Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

 

Kann man sein Haus vor Tornados schützen?

Kürzlich in Viersen, dann in Gießen: Tornados gibt es auch in Deutschland. Manche richten keine Schäden an, andere decken Häuser ab, entwurzeln Bäume oder heben Autos in die Luft. Tornados machen Angst - und werfen die Frage nach Schutzmaßnahmen auf.



Dachschäden am Haus
Vor allem das Dach können Tornados beschädigen. Hier deckte ein Wirbelsturm in Viersen (NRW) große Teile davon ab.   Foto: Marius Becker

Die Bilder kennt jeder: Wenn ein starker Tornado über Ortschaften in den USA hinwegfegt, bleiben manchmal nur die Keller der Wohnhäuser zurück. So schlimm ist es in Deutschland nicht, aber dennoch gibt es sie auch hierzulande.

Wie sollte und kann ich mein Haus davor am besten schützen? Experten geben Antworten:

Lassen sich Tornados vorhersagen?

«Das geht meteorologisch nicht über längere Zeiträume, da Tornados sehr kleinräumig und kurzlebig sind», erklärt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) . «Wir können Tornados nicht mit Wetterradarsystemen oder Satelliten erkennen.» Allerdings könne ein Risikopotenzial für bis zu 36 Stunden im Voraus erkannt werden. Das heißt aber nur: Es gibt für eine Region eine erhöhte Neigung, dass Tornados auftreten können, und dann sind das Gebiete in der Größe ganzer Bundesländer oder Teile von Flächenstaaten.

Zielgenauere Vorhersagen für Kreise oder einzelne Orte seien nur möglich, wenn ein Beobachter den Meteorologen zeitnah mitteilt, dass schon ein Tornado oder eine Vorstufe, die Trichterwolken, gesehen wurden, erläutert der Meteorologe Friedrich. Das bedeutet dann, schon innerhalb weniger Minuten könnte ein weiterer Tornado auftreten.

Welche Schäden am Haus drohen bei einem Tornado am ehesten?

Scheiben gehen zu Bruch und Dächer werden abgedeckt. Wenn es erst mal einen Schaden am Dach gibt, dann hat dieser Sturm natürlich ganz andere Angriffsflächen. «Das heißt, der greift plötzlich unters Dach und hebt es wie ein Segel ab», sagt Prof. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. «Man muss auch damit rechnen, dass bis zu einer Höhe von zwölf Metern Fahrzeuge umherfliegen. Wenn ein Pkw gegen Mauerwerk fliegt, dann hält es dem nicht Stand.»

Kann ich mein Haus vor einem Tornado schützen?

Die niedrigste Tornado-Windskala beginnt bei 117 km/h, in Deutschland wurden bereits Tornados mit über 300 km/h registriert. «Vor solchen Angriffen, solchen Windlasten können wir unsere Gebäude kaum schützen», erklärt Prof. Gebbeken, der Baustatik an der Universität der Bundeswehr München lehrt. «Das heißt, man müsste so viel investieren, dass man sich fragen muss, ob wir das noch verlangen können.» Er empfiehlt Hausbesitzern und Bauherren eine «Güterabwägung».

Immerhin: Schäden durch Wind sind meist versichert. Die Wohngebäudeversicherung trägt Reparaturen am Gebäude sowie wenn nötig den Abriss und Neubau eines gleichwertigen Hauses. Eine Hausratversicherung bezieht sich auf das betroffene bewegliche Eigentum in den Wohnräumen, Keller und Garage.

Der Meteorologe Friedrich rät, regelmäßig zu kontrollieren, dass lose Teile am Gebäude und lockere Dachziegel befestigt sind. Bewegliche Teile sollte man vorsorglich bei Sturmankündigungen in den Keller bringen. Aber auch er gibt den Gebäuden bei einem starken Tornado wenig Chancen: «Ab einer gewissen Stärke ist man nicht mehr in der Lage, sein Haus zu beschützen.» Er ergänzt: «Wenn es eine konkrete Tornadowarnung gibt, sollte man sich nicht mehr um sein Haus kümmern, sondern um sein Leben.»

Kann ich einen Neubau sicherer gestalten, etwa mit einem Flachdach?

Laut Prof. Gebbeken könne man sagen, je flacher ein Dach ist, umso mehr ist man vergleichsweise geschützt. Allerdings sind Flachdächer nicht überall möglich - aufgrund von Gestaltungsvorschriften der Behörden. Der Experte betont aber mit Blick auf die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines lokal begrenzten Tornados zu werden: «Dass man die Bauordnung ändern sollte, das erscheint in der Abwägung eine zu strenge Regulierung.»

Sind bestimmte Regionen Deutschlands stärker von Tornados betroffen?

Deutschland ist insgesamt eine zu kleine Region, um darin einzelne Gefährdungszonen für Wirbelstürme festlegen zu können, wie es diese zum Beispiel bei Wind, bei Schneefall und bei Erdbeben gibt, erklärt Prof. Gebbeken. Für klassische Stürme lässt sich aber sagen, im Norden und in Höhenlagen sind sie tendenziell stärker.

Veröffentlicht am:
28. 05. 2018
12:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeswehr Deutscher Wetterdienst Hausratversicherungen Häuser Metereologinnen und Meteorologen Professoren Schäden und Verluste Tornados Universität der Bundeswehr München
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Rollladen als Sonnenschutz

20.07.2020

Sonnenschutz am besten außen an den Fenstern anbringen

Die Sonne knallt aufs Fenster, die Räume heizen sich auf. Abhilfe schaffen Verschattungssysteme. Jalousie, Markise, Vorhang - welcher Sonnenschutz ist der Richtige? » mehr

Spachteln

15.07.2019

Was nach einem Umzug noch zu erledigen ist

Mit dem Transport der Möbel und des Hausrats in die neue Wohnung ist ein Umzug noch lange nicht abgeschlossen. Einige Arbeiten können jetzt erst in Angriff genommen werden. » mehr

Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention

26.06.2020

Einbrecher nutzen jede Gelegenheit

Wird häufiger in leerstehende Wohnungen eingebrochen, wenn die Bewohner im Urlaub sind? Die Statistik gibt dazu keinen Hinweis. Trotzdem sollte man das Thema Schutz ernst nehmen. » mehr

Frank Hettler

27.04.2020

Die Tücken des Heizens mit der Wärmepumpe

Manche Wärmepumpe strapaziert die Nerven der Nachbarn in einer dicht bebauten Siedlung. Das lässt sich aber vermeiden, wenn man ein paar Tipps bei der Planung berücksichtigt. » mehr

Co-Living

20.04.2020

Vom gemeinsamen Arbeiten zum gemeinsamen Wohnen

Gemeinschaftliches Wohnen gibt es in vielen Facetten - auch noch nach dem Studentenleben. Inzwischen organisieren auch kommerzielle Anbieter Wohngemeinschaften für Erwachsene. » mehr

Christoph Czaderski

24.02.2020

Fünf Baustoffe für die Zukunft

Klassische Baustoffe wie Mineralwolle, Stahl und Beton dominieren beim Hausbau. Doch die Suche nach besseren und nachhaltigeren Lösungen läuft - so findet etwa ein Kino-Snack eine neue Bestimmung. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 05. 2018
12:23 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.