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Bad Salzungen

Strengere Regeln: Handel und Gastronomie müssen schließen

Wie im gesamten Freistaat gelten ab heute auch im Wartburgkreis deutlich strengere Regeln, mit deren Hilfe die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt werden soll. Betroffen sind viele Bereiche des Einzelhandels, diverse Dienstleistungen und die Gastronomie. Die Inhaber und Chefs reagieren überwiegend mit Verständnis.



Im Herkules-Markt wird der Zutritt beschränkt. Es dürfen nicht mehr als 200 Besucher zeitgleich den Markt betreten - jeder Kunde braucht einen Einkaufswagen.	Fotos (4): Heiko Matz
Im Herkules-Markt wird der Zutritt beschränkt. Es dürfen nicht mehr als 200 Besucher zeitgleich den Markt betreten - jeder Kunde braucht einen Einkaufswagen. Fotos (4): Heiko Matz   » zu den Bildern

Bad Salzungen - Der Ausbreitung des Coronavirus wird nun verstärkt der Kampf angesagt. Ab dem heutigen Freitag gelten im Wartburgkreis deutlich strengere Regeln. Dafür hat das Landratsamt gestern eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die alle bisherigen Festlegungen aufhebt. Damit setzt der Landkreis einen thüringenweit gültigen Erlass um, auf den sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) in einer Telefonkonferenz mit den Landräten und Oberbürgermeistern verständigt hatten.

Dem neuen Erlass zufolge, der bis zum 19. April gilt, werden unter anderem Beherbergungsbetriebe, Cafés und Gaststätten, aber auch Einzelhandelsgeschäfte geschlossen, Zusammenkünfte verboten und Anweisungen zu Besuchsverboten in Krankenhäusern und Betretungsverbote in Behindertenwerkstätten erteilt. Daneben wird festgelegt, wie der Infektionsschutz in noch geöffneten Einrichtungen und Geschäften zu gewährleisten ist und an welche Verhaltensregeln sich Reise-Rückkehrer halten müssen.

Die neuen Maßnahmen haben direkte Konsequenzen für den Landkreis, darunter die Bad Salzunger Innenstadt. Betroffen ist beispielsweise die Buchhandlung Am Markt. "Ich kann verstehen, dass dicht gemacht wird. Wer will schon krank werden?", sagte Inhaberin Anke Börner auf Anfrage. Gleichzeitig bedeute die Schließung wirtschaftliche Risiken. "Der Umsatz vor Ostern ist für uns ganz wichtig. Ich hoffe, dass uns die Kunden treu bleiben und danach wieder zu uns kommen", sagte sie. Um die Kunden bei der Stange zu halten, hat sich das Team eine Neuerung überlegt. Bestellungen werden weiter entgegengenommen und auch verschickt. "Das dauert nur zwei, drei Tage länger", sagte Anke Börner.

Auch Elfi Becker muss ihren Kurzwarenladen in den nächsten Wochen schließen. Für sie kam die Entscheidung nicht unerwartet. "Ich habe damit gerechnet", sagte sie. Der Maßnahme blickt sie zwiegespalten entgegen. "Einerseits habe ich gehofft, dass es den Einzelhandel in Bad Salzungen nicht betrifft, weil es in einer Kleinstadt keine Menschenaufläufe gibt. Andererseits denke ich: Ganz oder gar nicht. Vielleicht kommt die Entscheidung schon zu spät", sagte sie. Die Zeit wolle sie nun unter anderem für Arbeiten in ihrem Haus nutzen: "Ich habe gerade einer Freundin gesagt, dass ich mich aufs Fensterputzen freue."

Juliane Weise ("Lifestyle & Geschenke") muss die Schließung ebenfalls umsetzen. "Es betrifft alle und es muss erst einmal so sein", sagte sie. Während der Laden in der Ratsstraße bis gestern geöffnet hatte, hat sie ihren Laden im Herkules-Markt schon am Dienstag geschlossen. "Er ist mit 25 Quadratmetern sehr klein, wodurch man den Kunden nahe kommt. Das konnten wir unserer Mitarbeiterin nicht zumuten." Ihre zwei Mitarbeiterin nehmen zunächst Überstunden und Urlaubstage. "Danach wollen wir Kurzarbeit beantragen. Wir möchten sie auf keinen Fall entlassen", betonte Juliane Weise.

Für Friseurmeister Martin Putzke von "Haarkult" kommt der Erlass viel zu spät. "Das hat viel zu lange gedauert", moniert er. Hatte er bis Mittwoch mit seinem Team unter Schutzmaßnahmen im Salon gearbeitet, entschloss er sich nach der Ansprache der Bundeskanzlerin am Abend, sein Geschäft schon ab Donnerstag freiwillig und auf eigenes Risiko zu schließen. "Ich kann es nicht weiter verantworten, meine Mitarbeiter dem Risiko auszusetzen. Die Sache ist wirklich ernst." Der Erlass des Landes und des Wartburgkreises, der dann am Donnerstag kam, "bringt uns nun Sicherheit und die Möglichkeit, Liquiditätsmittel abrufen zu können."

Zutritt beschränkt

Neben dem Einzelhandel müssen auch die gastronomischen Betriebe den Erlass umsetzen. Passanten werden ab heute vor geschlossenen Türen des Restaurants "Bella Vista" am Markt in Bad Salzungen stehen. "Wir erfahren alle Informationen aus dem Internet", sagte Inhaber Fitim Merofci gestern Mittag auf Anfrage. Bereits vor den verschärften Maßnahmen seien deutlich weniger Gäste in das Restaurant gekommen. "Das merken wir schon seit zehn Tagen. Am Mittwoch habe ich nicht einmal 100 Euro Umsatz gemacht", sagte er.

Bereits im Vorfeld des neuen Erlasses hatte das Kurhaus-Restaurant am Burgsee reagiert und den Betrieb am Dienstag dieser Woche eingestellt. "Man kann nicht immer nur abwarten, bis jemand etwas sagt, sondern muss selbst reagieren. Das gibt der gesunde Menschenverstand her", sagte Martin Merbitz, Geschäftsführer der Asklepios Klinik Bad Salzungen, zu der das Kurhaus und das Restaurant gehören. Das Restaurant ist vorerst bis Mai geschlossen, und damit sogar länger als die bisher vorgegebene Frist der Allgemeinverfügung.

Eis vom Eiscafé "Dante Due" gibt es vorerst nur noch im Verkauf außer Haus, jedoch nicht im Café im Goethepark-Center. "Die Saison beginnt gerade. Wirtschaftlich ist das katastrophal. Aber es geht um die Gesundheit von Menschen. Da muss man sich an die Verordnung halten. Sie wurde ja nicht zum Spaß ausgegeben ", sagte der Chef Loris Casagrande. Wie viele Händler und Gastronomen macht er sich Sorgen um die Zukunft. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht und haben noch keine Informationen, welche Schritte wir jetzt gehen müssen", sagte er.

Anders als der Einzelhandel und gastronomische Betriebe bleiben Lebensmittelgeschäfte weiterhin geöffnet, bauen jedoch verstärkt auf genügend Abstand. So auch der Haupt- und Getränkemarkt des Herkules- Einkaufscenters. Im gesamten Gebäude dürfen sich nur noch maximal 200 Kunden gleichzeitig aufhalten. "Wir haben die Einkaufskörbe auf diese Anzahl reduziert. Jeder Kunde erhält einen Korb, er ist quasi das Ticket in den Markt", erklärte Hausleiter Henning Unger. Diese neue Regelung wurde gestern bereits umgesetzt. "Die meisten haben Verständnis, ein paar wenige nicht. Aber es dient zum Schutz aller", betonte er.

Autor

Susann Eberlein, Susanne Möller
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Veröffentlicht am:
19. 03. 2020
17:28 Uhr

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Susann Eberlein, Susanne Möller

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Veröffentlicht am:
19. 03. 2020
17:28 Uhr



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