Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Hauseigentümer können Heizungsanlage mieten statt kaufen

Ist die alte Heizung kaputt, muss die nächste nicht unbedingt gleich gekauft werden. Für rund 100 Euro monatlich kann man auch eine Anlage mieten, werben Energieversorger und Heizungsbauer. Verbraucherschützer aber sehen vor allem Mieter im Nachteil.



Heizung mieten
Eine Heizung muss man nicht besitzen, sie lässt sich auch mieten. Die Branche spricht in dem Fall vom Contracting. Foto: Andrea Warnecke   Foto: dpa

Eine Gasbrennwertheizung kostet locker zwischen 6000 und 8000 Euro. Wird sie beispielsweise mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe kombiniert, sind mehr als 10.000 Euro fällig. Eine solche Summe hat nicht jeder in Reserve.

Statt Barzahlung kann der Eigenheimbesitzer einen Kredit aufnehmen. Oder er kann eine Heizung leasen - ähnlich wie es beim Auto gemacht wird.

Die Energiebranche spricht hierbei von Contracting . Anbieter solcher Mietheizungen sind größtenteils Energieversorger, die mit Heizungsbauern und Handwerksbetrieben zusammenarbeiten. Der Kunde schließt einen Vertrag und überweist monatlich einen Grundpreis für die Anlage. Geworben wird mit Preisen zwischen 70 und 100 Euro, obendrauf kommen die Verbrauchskosten.

Der Anbieter kümmert sich im Gegenzug um den Einbau und die Wartung der Anlage. Er übernimmt sogar die Gebühren für den Schornsteinfeger. Und bei einer Störung steht ein 24-Stundendienst parat. Anbieter verkaufen diese Dienstleitungen als Rundum-Sorglos-Paket.

Doch auf dem Markt tun sie sich mit solchen Versprechen schwer. Zwar gibt es laut Isabell Bilger vom Verband für Energie- und Wasserwirtschaft zur Marktentwicklung bei Privatkunden keine belastbaren Zahlen», aus den Mitgliedsunternehmen kommen aber Rückmeldungen, die «einen eher stagnierenden Markt» aufzeigen.

Die Versorger führen die Zurückhaltung der Kunden auf die niedrigen Zinsen und Energiekosten zurück, erklärt Bilger. Zudem sei es schwierig, kooperationswillige Handwerker zu finden, da deren Auftragsbücher voll seien. Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima ist ähnlich kritisch: «Privatkunden interessieren sich nicht sonderlich dafür. Sie wollen Herr ihrer Heizung und ihres Hauses sein.» Er vermutet, Verbraucher fürchteten, im Winter an der kalten Heizung zu sitzen, weil der Anbieter seine Versprechen nicht einhalten oder insolvent gehen könne.

Das Contracting ist jedoch kein neues Modell. Das Hauptgeschäft machen die Versorger mit Wohnungsbaugesellschaften und sonstigen Unternehmen. Sie erhalten statt einer Heizung meistens ein eigenes Blockheizkraftwerk (BHKW), das zusätzlich Strom erzeugt. Aber seit es möglich ist, BHKWs in der Größe einer Waschmaschine herzustellen, kommen Einfamilien- und kleinere Mehrfamilienhäuser dafür infrage. Im Privatbereich sind aber Gasbrennwertheizungen die am häufigsten installierten Anlagen.

Die Verträge werden mit dem Eigentümer einer Immobilie in der Regel über eine Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen. Je nach den Bedingungen kann der Kunde nach Vertragsende die Heizung kostenlos oder zum Restwert übernehmen. Bei größeren Anlagen wird öfter eine Fortführung des Vertrags vereinbart.

«Generell ist Contracting nicht automatisch günstiger als Eigeninvestition», sagt Bilger. «Es nimmt dem Bauherren aber über die Vertragslaufzeit das Betriebsrisiko und dämpft Kostenanstiege über die Laufzeit.» Je größer das Projekt, desto eher lohnt sich ihrer Ansicht nach diese Vertragsform. Auch Hausbesitzer mit niedrigen Einkommen ließen sich auf die Angebote ein, berichtet Bilger. Denn ihnen fehlen oft die Eigenmittel für eine neue Heizung.

Carla Groß von der Verbraucherzentrale Sachsen sieht die Angebote mit Skepsis. Den Profit mache eindeutig und in erster Linie der Anbieter. Das Problem sei die Vertragslaufzeit. «Es gelten üblicherweise die Allgemeinen Vertragsbestimmungen für Fernwärme», erläutert Groß. Diese sehen maximal zehn Jahre Laufzeit und jeweils fünf Jahre für eine Verlängerung vor. «Der Contractor kann damit seine Investition und seinen Gewinn absichern.»

Wer die Immobilie selbst bewohnt, sollte auf die Vertragsbedingungen schauen, die am Ende der Laufzeit gelten. «Die Anlage hat ist dann sicher zum Teil schon abbezahlt, aber sie gehört dem Vertragsnehmer trotzdem nicht.» Vorteile sieht Groß für Vermieter: Sie müssen sich nicht um die Heizung kümmern und können die Mehrkosten über die Heizkostenabrechnung direkt an die Mieter durchleiten.

Veröffentlicht am:
23. 07. 2018
10:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Energie-Agentur Energiewirtschaftsunternehmen Hauseigentümer Heizungsanlagen Mieter Privatkunden Verbraucherschützer Versorgungsunternehmen Vertragsbestimmungen Vertragsform Vertragslaufzeiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Haus mit Solarmodulen auf dem Dach

14.09.2020

2021 enden Förderungen für Solaranlagen

Obwohl 20 Jahre alte Solaranlagen möglicherweise noch sehr gut funktionieren, ist ihre Zukunft ungewiss. Ab 2021 entfällt die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung. Was Betreiber wissen müssen. » mehr

Matthias Bauer

07.09.2020

Wenn der Handwerker dreimal klingelt

Nicht nur der Postbote klingelt unangemeldet. Manchmal stehen auch Handwerker vor der Tür. Doch Vorsicht: Deren Angebote können Verbraucher am Ende teuer zu stehen kommen. » mehr

Gasflamme

21.06.2019

Wie viel muss ein Durchschnittshaushalt für Gas ausgeben?

Die Hälfte der Haushalte in Deutschland heizt mit Gas und konnte in den vergangenen Jahren von sinkenden Preisen profitieren. Dieser Trend wurde vor einigen Monaten durchbrochen - aber vielleicht nur für kurze Zeit. » mehr

Feuerwehrschlauch

31.08.2020

Überfluteter Keller ist oft nicht versichert

Jedes Jahr fluten Starkregen und Überschwemmungen etliche Keller. Das Inventar ist danach meistens hin. Manchmal sogar das ganze Haus. Eigenheimbesitzer sind selten gegen diese Gefahr versichert. » mehr

Matthias Bauer

26.06.2020

Hilfe gegen unseriöse Handwerker

Unseriöse oder unfähige Handwerker kosten viel Geld - und noch mehr Nerven. Doch Kunden können sich gegen Abzocke wehren. » mehr

Anne Köhler

24.12.2018

Beim Heizen mit Fernwärme bleibt Kunden oft keine Wahl

Wer mit Fernwärme sein Haus heizt, hat es bequem: Er muss nicht regelmäßig den Versorger wechseln oder sich mit dem Gedanken an einen Techniktausch herumschlagen. Aber er ist auch stärker gebunden und kann wenig selbst g... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 07. 2018
10:48 Uhr



^