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Bad Salzungen

Eheleute tappen unabhängig voneinander in Abzock-Falle

Ein Problem, das infolge eines neuen Gesetzes eingedämmt war, tritt nach Angaben der Verbraucherberaterin "plötzlich wieder massiv" auf: "Ominöse Anrufe" zu angeblichen Lottoverträgen, die verunsicherte Menschen teuer zu stehen kommen.



Bad Salzungen - "Die unerlaubten Anrufe nehmen wieder extrem zu", sagt Ute Traut, Beraterin der Verbraucherzentrale Thüringen. In Bad Salzungen, wie in allen anderen Beratungsstellen landesweit, gebe es aktuell "verstärkt Nachfragen wegen ominöser Anrufe aus Callcentern" zu Lotto- und ähnlichen Verträgen.

Verbraucherberatung

Die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Thüringen in Bad Salzungen, Langenfelder Straße 8 (Mehrgenerationenhaus), ist jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 10 bis 12 und von 13 bis 15 Uhr geöffnet, 03695/629912.

Die nächste Beratung findet am
4. Juni statt.

Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden, werden Verbraucher gebeten, vorab einen Beratungstermin unter 0361/555140 oder 0361/3461111 zu vereinbaren.

Telefonische Beratungen sind über das Verbrauchertelefon 0900/1775770 (1 Euro pro Minute aus dem Festnetz, Mobilfunkkosten können abweichen) montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr möglich.

 

Dabei werde den Leuten beispielsweise erklärt, sie hätten vor Jahren ihren Lottovertrag nicht gekündigt und mittlerweile seien extrem hohe Gebührenaußenstände entstanden. In der Regel seien die Angerufenen "sehr verdutzt" und ließen sich in das Gespräch verwickeln. In dessen Verlauf werde Entgegenkommen signalisiert und hinterhältig angeboten, "sie bräuchten die gesamte Summe nicht nachzahlen, wenn sie jetzt noch mal drei Monate an dem Lottospiel teilnehmen würden", schildert Ute Traut. Tatsächlich gehe es aber darum, den Leuten längerfristige Verträge unterzujubeln. "Die gehen davon aus, dass die Verbraucher die Auftragsbestätigung nicht lesen."

 

In vielen Fällen hätten sich die Betroffenen erst Rat suchend an sie gewandt, nachdem bereits Geld für diese widerrechtlich zustande gekommenen Verträge von ihrem Konto abgebucht worden seien. Auf die Frage nach den Summen, um die es hier geht, antwortet Ute Traut: "Das variiert zwischen 49 und 98 Euro pro Monat." Manche Callcenter setzten die Angerufenen auch unter Druck. Wenn die beispielsweise sagten: "Das kann nicht stimmen; ich habe noch nie an einer Lotterie teilgenommen", werde gedroht: "Wir haben Ihre Daten, auch die Bankverbindung - und wenn Sie sich weigern, wird eine komplette Inkassoforderung fällig. Sie werden sich wundern", schildert die Verbraucherberaterin.

"Ein ganz kurioser Fall"

"Es gab eine Zeit, wo wirklich viele Verbraucher an solchen Gewinnspielen und Lotterien teilgenommen haben", sagt Ute Traut. 2009 trat dann das Gesetz in Kraft, wonach unerwünschte Werbeanrufe verboten sind. "Danach ebbte das komplett ab. Und jetzt schwappt das urplötzlich wieder verstärkt auf." Sie rät jedem: "Erst gar nicht ins Gespräch verwickeln lassen, sondern auflegen. Nicht zuhören, was am anderen Ende für Märchen erzählt werden." Und sollte doch etwas unklar oder schiefgelaufen sein: Rat bei der Verbraucherzentrale holen.

Das haben auch Eheleute - unabhängig voneinander - getan, weil sie sich jeweils vor dem anderen schämten, in eine Abzock-Falle getappt zu sein. "Das war ein ganz kurioser Fall", sagt Ute Traut und erzählt: "Erst erschien ein Mann, an die 50 Jahre alt, aufgelöst in meiner Beratung. Er habe einen großen Fehler gemacht. Dann habe ich ihn erst mal runtergeholt."

Schlaflose Nächte

Er war telefonisch wegen eines angeblich nicht gekündigten Lottovertrags erheblich unter Druck gesetzt worden - und hatte, als mit Inkasso gedroht wurde, ein paar Angaben zu viel gemacht. In der Folge war von seinem Konto bereits Geld abgebucht worden. "Er hatte das seiner Frau nicht erzählt, trug das große Paket seit Tagen mit sich rum, hatte schlaflose Nächte - und kam dann völlig mit den Nerven fertig zur Verbraucherberatung." Diese hat er letztlich erleichtert verlassen.

Nach umfangreicher Aufklärung und rechtlicher Beratung hatte Ute Traut gemeinsam mit ihm ein Schreiben mit Widerrufs- und Anfechtungserklärung fertig gemacht - "weil das sind alles unberechtigte Forderungen", betont sie. Außerdem gab sie dem Mann mit auf den Weg, die von seinem Konto unberechtigt abgebuchten Beträge sofort von der Bank zurückbuchen zu lassen. Das sei umgehend und problemlos geschehen.

"Er hat sich tausendmal bedankt, dass der Riesenstein von seinen Schultern gefallen ist", erzählt Ute Traut. "Nachdem er bei mir war, hat er sich seiner Frau offenbart. Sie konnte ihm nicht böse sein." Das wiederum hatte sie von der Gattin erfahren, als diese zwei Tage später selbst bei ihr in der Beratung erschien, weil sie ebenfalls auf einen dubiosen Anruf hereingefallen war. "Sie war wohl im Stress, habe gar nicht richtig zugehört." Und wenig später hatte sie ein kostenpflichtiges Abo für eine Zeitschrift, die sie nicht wollte - was sie aus Peinlichkeit zunächst verschwiegen hatte. Auch ihr konnte Ute Traut versichern, "dass noch nichts verloren ist, dass man noch immer den Widerruf erklären kann". Mit einem vorgefertigten Schreiben wurde das direkt erledigt.

Als nun auch die Ehefrau sichtlich erleichtert war, habe sie zu ihr gesagt: "Jetzt gehen Sie nach Hause, nehmen Ihren Mann in den Arm und die Welt ist wieder gut", erzählt sie lächelnd. "Die beiden haben mir wirklich leidgetan. Aber: Es gibt Mittel und Wege, um Verbrauchern aus solchen untergeschobenen Verträgen zu helfen."

Autor
Beate Funk

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Veröffentlicht am:
11. 06. 2019
10:01 Uhr

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