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So gelingt der moderne Landhausstil

Die Landlust erlebt neue Höhen. Nicht nur das Gärtnern fangen viele Menschen wieder an, sie richten sich auch im Landhausstil ein - aber in einer modernen Variante. Das Rezept ist einfach: Eine Prise Industrie-Schick hinzugeben, dafür etwas Neuschwanstein wegnehmen.



Material-Mix
Stilbrüche vervollständigen das Moderne am Landhausstil: Die Wohnexperten setzen aktuell auf einen Materialmix.   Foto: Schlaraffia/VDM/dpa-tmn » zu den Bildern

Der Landhausstil ist Vergangenheit. Zu altbacken, zu bieder. Aber der moderne Landhausstil erfreut sich dafür wachsender Beliebtheit. Was macht ihn aus?

Man muss dafür vor allem nicht auf dem Land leben. «Die Welt wird immer digitaler und damit kühler und unnahbarer. Das versuchen wir auszugleichen, indem wir uns einen authentischen Einrichtungsstil nach Hause holen, selbst wenn wir diesen inszenieren», erklärt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef bei Bonn. Der Landhausstil mit seinen alten Möbeln, natürlichen Materialien und warmen Farben sei dafür wie geschaffen.

Insbesondere Städter verfielen ihm mehr und mehr, beobachtet die Trendforscherin Gabriela Kaiser aus Landsberg am Lech (Bayern). «Um uns herum wird es immer voller. Der Landhausstil befriedigt unsere Sehnsucht nach Idylle und Wärme, wie wir sie aus dem Urlaub kennen und mit Landleben verbinden.» Mit den richtigen Möbeln und Accessoires wird also auch die Stadtwohnung des 21. Jahrhunderts so gemütlich wie das Landhaus aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts.

Jedoch unterscheide sich der moderne Landhausstil deutlich vom ursprünglichen. «Er ist nicht mehr so erdrückend wie damals, sondern versprüht viel mehr Leichtigkeit», erklärt Geismann. Die massiven Schränke, Kommoden und Tische von einst interpretieren die Möbelhersteller neu. Ihr Merkmal: schlichte Klarheit.

«Die Möbel sind zwar noch immer stabil, langlebig und haptisch wie optisch hochwertig», erläutert die Wohnberaterin Katharina Semling aus Oldenburg. «Die vielen filigranen Verzierungen und geschnitzten Optiken treten aber in den Hintergrund.»

Wer sich den modernen Landhausstil nach Hause holen möchte, tauscht also das Schnörkelige gegen Geradlinigkeit. «Bei einer Kommode beispielsweise würde man heute auf jeden Fall die Farbe runterholen und anschließend nur ölen, damit das Holz sichtbar bleibt», erklärt Kaiser. Auf deckende Anstriche und überbordende Blumendekore wird verzichtet. «Man bringt einfach ein bisschen Industrial Style hinein und nimmt etwas Neuschwanstein heraus», fasst Semling zusammen.

Das bedeute jedoch nicht, dass auf Dekoration und Accessoires verzichtet werden muss. Aber auch diese sollten unaufdringlicher sein. «Dekoration bringt Wohnlichkeit, genau die wollen wir ja», erklärt Kaiser. «Aber früher waren die Kissen auf der Holzbank gerüscht. Das ist passé.» Und heute wählt man besser ein modernes, grafisches Muster anstatt des traditionellen Bauernkaros.

Denn für die zeitgemäße Form des Landhausstils gilt: Weniger ist mehr. «Es geht um Qualität statt um Quantität. Dadurch ergibt sich automatisch, dass der Raum nicht zu überfüllt daherkommt», sagt Geismann. Jeder Teppich, jede Decke, jedes Kissen sei deutlich farbreduzierter und wirke daher weniger dominant.

Das gilt auch für das Gesamtkonzept für den Wohnraum: «Statt knalliger Farben sehen wir zurückhaltende, kalkige Töne», ergänzt die Trendanalystin des Möbelverbandes. Weiß spielt eine große Rolle, aber auch Sandfarben und Pastelltöne, die mit Hellbraun oder Beige kombiniert werden.

Wer lieber etwas mehr Farbe im Raum hat, sollte eine Akzentfarbe einsetzen. «Das kann ein modernes Salbeigrün sein oder ein kräftigeres Limonengrün», sagt Kaiser. Auch Farben aus der Türkis- und Blaufamilie sind denkbar. Aber: «Auch hier ist weniger mehr.»

Stilbrüche vervollständigen das Moderne am Landhausstil: Statt Holzmöbel an der holzvertäfelten Wand mit Obstschalen aus Holz zu dekorieren, wie es beim ursprünglichen Landhausstil nicht untypisch war, setzen die Wohnexperten aktuell auf einen Materialmix.

«Es ist wichtig, dem Holz moderne Materialien gegenüberzustellen, etwa Metall, Eisen oder Glas», nennt Kaiser die Faustregel fürs Dekorieren. Aber dann darf es doch Traditionelles sein, etwa Gießkannen, Keramiken oder abgewetzte Tassen, abgeschlagener Putz, der die darunterliegende Steinwand präsentiert, oder sichtbar verlegte Kupferrohre.

Veröffentlicht am:
04. 06. 2018
05:03 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 06. 2018
05:03 Uhr



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