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Feuilleton

Das Universum und der ganze Rest. . .

Am Samstag (24. August) beginnt das 19. Provinzschrei-Festival - erstmals nicht mit einer Lesung in Suhl, sondern mit einem Konzert der Liedermacherin Dota Kehr im Museum in Kloster Veßra. Wir sprachen mit ihr.



Die Musikerin Dota Kehr kommt zum Provinzschrei. Foto: Agentur
Die Musikerin Dota Kehr kommt zum Provinzschrei. Foto: Agentur  

Frau Kehr, als Berlinerin kommt man ja nicht unbedingt in den Thüringer Wald. Waren Sie schon einmal hier, im Süden Thüringens?

Klar, ich habe schon zwei Mal beim Paradiesvogel-Fest in Hildburghausen gespielt und sehr häufig war ich in Wasungen bei Meiningen, weil sich dort jährlich eine Art Liedermacher-Schule trifft, um sich in einem Seminar mit Musik und Dichtung zu beschäftigen. Es ist eine wunderschöne Gegend.

 

Sie kommen mit Ihrer Band und dem dritten Album "Freiheit" nach Kloster Veßra. Auf was kann sich das Publikum freuen?

Auf einen unterhaltsamen, musikalischen und abwechslungsreichen Abend.

 

Liebe, Schmerz, Melancholie, Witz, auch Gesellschaftskritik - die Themen Ihrer Songs sind unglaublich vielfältig. Woher nehmen Sie die Stoffe, aus denen ihre melodiös verwebten poetischen Träume gewebt sind?

Der Planet, die Gesellschaft, das Universum und der ganze Rest. Naja, ich mache mir immer Notizen, wenn mir eine gute Formulierung einfällt oder mir eine Beobachtung besonders bewegend erscheint - und dann ist es halt ein geduldiges Weben und Verdichten, bis es ein guter Text ist.

 

Im Song "Jeden Tag neu" fliegt die Tür auf und Sie freuen sich jeden Tag neu darauf, dass da ein Mensch ist, den sie lieben. Ist für Sie die Liebe das Rezept für ein glückliches Leben?

Unbedingt. Ich glaube zwar, dass es eine seltsame überhöhte Vorstellung von Liebe gibt, weil sie als Hollywood-Idee ja fast schon die neue Religion unserer Zeit darstellt, aber in allen Höhen und Tiefen mit ihren Konflikten und Enttäuschungen ist sie sicherlich der wichtigste Inhalt für ein erfülltes Leben. Und ich denke, genauso wichtig für ein glückliches Leben und auch für eine erfüllte Liebe ist es, mit sich selber im Reinen zu sein.

Ganz anders die Message im Lied "Raketenstart". Hier beschäftigen Sie sich mit dem Klimawandel. Glauben Sie daran, dass Kunst, dass Musik das Verhalten der Menschen ändern kann?

Hmm, das weiß ich nicht. Sie könnte Teil davon sein, dass Klimaschutz breitere Akzeptanz findet. Letztlich traut sich ja kein Politiker zu sagen, dass Klimaschutz auch Verzicht bedeutet. Das ist politisch sehr schwer durchzusetzen, aber es ist ja wirklich ein relativer Verzicht: Vor zwanzig Jahren hatte sich noch niemand an Billigflüge gewöhnt, heute haben alle das Gefühl, einem wird etwas weggenommen, weil man nicht mehr für 15 Euro irgendwo hinfliegen kann, dabei war das schon damals eine ökologische Katastrophe. Klimaschutz wird niemals funktionieren, wenn Politik und Wirtschaft weiterhin die Verantwortung dem einzelnen Konsumenten zuschieben. Das hat man 30 Jahre probiert und ist keinen Schritt weiter. Man braucht mutige Politik dafür.

 

Mittlerweile haben Sie über 100 000 Tonträger verkauft, Platz 14 in den Charts, ausverkaufte Konzerte: Wird Dota irgendwann im Mainstream schwimmen oder nach wie vor die Nebenflüsse nehmen?

Ich schreibe einfach die Lieder, die mir einfallen. Ich richte mich nicht nach Verkaufserwartungen oder danach, was die Radiosender spielen. Natürlich freue ich mich, dass Leute meine Alben kaufen und hoffe, dass sie sich an den Liedern erfreuen. Aber ich versuche immer beim Schreiben nur meinem Herz und meinem eigenen Musikgeschmack zu folgen - und allenfalls noch dem Geschmack der anderen Bandmitglieder.

 

Sie haben an der Charité Medizin studiert, waren dann als Straßenmusikerin unter dem Namen "Kleingeldprinzessin" unterwegs, haben ein eigenes Label gegründet, produzieren Ihre Musik selbst und gehen seit vielen Jahren auf Tour. Warum ist aus Dota Kehr keine Ärztin geworden?

Weil ich das Singen liebe. Ach, ich habe Medizin gerne studiert und es hat mich immer interessiert. Aber die Medizin macht leider fast so viele Menschen krank, wie sie gesund macht. Nicht zuletzt die Leute, die darin arbeiten, deshalb bin ich oft froh, dass ich nicht im Krankenhaus gelandet bin. In den letzten zwei Jahren des Studiums habe ich schon vom Musikmachen gelebt und mir war klar, dass ich wahrscheinlich nie als Ärztin arbeiten würde.

Interview: Hendrik Neukirchner

 

Das Konzert von Dota findet am Samstag, 24. August, um 19.30 Uhr, in der Ruine der Klosterkirche im Hennebergischen Museum Kloster Veßra statt. Bereits um 18 Uhr gibt es für alle Interessierte die Möglichkeit, die Klosteranlage bei einer kostenfreien Führung kennenzulernen. Tickets gibt es in den Geschäftsstellen dieser Zeitung oder unter Tel.: 03681/792413.

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Veröffentlicht am:
21. 08. 2019
18:19 Uhr

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21. 08. 2019
18:19 Uhr



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