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Zusammenstoß zweier Züge auf ICE-Brücke und "Gaffer-Box"

Die Bahn simuliert den Zusammenstoß von zwei Zügen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke über den Froschgrundsee. Für die Einsatzkräfte ist das eine Herausforderung.



Auf der ICE-Brücke über dem Froschgrundsee wird am Samstag, 21. Oktober, ein Zusammenstoß von zwei Zügen simuliert. Die Übung ist als realistisches Szenario angelegt. Ein "Drehbuch" gibt es nicht. Der Einsatz wird so ablaufen, als ob es der Unfall tatsächlich stattgefunden hätte.	Foto: Dr. Otmar Fugmann
Auf der ICE-Brücke über dem Froschgrundsee wird am Samstag, 21. Oktober, ein Zusammenstoß von zwei Zügen simuliert. Die Übung ist als realistisches Szenario angelegt. Ein "Drehbuch" gibt es nicht. Der Einsatz wird so ablaufen, als ob es der Unfall tatsächlich stattgefunden hätte. Foto: Dr. Otmar Fugmann  

Weißenbrunn vorm Wald - "Ich möchte mir nicht vorstellen, dass da oben etwas passiert, wofür wir jetzt üben." Landrat Michael Busch stellt diesen Satz am Mittwoch an den Beginn einer Pressekonferenz, in der er gemeinsam mit Kreisbrandrat Manfred Lorenz, dessen Stellvertreter Stefan Püls und dem Sprecher des Landratsamts Coburg, Dieter Pillmann, über eine bisher nie dagewesene Übung für Einsatzkräfte aus allen Hilfsorganisationen in der Region informiert: über einen Zusammenstoß von zwei Zügen auf der 65 Meter hohen ICE-Brücke am Froschgrundsee bei Weißenbrunn vorm Wald.

"Gaffer-Box"

Bei der Einsatzübung am Froschgrundsee wird eine "Gaffer-Box" aufgestellt sein. Wer den Raum betritt ist entweder den Blicken von Gaffern ausgesetzt oder wird selbst zu einem. Eine Säule zeigt zusätzlich schockierende Fotos von Unfallopfern. Das spiegele die Realität wider, erklärt Kreisbrandrat Manfred Lorenz. Mit der preisgekrönten "Gaffer-Box" wolle die Feuerwehr aufzeigen, wie Schaulustige ihre Arbeit behindern, wie sie sich an Unfallstellen schweren seelischen Belastungen aussetzen und welche Strafen sie erwarten, wenn sie gaffen.

 

Das Schreckensszenario für Samstag, 21. Oktober, sieht so aus: Ein Hochgeschwindigkeitszug der Bahn fährt auf der Neubaustrecke von Ebensfeld Richtung Erfurt. Zur gleichen Zeit arbeitet ein Bautrupp auf der Eisenbahnbrücke über dem Froschgrundsee und wartet Lärmschutzwände. Den Arbeitern ist nicht bewusst, dass sie sich nicht auf dem für die Baumaßnahmen gesperrten Streckenbereich befinden, sondern auf dem Gleis, auf dem der ICE fährt. Obwohl der Zugführer die Gefahr erkennt und eine Notbremsung einleitet, kollidiert der ICE mit dem Schienenfahrzeug des Bautrupps.

Bei dem Zusammenprall werden der Zugführer, zehn Reisende und drei Bauarbeiter schwer oder tödlich verletzt. Einer der Männer ist nicht auffindbar. Im ICE-Triebkopf bricht ein Brand aus. 80 Passagiere sind geschockt oder haben panische Angst. Zehn Reisende leisten Erste Hilfe und setzen Notrufe an die Rettungsleitstelle ab. Sie haben aber keine Ahnung, wo genau sie sich befinden. Um 9.32 Uhr wird Alarm ausgelöst.

Hier beginnt der wirklichkeitsnahe Teil der Übung. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Wasserwacht, Rotem Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und Polizei müssen anhand des Schreckensszenarios auf der Froschgrundsee-Brücke entscheiden, was zu tun ist. Kreisbrandrat Lorenz: "Ein Drehbuch gibt es nicht." Kreisbrandinspektor Stefan Püls ergänzt: "Die Einheitsführer müssen ihre insgesamt rund 500 Einsatzkräfte anhand der vorliegenden Lage führen." Unterstützt werden sie von der Örtlichen Einsatzleitung (ÖEL) und der Führungsgruppe Katastrophenschutz, die im Landratsamt Coburg untergebracht ist. Püls: "Wir arbeiten so, als ob es den Unfall wirklich geben würde."

Und da können viele Unwägbarkeiten auf die Einsatzkräfte zukommen: Wie gehen sie auf einer 798 Meter langen Bahnbrücke über einer Wasserfläche in 65 Metern Höhe vor? Es gibt keine Zufahrt auf das Bauwerk, sondern nur einen Zugang, den Kreisbrandrat Lorenz mit "Bürgersteig" beschreibt. Anders als bei den ICE-Tunnels sind weder Rettungsplätze angelegt, noch sind Löschwasserleitungen oder Steckdosen für den Anschluss elektrischer Geräte installiert.

Der Landrat und die Feuerwehrführungskräfte hoffen, dass viele Zuschauer die Übung am Samstag, 21. Oktober, ab 9.30 Uhr verfolgen. Man wolle nicht nur praktische Erfahrungen sammeln und diese später auswerten, sondern auch die Leistungsfähigkeit aller ehrenamtlichen Einsatzkräfte darstellen. Dafür wird der Fernsehsender NecTV die Übung in ein Zelt übertragen, das an der Gaststätte am Froschgrundsee aufgebaut wird. Dort kann man allerdings nicht parken. Deshalb wird zwischen dem Sportplatz in Mittelberg und dem Froschgrundsee ein Buspendelverkehr eingerichtet werden, der Zuschauer nahe an die Einsatzstelle heranbringt.

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
12. 10. 2017
09:11 Uhr

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12. 10. 2017
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