Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Bauen auf Friedhöfen: Platz für neues Leben

Auf Friedhöfen gibt es immer mehr ungenutzten Platz, gleichzeitig fehlen Baugrundstücke in Städten. Eine Lösung könnte die Umwandlung von Bestattungsflächen in Bauland sein. Wissenschaftler und Interessenverbände loben die Idee, warnen aber vor Risiken.



Grabskulptur auf einem Friedhof
Weil Urnenbestattungen zunehmen, gibt es auf deutschen Friedhöfen immer mehr ungenutze Flächen. Sie könnten in Bauland umgewandelt werden. Foto: Marius Becker/dpa  

Ein Wohnhaus auf einem alten Friedhof - das ist womöglich Stoff für Horrorfilme. Oft suchen darin die Verstorbenen dann die Lebenden heim.

Auch wenn das unrealistisch ist: Das Wohnen auf einem ehemaligen Bestattungsort sei nicht jedermanns Sache, bestätigt Alexander Helbach, Sprecher der Verbraucherinitiative Aeternitas. Er sagt aber auch: Die Umwandlung von Friedhofsflächen in Bauland könnte große Probleme in Städten lösen.

«Der Trend geht zur Urnenbestattung», erklärt Helbach. Über 60 Prozent der Verstorbenen würden eingeäschert. Vor 20 Jahren sei es nur ein Drittel gewesen. Und weil Urnen weniger Platz brauchen als Särge, hätten viele Friedhöfe große ungenutzte Flächen, deren Pflege Geld koste.

Nach einer Berechnung des Instituts für Kommunale Haushaltswirtschaft (Helsa) aus 2015 sind von 425 Millionen Quadratmetern auf deutschen Friedhöfen 165 Millionen Überhangflächen. Das entspricht mehr als 23 000 Fußballfeldern. 250 Millionen Euro koste der Unterhalt dieser ungenutzten Areale.

Diese Entwicklung trifft auf einen anderen Trend: den Zuzug in Großstädte wie Frankfurt, Berlin, Hamburg und München. «Wir haben vor allem einen Zuzug in die Ballungsräume wie Rhein-Main und große Städte», sagt Kirsten Vogelmann vom Städte- und Gemeindebund in Hessen.

Der Kasseler Architektur-Professor Stefan Rettich kommt zu dem Schluss: «Der Reurbanisierung geht der Rohstoff aus.» Gemeint ist dieser Zuzug von Bevölkerung in die Kernstädte. Rettich hat mit Studenten die Umwandlung von Friedhofsflächen in Berlin betrachtet. Die Studierenden entwarfen Modelle für eine Bebauung solcher Flächen. Ihre Erkenntnis: Man muss bei der neuen Nutzung den Charakter des Ortes erhalten, also beispielsweise mit viel Grün planen.

Einig sind sich Wissenschaftler und Interessenverbände in einem: Jeder Fall sollte für sich betrachtet werden. Unproblematisch seien Flächen, wo noch niemand bestattet wurde. Heikel wird es bei früheren Gräbern. «Es ist nicht schön, wenn man einen Keller aushebt und Knochen findet», sagt Aeternitas-Sprecher Helbach. Kommunen, die eine Umwandlung von Friedhofsflächen erwägten, sollten die Idee am besten vorher öffentlich diskutieren. Ausgenommen sind zudem jüdische Friedhöfe: «Nach jüdischem Glauben müssen Gräber ewig bestehen», erklärt Helbach. Und das werde in Deutschland berücksichtigt.

Der Bund der Steuerzahler in Hessen steht dem Bauen auf Friedhöfen offen gegenüber. Man unterstütze die Bestrebungen von Städten und Gemeinden, Kosten zu reduzieren, sagt Sprecher Moritz Venner zur Flächenumwandlung: «Auch dabei erzielte zusätzliche Einnahmen sind natürlich Steuererhöhungen vorzuziehen.»

Veröffentlicht am:
26. 04. 2017
10:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baugrundstücke Bund der Steuerzahler Gefahren Gruselfilme und Horrorfilme Interessensverbände Judentum Rettiche Verstorbene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Mietvertrag gilt weiter

29.04.2019

Was tun, wenn ein Mieter stirbt?

Stirbt ein Mieter, bleibt das Mietverhältnis erst einmal bestehen. Familienangehörige, Mitbewohner oder Erben können es fortsetzen. Eine Chance, von günstigen Mietkonditionen langjähriger Mietverträge zu profitieren. All... » mehr

Thomas Fischer

18.03.2019

Den Haushalt von einem Verstorbenen auflösen

Die Beerdigung eines geliebten Menschen ist nur der erste Abschied. Die Auflösung des Haushaltes folgt ja noch - und fällt oft besonders schwer. Ein Patentrezept für das Vorgehen gibt es nicht, aber Experten kennen Tipps... » mehr

Im Sommer kühl, im Winter warm

21.10.2019

Tipps zur Begrünung von Haus und Dach

Verwunschen und wunderschön wirken Häuser, die rundherum von Efeu und Wein bedeckt sind. Das hat auch einen echten baulichen Vorteil: Die Begrünung ist Teil moderner energetischer Sanierung. » mehr

Gefährliches Kippfenster

01.10.2019

Was Wohnen mit Haustieren bedeutet

Ob Hund, Katze oder Meerschweinchen: In nahezu jedem zweiten Haushalt lebt ein Haustier. Das stellt besondere Ansprüche an die Einrichtung. » mehr

Psychologie und das Möbelhaus

15.04.2019

Wie verlasse ich das Möbelhaus ohne Kerzen?

Man will das eine, kommt aber mit einigen Produkten zusätzlich aus dem Kaufhaus - wer kennt das nicht? Mit klarem Kopf durch die Wohlfühlwelt mancher Möbelhäuser zu kommen, ist gar nicht so einfach. Denn diese arbeiten m... » mehr

Eva Reinhold-Postina

08.07.2019

Wie riskant ist eine 100-Prozent-Immobilienfinanzierung?

Eine Immobilie ohne Eigenkapital finanzieren - geht das überhaupt? Und ist es wirklich empfehlenswert? Für wen kommt das in Frage? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 04. 2017
10:30 Uhr



^