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Erdfall von Tiefenort: neue Hoffnung auf Entschädigung

Mehr als 16 Jahre nach dem Erdfall von Tiefenort (Wartburgkreis) können die betroffenen Familien auf eine Entschädigung für den Verlust ihrer Häuser und Grundstücke hoffen.



Der Erdfall in Tiefenort hat Mitte Mai 2018 erneut Kies verschluckt. Ein Trichter hat sich aufgetan.
Der Erdfall in Tiefenort hat Mitte Mai 2018 erneut Kies verschluckt. Ein Trichter hat sich aufgetan.   Foto: Heiko Matz » zu den Bildern

Über die Sommermonate hinweg sollten in der Thüringer Staatskanzlei die letzten nötigen Gespräche geführt werden, um Zahlungen an die Familien zu leisten, sagte die Landtagsabgeordnete Anja Müller (Linke) der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Müller kommt aus der Region und setzt sich seit Jahren für die Betroffenen des Erdfalls ein. Ziel sei es, die Gespräche bis Ende des Jahres abzuschließen. Die Familien könnten «auf eine Entschädigung hoffen, die den Namen Entschädigung auch verdient», sagte sie.

In Tiefenort hatte sich im Januar 2002 plötzlich im Hof und Garten eines Wohnhauses ein großes Loch aufgetan. In den Folgejahren kam es zu mehreren Nachbrüchen, den schwersten im Jahr 2010. Und erst im Mai 2018 rumorte es wieder im Erdfalltrichter. Durch das Auswaschen salzhaltiger Schichten haben sich im Untergrund der Bergbauregion Hohlräume gebildet. Fünf Familien haben dadurch bisher ihr Zuhause verloren. Der Landkreis hat inzwischen dauerhaftes Nutzungsverbot für ihre Immobilien ausgesprochen.

Staatskanzlei hält sich bedeckt

Nach Angaben von betroffenen Familien scheiterte ihre Entschädigung durch Versicherungen allerdings daran, dass die Häuser nicht im Erdloch verschwanden. Nur wenn die Häuser nicht mehr an der Erdoberfläche vorhandenen gewesen wären, hätten die Versicherungen gezahlt, hieß es.

Ein Sprecher der Thüringer Staatskanzlei wollte die Darstellung Müllers weder bestätigen noch dementieren. Es liefen derzeit zu dem Thema noch Abstimmungsprozess in der Regierungszentrale, sagte er. «Wir arbeiten an einer Lösung.»

Die Kommune plant nach Angaben von Müller nach einer Entschädigung der betroffenen Familien durch das Land, deren Häuser und Grundstücke zu einem Preis von jeweils einem Euro zu erwerben. Anschließend sollen die Häuser abgerissen werden und auf dem Areal zum Beispiel eine Streuobstwiese entstehen. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte, aus seiner Sicht stehe einer Genehmigung dieser Idee durch die Kommunalaufsicht nichts im Wege.
 

Autor

Sebastian Haak
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Veröffentlicht am:
03. 07. 2018
07:35 Uhr

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Sebastian Haak

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03. 07. 2018
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