liebe? Liebe - natürlich!

Was ist Liebe? Danach fragt Giacomo Puccini in seinem selten aufgeführten Spätwerk "La Rondine". Am Meininger Theater verlegt Bruno Berger-Gorski die Handlung in die Welt der Grace Kelly. » mehr

Der neue Chef am Pult des MDR-Orchesters: Dennis Russel Davies.

13.11.2019

Dennis Russell Davies wird neuer MDR-Chefdirigent

Mit der Spielzeit 2020/21 wird Dennis Russell Davies neuer Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters in Leipzig. In den folgenden vier Jahren wird er den Klangkörper und damit auch das Programm der Suhler Konzertreihe leit... » mehr

Aris Alexander Blettenberg dirigiert die Meininger Hofkapelle bei der Generalprobe zur Mozart-Oper "Die Entführung aus dem Serail". Foto: ari

23.05.2019

Premiere im Graben

Der "Graben" - kein sonderlich hübsches Wort. Im Theater-Slang der Ort für das Orchester - halb vor, halb unter der Bühne. Und doch: Ein magischer Platz. Heute Abend steht Aris Alexander Blettenberg im Graben. In Meining... » mehr

Liudmila Lokaichuk als Effi in der Matthus-Oper "Effi Briest". Foto: Kross/STC

21.10.2019

Spiel mir das Lied von Effi B.

Das Fontane-Jahr geht langsam zu Ende - ein paar Höhepunkte aber gibt es noch: Am 30. Dezember hätte der Dichter seinen 200. Und am Staatstheater Cottbus bejubelt das Publikum die Uraufführung der neuen Oper "Effi Briest... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Feuerwehr löscht lichterloh brennendes Forstgerät Neuenbau

Brennende Forstmaschine | 15.01.2020 Neuenbau
» 7 Bilder ansehen

Autor

Joachim Lange

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 01. 2020
20:53 Uhr



^