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Zwei Vierbeiner im Dienst der Polizei

Gino hat für seinen Job bei der Polizei immer alles gegeben; nun geht er bald in Rente. Sein Nachfolger steht schon in den Startlöchern. Zum Glück vertragen sich die beiden - bei Rüden kann das schon mal schwierig werden.



Der belgische Schäferhund "Hunter" hat die Ausbildung zum Schutzhund zwar noch vor sich, er darf aber mit seinem Herrchen, Diensthundführer Sebastian Grob, schon üben. Fotos: Heiko Matz
Der belgische Schäferhund "Hunter" hat die Ausbildung zum Schutzhund zwar noch vor sich, er darf aber mit seinem Herrchen, Diensthundführer Sebastian Grob, schon üben. Fotos: Heiko Matz  

Andenhausen - Gino hat dieselben Arbeitszeiten wie viele Polizeibeamte. Zuvor sitzt er bei seinem Herrchen, Diensthundführer Sebastian Grob, im Auto - von Andenhausen geht es nach Fulda. Dort sind die beiden stationiert; gewöhnlich fahren sie dann Streife wie ihre Kollegen auch. Doch zwischendurch passiert es immer wieder, dass sie zu Vorfällen gerufen werden, dass speziell Gino verlangt wird. Weil es um Aktionen geht, wo keiner so gut helfen kann wie er.

Bei größeren Schlägereien, bei Demos oder Bundesliga-Fußball war und ist Gino dabei. Vor allem auch dort, wo Einbrecher gefasst werden müssen und Drogen gesucht. Es gab schon solche Fälle, wo die Kollegen vor Ort alles ordnungsgemäß geprüft hatten. "Wir haben das Auto schon durchsucht, hier ist nichts", informierten sie den Diensthundführer. Aber Gino fand noch Rauschgift hinter dem Radio. Ein anderes Mal stieß der belgische Schäferhund auf sieben Kilogramm Kokain, das unter dem Auto verschweißt war. Mit seiner Schnauze deutete er darauf.

 

Denn anders als man es im Tatort sieht, erklärt Sebastian Grob, legen sich die Suchhunde hin, wenn sie aufspüren, worauf sie trainiert wurden - Rauschgift, Sprengstoff, Leichen oder Bargeld. Höchstens mit der Nase zeigen sie darauf, aber sie bellen nicht. Im Fall von Sprengstoff könnte der schließlich auch lautstärkeempfindlich sein und explodieren. Und vom Rauschgift könnten die Tiere allzu leicht etwas schlucken, würden sie mit Pfote oder Schnauze an einer Drogentüte kratzen, schildert Grob. Er bereitet Gino vor einer Suchaktion schon im Auto darauf vor. "Dann spreche ich mit freudiger Stimme, zeige ihm sein Spielzeug." Solange das Suchen für die Hunde mit dem Spieltrieb verbunden sei, könne man sie auf alles trainieren, sagt der Diensthundführer. "Es muss aber positiv verknüpft sein. Der Hund muss alles freiwillig machen, sonst geht es nicht." Zur Polizeiarbeit zwingen könne man die Tiere nicht; sie brauchen Freude daran.

Sprengstoff oder Drogen?

Zugleich müssen sie zu hundert Prozent verlässlich sein, denn es hängt viel von ihnen ab. Bei einem Sprengstoffspürhund zum Beispiel, der sich auf dem Frankfurter Flughafen vor einem Koffer auf den Boden legt, vertrauen die menschlichen Kollegen völlig darauf, dass er gerade etwas gefunden hat und sich aus keinem anderen Grund so verhält. Anderenfalls könnte es sein, dass sie das Gebäude umsonst evakuieren. Viel Training braucht es dafür, dass der Hund - für den das Hinlegen Teil des Spiels ist, Teil seiner Aufgabe, die ihm Belohnung einbringt, wenn er sie gut gemacht hat - sich nicht nur gelegentlich an die Anweisungen hält, sondern jedes Mal. Für den Polizeidienst kommen daher nur Hunde in Frage, deren Spieltrieb "ausgeprägt und belastbar" ist, erklärt Grob.

Wo etwa ein Border Collie aufhören würde, nach seinem Spielzeug zu suchen, wenn er keine Lust mehr dazu hat, müssen Polizeihunde wie Gino nach einer halben Stunde noch spielen wollen, sprich: Auch Suchaktionen in größeren Gebäuden meistern können.

Überhaupt sei das Suchen auf Befehl eine der schwersten Übungen für die Hunde. Gino musste lernen, dass er nicht nur und sofort dort suchen darf, wo er will, sondern da schnuppern muss, wo sein Herrchen hinzeigt. "Wenn ich sage: 'Hier, such', muss das genau an der Stelle gewährleistet sein", sagt Grob. Von Zimmer zu Zimmer in Wohnungen, in Parkanlagen, Bunkern, kürzlich in einem Spielcasino. In einem zwölfwöchigen Lehrgang hat er Gino zunächst zum Schutzhund ausgebildet. Die Prüfung, die sie 2012 ablegten, wird jährlich wiederholt. Als "Doppelfunktioner" kam für Gino ein Jahr später die Ausbildung zum Drogenspürhund dazu. Seither trainiert er wöchentlich - einmal als Schutz- und einmal als Spürhund, mehrmals im Jahr ist er bei Seminaren.

"Das muss sein, um das hohe Niveau unserer Hunde zu halten", sagt Grob. Sie würden das zwar alles als Spiel begreifen und immer weitermachen wollen. Doch sie überschätzten sich dabei auch und müssten geschützt werden. Ihr Job sei durchaus anstrengend: Die Körpertemperatur eines Hundes, der eine Dreiviertelstunde lang Rauschgift gesucht hat, sei stark erhöht. Gino hechelt etwa 300 Mal pro Minute, bei jedem Atemzug analysiert er im Kopf, ob es gerade nach Drogen riecht. "Das geht nicht endlos." In Menschenjahren ist der achtjährige Schäferhund mittlerweile um die 56. Ein Alter, in dem man auf die Rente zugeht, sagt Grob. Zumal Gino "im Job immer alles gegeben" habe. Weil er zuletzt bereits Rückenprobleme hatte, will der Diensthundführer ihn Ende 2018 von den teils körperlich anstrengenden Schutzhundaufgaben befreien. Nur als Spürhund kann er noch ein paar Jahre arbeiten, bevor er in den Ruhestand eintritt. Den wird er als Privathund bei seinem Herrchen verbringen. Das Land Hessen, das Eigentümer des Hundes während dessen Dienstzeit ist, wird weiterhin die Tierarztkosten für ihn zahlen.

Auch Ginos Nachfolger, Hunter, ist ein belgischer Schäferhund. Ihn hat Sebastian Grob bereits als Welpe bekommen. Er wusste, dass Gino mit Welpen gut klarkommt und ausgewachsene Rüden, die er von klein auf kennt, akzeptiert. Darum hat es ihn sicher nicht gestört, dass Hunter in den ersten Stunden schon zum Star der Frankfurter Polizei aufstieg, wo Grob damals beschäftigt war. Weil Hunter ausgerechnet am Girls' Day in die Station kam, begeisterten sich die Mädchen, die den Tag dort verbrachten, um den Polizeiberuf kennenzulernen, für den Welpen.

Hunter als Internetstar

Sie stellten Bilder ins Internet, die ihm eine Million Klicks und einen Artikel in der Bildzeitung bescherten. Für Grob auch deshalb schön, weil er zeigen will, dass Polizeihunde "keine unkontrollierbaren Beißmaschinen" sind. Im Gegenteil: Sie seien sehr kontrolliert, müssten auch gehorchen, wenn sie ihre Triebziele - Futter und Spielzeug - erreicht hätten. "Dann fängt der Gehorsam erst an." Polizeihunde sind Grob zufolge "normale Hunde, die eben bestimmte Dinge gelernt haben". Sie profitierten von der Möglichkeit, ständig alle Triebe ausleben zu können: Beim Herrchen sein, viel rauskommen und spielen. Hunter hat all das noch vor sich. Von Gino habe er sich bereits einiges abgeschaut, sagt Grob. Wenn Hunter so weitermacht, wird er den Job irgendwann genauso gern machen wie sein Vorgänger.

 
Autor

Milina Reichardt-Hahn

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Veröffentlicht am:
31. 07. 2018
18:06 Uhr

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31. 07. 2018
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