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Tote Ratten vor der Tür: Paar fühlt sich von Nachbarn terrorisiert

Rattenköpfe vor der dem Haus, blockierte Parkstreifen, unflätige Bemerkungen und Anzeigen bei der Führerscheinstelle: In Weidmes im Landkreis Kulmbach tobt ein besonders hässlicher Nachbarschaftsstreit.



Ein Ehepaar aus Weidmes wird seit Jahren von Nachbarn drangsaliert. Doch die Staatsanwaltschaft stellt Anzeigen immer wieder ein.
Ein Ehepaar aus Weidmes wird seit Jahren von Nachbarn drangsaliert. Doch die Staatsanwaltschaft stellt Anzeigen immer wieder ein.   Foto: Sergej Razvodovskij/Adobe Stock

Grafengehaig/Weidmes - Das Marthyrium, erzählt ein Ehepaar aus Weidmes, dauert nun schon Jahre. Zahlreiche Anzeigen sind seither erstattet worden. Sie endeten alle mit einer Einstellung durch die Staatsanwaltschaft, die kein öffentliches Interesse sieht. Doch was das Ehepaar aus Weidmes aus den vergangenen sechs Jahren berichtet, hört sich an wie aus einem geschmacklosen Psycho-Thriller. "Ich kann bald nicht mehr", sagt der 72-jährige Ehemann und kämpft mit den Tränen.

Mit Attacken gleich aus zwei Nachbarshäusern haben sie es zu tun, berichten die beiden Berliner, die das Häuschen im Dorf geerbt hatten. Jahrelang hat das Ehepaar das Haus liebevoll renoviert, 2006 war der Einzug. Am Anfang sei auch noch alles gut gewesen, erzählt das Paar. Doch 2013 habe sich alles geändert.

Der 72-jährige Mann, der unter der Atemwegserkrankung COPD leidet und ständig auf Sauerstoff angewiesen ist, weiß gar nicht, was für ihn der traurige Höhepunkt des nun seit Jahren laufenden Mobbings gegen ihn und seine Frau sein könnte. Ist es der Tag, an dem der COPD-Patient, der ohne Sauerstoffzufuhr nicht dauerhaft durchhalten kann, vor die Tür tritt und die Nachbarin bei seinem Anblick laut anfängt, Helene Fischers Hit "Atemlos" zu singen?

Sicher nicht. Auch wenn dieses Verhalten gewiss als geschmacklos eingestuft werden könnte, gab es Schlimmeres in dieser nun seit Jahren laufenden Geschichte. Eine Barrikade habe der Nachbar aufgebaut, damit sie ihr Auto nicht mehr vor dem Haus abstellen können. Zeitweise habe er sogar drei Anhänger am Straßenrand postiert. Bei Spaziergängen habe er sich immer wieder gern auf einer Bank ausgeruht, die die Gemeinde am Ortsrand aufgestellt habe. Plötzlich sei die Bank weggewesen. Sie sei auf dem Grundstück des Nachbarn gestanden, berichtet der Weidmeser. Die Bank steht inzwischen wieder an ihrem angestammten Ort. Inzwischen traue er sich schon gar nicht mehr aus dem Haus, erzählt der 72-Jährige. Er werde von den Nachbarn fotografiert, seine Frau werde beschimpft und beleidigt, wenn sie mit dem Hund Gassi geht, Stinkefinger werden aufgepflanzt. Es gebe lautstarke Aufforderungen, sie sollten doch wieder dahin zurückgehen, wo sie herkommen, es fielen Schimpfwörter.

Doch das sei längst nicht alles. Glasscherben seien vor die Haustür gelegt worden, vermutlich um dem Hund der Familie zu schaden. "Einmal lagen sogar fein sezierte Rattenköpfe vor unserer Tür", schreibt der 72-Jährige in einer der Anzeigen an die Staatsanwaltschaft, die im Sande verliefen.

"Wir wollen doch einfach nur unsere Ruhe haben", hat der Weidmeser in einer seiner Anzeigen an die Polizei geschrieben. Seine Frau ergänzt: "Ich kann den Psychoterror bald nicht mehr ertragen." Doch von Ruhe kann keine Rede sein. Vor einiger Zeit musste sich der Mann nach einer Aufforderung durch die Führerscheinstelle des Kulmbacher Landratsamts begutachten lassen. Rund 1000 Euro hat das gekostet. Das ist viel Geld für einen Mann, der nur eine kleine Rente hat. Geld, das er nur ausgeben musste, weil die Nachbarin eine Anzeige bei der Führerscheinstelle erstattet hatte. Eine Kopie dieser Anzeige liegt unserer Zeitung vor. Unter anderem steht darin, der 72-Jährige nehme krankheitsbedingt starke Medikamente. Mehrmals sei er schon zusammengebrochen. Er sei verwirrt und desorientiert und fahre dennoch Auto. "Ich möchte sie hiermit bitten zu überprüfen, ob Herr .... in soweit noch fahrtüchtig ist, dass er weder eine Gefahr für sich noch für andere darstellt", schreibt die Frau und bietet zum Schluss an, "gerne" für weitere Fragen zur Verfügung zu stehen, bittet aber zugleich, ihre "Anfrage" vertraulich zu behandeln.

Der Weidmeser ist wütend. "Wie kann diese Frau denn so etwas einfach behaupten? Was sie da schreibt, stimmt doch gar nicht!" Er habe sich deshalb ärztlich begutachten lassen müssen, berichtet der Mann. Die Rechnung dafür legt er vor. 640,22 Euro hat dieses Gutachten gekostet, das ihm bestätigt, was er selbst bereits wusste: Er ist in der Lage, Auto zu fahren. Acht Seiten umfasst das Gutachten, zahlreiche Untersuchungen wurden durchgeführt. Alle fielen zugunsten des Untersuchten aus. Doch auf den Kosten für die Untersuchungen und den Anwalt, den er beauftragt hatte, bleibt der 72-Jährige trotzdem sitzen.

Er ist nicht der einzige, den sich die Frau als Ziel ausgesucht hatte, auch wenn ihm das in seiner konkreten Situation nicht weiterhilft. Die Anzeigenerstatterin aus der Nachbarschaft hat bereits einen gerichtlichen Warnschuss vom Kulmbacher Amtsgericht erhalten. Auf Facebook hatte sie nach dem Brand im Weidmeser Feuerwehrhaus geschrieben: "Ist das nicht super? Unsere Feuerwehr lässt ihr Haus abbrennen." Das haben sich die Feuerwehrleute nicht gefallen lassen und Anzeige erstattet. In diesem Fall war das öffentliche Interesse bejaht worden. Im Prozess vor dem Kulmbacher Amtsgericht war die Frau zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen verurteilt worden. Richterin Sieglinde Tettmann hatte damals der Frau einen Rat mit auf den Weg gegeben: "Da sollte man vielleicht in Zukunft besser aufpassen und nicht posten, was einem gerade in den Kopf kommt."

Der Weidmeser hat versucht, das Geld, das er für das durch die Anzeige verursachte Gutachten bezahlen musste, von der Anzeigenerstatterin wiederzubekommen. Dafür hat er sich einen Anwalt genommen. Christoph Müller schrieb der Frau, dass sie "nachweislich falsche und verleumderische Angaben" gemacht habe und bezichtigte sie, dies rein aus Schikane getan zu haben. Anwalt Müller rät der Frau in seinem Schreiben, sich den Ratschlag von Amtsrichterin Tettmann zu Herzen zu nehmen.

Doch das, was das Ehepaar als Terror und Mobbing empfindet geht weiter. Sie fühlten sich beobachtet, bedrängt und würden immer wieder beleidigt. "Sobald wir rausgehen, werden wir belauert, beleidgt, fotografiert. "Ich fühle mich in meinem Lebensraum massiv eingeengt, und wie es scheint, kann uns keiner helfen", klagt der Mann.

Auch Bürgermeister Werner Burger weiß von dem Fall. Das betroffene Ehepaar hat sich, um Hilfe suchend, bereits mehrfach an ihn gewendet. Doch so sehr Werner Burger auch helfen und schlichten wollte, ihm sind die Hände gebunden. Das bedauert er. Aber als Bürgermeister habe er leider keine Handhabe.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
08:30 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
08:30 Uhr



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