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Ausverkauf der Ideale

"Preis der Freiheit" - Dreiteiler, am Montag, Dienstag und Mittwoch im ZDF gesehen



Zum Anlass des 30. Jahrestages der Mauer-Öffnung wieder ein Wendedrama. Dieses hat den wirtschaftlichen Verfall der DDR zum Thema und spiegelt ganz gut den beidseitigen Zynismus und die alles vernichtenden Machtgelüste wider. Im Mittelpunkt des Dreiteilers "Preis der Freiheit" stehen die Familie Bohla und die Geheimabteilung "Kommerzielle Koordinierung" (KoKo) des Außenhandelsministeriums, die tatsächlich zur Beschaffung harter Devisen unter anderem auf Embargo- und Waffengeschäfte, Import von Sondermüll, Antiquitätendiebstähle, Schmuggel und Häftlingsfreikäufe setzte. Bis 1989 erwirtschaftete die KoKo unter Schalck-Golodkowskis Regie 27 Milliarden D-Mark, sollen 30.000 politische DDR-Häftlinge von der Bundesrepublik ausgelöst worden sein.

Der erste Teil setzt zwei Jahre vor dem Mauerfall ein. Die linientreue Margot (Barbara Auer), die älteste von drei Schwestern, ist ein hohes Tier in der KoKo und koordiniert den "Freikauf" der Häftlinge. Ihr Mann Paul (Joachim Król) steht für sozialistischen Idealismus. Lotte (Nadja Uhl) deckt mit anderen einen Giftmüllskandal auf, über sie wird der Aufbruch zur friedlichen Revolution erzählt. Ihr Sohn Ingo lässt sich von den Nazis vereinnahmen. Die dritte Schwester Silvia (Nicolette Krebitz) gilt als tot, lebt aber im Westen, wovon nur Margot und Mutter Else (Angelika Winkler) wissen. Sie ist dort Margots direkter Gegenpart - etwas konstruiert vom Drehbuch. Jedes Klischee wird brav abgearbeitet, interessanter ist aber der Finger in der Wunde der Einheit: Der Film legt den Fokus auf die korrupten Eliten, die nie belangt wurden, weil sie den Westen mit ihrem Wissen erpressen konnten. Und er zeigt, dass die Wende nicht nur Freiheit und Demokratie und Rechtsstaat brachte, sondern auch die Gier, die jede Hoffnung auf Reformen begrub. Am Ende des dritten Teils steht die DDR vor der Auflösung, die Lebenslinie Pauls, des Idealisten, ist da schon - sehr sinnbildlich - verlöscht.

Autor

Stefanie Grießbach
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Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
17:19 Uhr

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Stefanie Grießbach

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Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
17:19 Uhr



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