Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Was Privatvermieter zur Anlage V wissen sollten

Viele Eigentümer verdienen mit der eigenen Immobilie Geld, indem sie vermieten. Das Finanzamt kassiert fast immer mit. Vermieter können viele Ausgaben für die Immobilie aber von der Steuer absetzen. Außerdem gibt es steuerliche Freigrenzen.



Steuererklärung
Private Vermieter müssen ihre Einnahmen und Ausgaben aus Vermietung und Verpachtung in das Formular Anlage V der Steuererklärung eintragen.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Wer Einkünfte erzielt, zahlt Steuern. Oder muss zumindest eine Steuererklärung abgeben. Das gilt auch für private Vermieter, unabhängig davon, ob sie Wohnungen vermieten oder dort regelmäßig Gäste unterbringen.

Einnahmen und Ausgaben aus Vermietung und Verpachtung werden in das Formular Anlage V der Steuererklärung eingetragen. Für jede Immobilie ist ein eigenes Formular auszufüllen. Vermietern wird es in der Steuererklärung vor allem darum gehen, rund um die Immobilie entstandene Ausgaben abzusetzen, um Steuern zu sparen.

Miete nicht zu niedrig ansetzen

Das funktioniert, wenn Eigentümer auf Dauer mit ihrer vermieteten Wohnung Geld verdienen wollen. Es muss eine sogenannte «Überschusserzielungsabsicht» bestehen, wie Carola Fischer von der Bundessteuerberaterkammer erläutert. Kassieren Vermieter nur gelegentlich Miete oder setzen sie diese sehr niedrig an, erkennt der Fiskus Aufwendungen, etwa für Kreditzinsen aus dem Immobilienkauf und Reparaturen, nicht als Werbungskosten an.

Das sollten Vermieter bedenken, die Freunden und Verwandten ein vergünstigtes Dach über den Kopf bieten: Wohnen Angehörige kostenlos, kann der Vermieter keine Ausgaben in Abzug bringen. Bei reduzierter Miete kommt es auf Prozente an.

Werbungskosten können vollständig geltend gemacht werden, wenn Bekannte mindestens zwei Drittel der ortsüblichen Vergleichsmiete zahlen. Bei niedrigeren Sätzen wird anteilig gekürzt. Bei «50 Prozent der ortsüblichen Miete kann auch nur die Hälfte der Werbungskosten vom Vermieter abgesetzt werden», rechnet Fischer vor.

Einbußen durch Leerstand gehen auf eigene Kappe

Leerstand ist tückisch. Um daraus entstehende Verluste vom Fiskus anerkannt zu bekommen, ist Vermietungsabsicht nachzuweisen. «Etwa durch Inserate», sagt Anja Hardenberg von der Stiftung Warentest. Fahrten zur Immobilie, zu Besichtigungsterminen oder zur Wohnungsübergabe, seien als Fahrkosten absetzbar - entweder in tatsächlicher Höhe oder als Kilometergeld.

Gabriele Waldau-Cheema, Beratungsstellenleiterin beim Aktuell Lohnsteuerhilfeverein in Arnsberg, macht darauf aufmerksam, dass Vermieter finanzielle Einbußen durch Leerstand auf die eigene Kappe nehmen müssen, wenn ihnen Zeit und Lust für eine Neuvermietung fehlen. Das gleiche gilt, wenn das Geld für eine Renovierung fehlt und die Wohnung deshalb leer bleibt. Mietausfall sei nicht absetzbar, wenn die Vermietungsabsicht fehle.

Das Finanzamt fordert meistens keine Belege an. Dennoch hilft das Sammeln, den Überblick zu bewahren. Denn in die Anlage V sind Beträge und Daten einzutragen. Vorsicht ist bei Einbauküchen angebracht. Sie sind nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) nicht mehr auf einen Schlag abzuschreiben, sondern verteilt auf zehn Jahre (Az.: IX R 14/15).

Untervermietungen unter Anlage V, Zeile 31 angeben

Dicke Posten wie Maklerprovision können genauso geltend gemacht werden wie Kontogebühren. Wichtig ist, solche Werbungskosten «grundsätzlich in dem Jahr steuerlich geltend zu machen, in dem die Rechnung bezahlt wurde», erinnert Fischer. Größere Aufwendungen dürften gleichmäßig auf zwei bis fünf Jahre verteilt werden.

Achtung: Verbessern Erhaltungsmaßnahmen den Standard der Immobilie deutlich, kann die Finanzverwaltung die Ausgaben als Herstellungskosten betrachten. Diese werden dann auf die Nutzungsdauer des Gebäudes - normalerweise 40 bis 50 Jahre - verteilt und nicht sofort komplett abgezogen.

Bei dauerhafter oder gelegentlicher Untervermietung, beispielsweise über Onlineportale, ist das Finanzamt ebenfalls mit von der Partie. «Die Einkünfte sind zu versteuerndes Brutto-Einkommen und in der Anlage V Zeile 31 einzutragen», erläutert Waldau-Cheema.

Vermittlungsprovision für Portale, Anzeigen und sogar Geräte, die für die Untervermietung gekauft wurden, werden als Werbungskosten gegengerechnet. Einnahmen bis 520 Euro im Jahr bleiben steuerfrei. Dafür können Vermieter allerdings dann keine Kosten absetzen.

Literatur:

Gabriele Waldau-Cheema: «Steuererklärung für private Vermieter», hrsg. von der Verbraucherzentrale NRW, 224 Seiten, 16,90 Euro, zu beziehen über www.ratgeber-verbraucherzentrale.de, den Buchhandel und die Beratungsstellen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2019
04:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesfinanzhof Finanzämter Immobilien Immobilienkauf Leerstände Lohnsteuerhilfevereine Steuerbehörden Steuererklärungen Steuern und staatliche Abgaben Stiftung Warentest Untervermietung Vermieter Werbungskosten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Dirk Eilinghoff

08.07.2019

Wie riskant ist eine 100-Prozent-Immobilienfinanzierung?

Eine Immobilie ohne Eigenkapital finanzieren - geht das überhaupt? Und ist es wirklich empfehlenswert? Für wen kommt das in Frage? » mehr

Der Weg zum Notar

15.10.2018

Notare überwachen den Immobilienkauf

Von Rechts wegen managen und überwachen Notare den Erwerb von Immobilien. Die Juristen setzen den Kaufvertrag auf und haben ein Auge auf dessen Abwicklung. Ohne das Siegel der Aufpasser ist der Kauf von Haus, Wohnung und... » mehr

Abenteuer Hausbau

12.08.2019

Bauherren bekommen Rechtsschutz oft nur im Mini-Format

Bauen ist ein teures Abenteuer. Wer es eingeht, kalkuliert Ärger ein. Rechtsschutzversicherungen decken Streitigkeiten selten ab. Aber es gibt Ausnahmen. » mehr

Frau mit Haus und Sparschwein

23.04.2018

Worauf es bei der Baufinanzierung im Alter ankommt

Immobilien sind nicht nur etwas für junge Käufer. Auch mit 50 oder 60 Jahren kann man sich den Traum von den eigenen vier Wänden noch erfüllen. Die Finanzierung muss aber passen. » mehr

Schlüsselübergabe

05.08.2019

Vier verschiedene Arten von Mietverträgen

Mit den Preisen im Supermarkt steigt auch die Wohnungsmiete? Das gilt, wenn eine Indexmiete vereinbart wird. Welche Typen es bei Mietverträgen gibt - und wem sie entgegenkommen. » mehr

Gut planen

22.07.2019

Typische Fehler privater Bauherren

Von der Finanzierung bis zur Planung: Bei einem Hausbau müssen Privatpersonen viele Details entscheiden. Dabei kann auch einiges schief gehen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
10. 06. 2019
04:34 Uhr



^