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Feuilleton

Der letzte Sprit ist heilig

Das Ostprodukt lebt auch 30 Jahre nach dem Mauerfall - in den Haushalten unserer Leserinnen und Leser! Von solcherart Langlebigkeit haben die Genossen in den Kombinaten seinerzeit wohl nicht mal geträumt. In Briefen an die Redaktion lesen wir über beliebte Konsum-Marken.



Blick in die Konsum-Verkaufsstelle in Waldau (1960). Das Foto sendete uns Burkhardt Knittel aus Hildburghausen.
Blick in die Konsum-Verkaufsstelle in Waldau (1960). Das Foto sendete uns Burkhardt Knittel aus Hildburghausen.   » zu den Bildern

Post erreichte aus längst nicht nur aus dem Süden Thüringens - sondern zum Beispiel auch aus Mittelfranken: Von ihrer Mutter, schreibt Dunja Zöller, habe sie von unserer "tollen Aktion" erfahren, über noch heute genutzte Ostprodukte zu berichten. Die DDR habe sie zwar kaum live erlebt - Frau Zöller ist Jahrgang 1987 -, "aber Erzählungen und die Nutzung langlebiger Ostprodukte prägen mich bis heute". Ihr erging es wie so vielen jungen Leuten: Aus dem "beschaulichen Südthüringen" zog sie der Arbeit wegen gen Süden. Seit anderthalb Jahren wohnt Dunja Zöller in Ansbach. Der Umzug fand jedoch nicht ohne den Stereo-Kassettenrekorder "SKR 700" und eine elektrische Kaffeemühle der Marke Straume - Made in der UdSSR - statt.

"Das Radio ist ein Vermächtnis meines viel zu früh verstorbenen Opas, und was soll ich sagen - es funktioniert noch einwandfrei. Jeden Morgen begleitet es mich in den Tag", schreibt uns Frau Zöller. Die Kaffeemühle habe sie aus dem Fundus ihrer Eltern mitgenommen. Nicht nur zum Kaffeemahlen wird sie eingesetzt. "Nur mit ihrer Hilfe bekomme ich mein Gemisch aus Puderzucker und gemahlenen Mandeln zu einem feinen Mehl für die perfekten, glatten Macaron-Schalen". Nun, wer hätte das gedacht? Russischer Technik aus DDR-Zeiten verfertigt 30 Jahre nach der Wende in Bayern ein französisches Gebäck - sauber!

Wertvolle Ostpakete zu gewinnen

Am 13. September erscheint der dritte Band unserer "Konsummarken" mit rund 50 Texten aus der Feder von Redakteuren und Mitarbeitern unserer Zeitung. Aber nicht nur wir wollen zum runden Jahrestag des Mauerfalls zurückblicken, auch Sie sollen das tun: Wir suchen Ihre Erinnerungen! Haben Sie Fotos vom Handel zu DDR-Zeiten, aus Konsum, Delikat, Konsument, HO oder Centrum-Warenhaus? Wir freuen uns über Ihre Post. Und sind gespannt auf Ihre Erfahrungen mit dem ein oder anderen Ost-Produkt. Was funktioniert nach wie vor bei Ihnen zu Hause? Was vermissen Sie von dem, was die volkseigene Produktion einst zeitigte? Schreiben Sie uns!

Unter allen Einsendungen verlosen wir natürlich unsere "Konsummarken"-Bände (auch im Dreierpack) sowie weitere wertvolle Preise.

Schreiben Sie an die Redaktion Ihrer Heimatzeitung, Schützenstraße 2, 98527 Suhl, Feuilleton (Kennwort: Konsummarken). Oder einfach per Mail an konsum-marken@insuedthueringen.de

"Ja, es ist erstaunlich, welche Dinge die DDR überlebt haben. Auch die Erkenntnis, dass der Mangel an Rohstoffen und Kapazitäten oft dazu führte, gerade Konsumgüter (siehe das oft genannte RG 28) sehr robust gebaut wurden", schreibt Michael Silo aus dem Weingartental in Meiningen. Er hat etwas im Keller, was einst für baldigen Verbrauch produziert wurde: "Primasprit". Solcher Art Alkohol gibt es heute nicht so einfach im Laden. "Wenn ich die Perforierung auf dem Etikett richtig deute, stammen die Flaschen aus der April-Produktion von 1982", schreibt Herr Silo. Zu seinem Bedauern ist nur noch eine Flasche halbvoll - "aber diese wird wie ein Schatz gehütet."

Begeistert vom Rührgerät

Begeistert vom legendären Rührgerät sind viele unserer Leserinnen - auch Carmen Strauß aus Kaltennordheim. Vor allem, weil es noch immer funktioniert: "Vor 38 Jahren habe ich ein RG 28 gekauft und bis vor etwa zwei Jahren genutzt. Rührstäbe, Kaffeemühle, Gemüseschneider, Mixtulpe, Passierstab und Pürrierstab - alles war dabei." Doch dann stieg das Gerät aus und das neu erworbene Modell besaß keinen Passierstab. "Den Stab nutzte ich oft für Marmeladen und Cremesuppen", schreibt Frau Strauß. Aber: Gelernte DDR-Bürger sind halt doch findig: Herr Strauß hat aus einer alten Passierscheibe und einem neuem Stab ein entsprechendes Werkzeug für das neue Gerät gebaut. Man muss sich halt zu helfen wissen!

Auch Walter Fölsche schwört auf langlebige Qualität. Er hat einen fast "40-Jährigen" zu Hause, der noch immer seine Dienste tut: 1981 erstand er in einer HO ein Radio der Marke "Robotron RS5001 HiFi". Für die damalige Zeit und für DDR-Verhältnisse besitzt das Gerät ein ziemlich futuristisches Aussehen und eine erstaunliche technische Ausstattung, schreibt uns unser Leser: "Es ist komplett mit LED in roter und grüner Farbe ausgerüstet. Der sonst übliche Zeiger beim Sendereinstellen ist nicht vorhanden und die eingestellte Frequenz wird mit LED dargestellt." Herr Fölsche schwört auch auf die "zwei guten Boxen": Der Klang sei so gut, dass er sich nicht hinter heutiger Hitec verstecken müsse. Fazit: "Deswegen ist das Gerät heute noch in Gebrauch." Und wird es wohl bleiben: Mit einem Internet- und "DAB+"-Adapter funktioniere das Radio einwandfrei.

Jan Leichsenring aus Erfurt schreibt uns eine Vermissten-Anzeige: Er schwört auf grünes Pistazien-Eis aus DDR-Produktion, das einst in kleine, weiße, würfelförmige Plastebechern abgepackt wurde: "Das schmeckte deutlich intensiver als heutiges Pistazien-Eis!"

"Hallo ihr Ostalgie-Fans", grüßt Eva Kirchner aus Leimrieth bei Hildburghausen unsere Redaktion: "Mit großer Freude" habe sie von unseren Konsummarken gelesen - und gleich nachgeschaut, welche Ostprodukte sie noch in Gebrauch hat. Es tauchten auf: Ein Kaffeefilter von Sonja, bunte Eierbecher, die Picknick-Dose für zwei Eier, der unverwüstliche "Multiboy" und die berühmten gepunkteten Trinkbecher. "Ist das nicht schön?", fragt Frau Kirchner. Wir antworten "Na klar!"

Auch Wilhelm Decho kann so einfach nichts wegwerfen: "Seit 1972 haben wir ein RG 25 in Betrieb, das heute noch funktioniert." Den, erinnert er sich, habe er seinerzeit zum Vorzugspreis von 75 Mark erwerben können, weil er zu dieser Zeit AWG-Stunden im EGS (Elektrogeräte-Werk) geleistet habe. Weiterhin besitzt Familie Decho einen funktionstüchtigen "Multiboy", einen Kontakt-Grill und eine echte Rarität: Einen DDR-Computer für den Privatgebrauch aus Mühlhausen, der in den Achtzigerjahren als "KC 85" zu horrenden Preisen gehandelt wurde.

Ein schönes Geschenk

Constanze Wagner berichtet uns von ihren Erinnerungen an die Geraberger Konsum-Kaufhalle. Den Brand am 1. Januar 1986 hat sie sogar selbst fotografiert. "Die Kaufhalle lag an einem Nebeneingang des Thermometer-Werkes, so dass man während der Pause schnell mal einkaufen konnte. Natürlich sprachen sich auch Bananenlieferungen rum, und mancher eilte vom Arbeitsplatz weg, um seine Zuteilung zu erbeuten." In Erinnerung blieb ihr auch die Fleischabteilung. "Wenn man Rouladen fürs Wochenende verlangte, musste man auch Knochen mit kaufen, ob man wollte oder nicht." Schließlich wachsen die Tiere ja nicht ohne Knochen auf, bekam sie zu hören. "Das werde ich nie vergessen, denn darüber habe ich mich sehr geärgert." Das Wort "Kaufhalle" benutzt Frau Wagner noch immer: "Es ist auch kürzer als Supermarkt!"

Wie gut es ist, wenn Eltern ihren Kindern sinnvolle Weihnachtsgeschenke machen, zeigen die Erinnerungen von Claudia Haug. "Im Alter von zehn Jahren bekam ich zu Weihnachten einen Fotoapparat der Marke ‚Penti’ mit Belichtungsmesser von meiner Oma geschenkt. Einen Fotoapparat hatte ich mir sehnlichst gewünscht und so war die Freude damals groß. Mein Vater war begeisterter Hobby-Fotograf und das wollte ich auch sein", schreibt die Suhlerin. Die Kamera wurde im VEB Pentagon Dresden hergestellt und die Filme kamen von ORWO in Wolfen. "Den Fotoapparat benutzte ich bis zur Wendezeit und er hat mir sehr schöne Fotos beschert, später sogar in Farbe. Er war auf vielen Klassenfahrten und Urlauben in meinem Gepäck.

Das Mädchen hat sogar die Filme und Fotos in der väterlichen Dunkelkammer selbst entwickelt - die Fotografie wurde sozusagen spielend zu ihrem Hobby. Allerdings, schreibt Claudia Haug, bekäme man heutzutage kaum noch Kleinbildfilme zu kaufen. "Meine ‚Penti II‘ ist jedoch noch voll funktionstüchtig." Vielleicht wird sie ja auch noch einmal eingesetzt. Denn die analoge Fotografie erlebt gerade eine Renaissance - und Filme gibts natürlich noch immer im Internet.

Autor

Peter Lauterbach
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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
10:13 Uhr

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Autor

Peter Lauterbach

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
10:13 Uhr



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