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Ersatz-Fassade in Franken

Nach dem Wirbel um ein angeblich sexistisches Gedicht Eugen Gomringers an der Fassade einer Berliner Hochschule sollen die Zeilen bald eine Hauswand in Rehau in der Nähe von Hof, dem Wohnort des Lyrikers, schmücken.



Noch ist Eugen Gomringers Gedicht "avenidas" an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin zu lesen. Nun soll es übermalt werden. Foto: dpa
Noch ist Eugen Gomringers Gedicht "avenidas" an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin zu lesen. Nun soll es übermalt werden. Foto: dpa  

Nach dem Wirbel um ein angeblich sexistisches Gedicht Eugen Gomringers an der Fassade einer Berliner Hochschule sollen die Zeilen bald eine Hauswand in Rehau in der Nähe von Hof, dem Wohnort des Lyrikers, schmücken. An einem Museum der Stadt wird künftig großflächig das auf Spanisch verfasste Gedicht "avenidas" zu lesen sein.

Vor knapp zwei Wochen hatte der Akademische Senat der Alice Salomon Hochschule beschlossen, das Gedicht übermalen zu lassen. International war die Entscheidung heftig kritisiert worden. Der Deutsche Kulturrat zeigte sich "erschüttert".

Angehörige der Hochschule hatten moniert, "avenidas" könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Dabei geht es um den Satz: "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Damit würden Frauen, so die Kritiker, zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.

Nun hat eine große Mehrheit im Rehauer Stadtrat beschlossen, das Gedicht im öffentlichen Raum zu zeigen. "Damit stehen die Vertreter der Rehauer Bevölkerung hinter Eugen Gomringer, dem Begründer der konkreten Poesie, und setzen sich für ihn ein", sagte Bürgermeister Michael Abraham (CSU). "In Rehau wird das Gedicht nicht als sexistisch beurteilt, wohlwissend, dass es immer mehrere Interpretationsmöglichkeiten für dasselbe Gedicht gibt."

Die Idee, das Gedicht in Rehau großflächig anbringen zu lassen, sei kürzlich auf dem 93. Geburtstag Gomringers entstanden, er habe sich mit dem Dichter eng abgestimmt, sagte Abraham. Im Frühjahr sollen die Arbeiten an der Fassade des Museums beginnen.

Gomringer selbst hatte die Entscheidung der Berliner Hochschule kritisiert. "Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie", hatte er gesagt. Der in Bolivien geborene Gomringer lebt seit 1976 in Rehau und gründete dort im Jahr 2000 das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP).

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Veröffentlicht am:
03. 02. 2018
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03. 02. 2018
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