Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Wachsende Bevölkerung stellt Städte vor Probleme

Die Mieten in Städten steigen, die Immobilienpreise auch und die Kommunen kommen mit dem Bau neuer Wohnungen nicht hinterher: Die Probleme sind bekannt. Die genauen Entwicklungen und Zahlen hat nun das Statistische Bundesamt zusammengefasst.



Wohnungsbau in Berlin
Ein Baugerüst steht an einem Rohbau für Neubau-Wohnungen in Schöneberg. Die Städte kommen mit dem Bau nicht hinterher.   Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Vielerorts werden die Mieten teurer, aber auch die Kosten rund ums Wohnen haben von 2008 bis 2018 deutlich zugelegt. Um rund 26 Prozent sind in dieser Zeit etwa die Preise für Instandhaltung und Reparatur der Wohnung gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

«Im Vergleich erhöhte sich der Verbraucherpreisindex insgesamt von 2008 bis 2018 nur um knapp 13 Prozent», sagte Destatis-Präsident Georg Thiel in Berlin. Dort hat er die Entwicklungen der vergangenen Jahre auf dem Wohn- und Immobilienmarkt in Deutschland zusammengefasst.

Ein Überblick:

Immobilienpreise

Wegen der niedrigen Zinsen investieren immer mehr Menschen in Wohneigentum. Das hat die Immobilienpreise in Deutschland in den vergangenen Jahren rasant steigen lassen. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen verteuerten sich den Statistikern zufolge zwischen 2008 und 2018 um rund 48 Prozent. Seit 2015 hat sich die Zunahme noch einmal beschleunigt. Seither stiegen die Preise jährlich zwischen 4,7 und 7,5 Prozent.

Davon besonders betroffen sind die Großstädte. Allein zwischen 2016 und 2018 stiegen die Preise für Eigentumswohnungen in den sieben größten deutschen Städten um rund ein Viertel. Um etwa 20 Prozent legten dort im selben Zeitraum die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser zu. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen gingen die Preise um mehr als 10 Prozent nach oben.

Bautätigkeit

«Der Bedarf an neuen Wohnungen bleibt sehr hoch», stellte Destatis-Chef Thiel fest. Doch die Städte kommen mit dem Bau nicht hinterher. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr rund 287.000 Wohnungen fertig gestellt. Thiel erinnerte daran, dass es jährlich 375.000 Wohnungen sein müssten, wollte die Bundesregierung ihr Ziel von 1,5 Millionen Einheiten bis 2021 erreichen. «Deutschland steht also in einem Baustau», sagte er.

Das wird auch am sogenannten Bauüberhang deutlich, also der Zahl genehmigter, aber noch nicht fertig gestellter Wohneinheiten. Im vergangenen Jahr waren den Statistikern zufolge insgesamt 693 000 Wohnungen genehmigt, aber noch nicht gebaut. 2008 waren es gerade einmal halb so viele.

Bevölkerung

Dass die Wohnungen in den Metropolen so knapp sind, liegt auch daran, dass in Deutschland immer mehr Menschen leben. Zwischen 2012 und 2018 ist die Bevölkerungszahl um 2,5 Millionen Menschen oder rund 3 Prozent gewachsen. «Der Zuwachs ist bundesweit betrachtet hauptsächlich auf den positiven Außenwanderungssaldo zurückzuführen», sagte Thiel. Es kommen also mehr Menschen nach Deutschland als von hier weg ziehen. In kreisfreien Großstädten ist das nahezu der einzige Grund des Wachstums, weil es außer in Hamburg und Berlin überall ein Geburtendefizit gibt. Vor allem junge Menschen zieht es in die Metropolen. Ab einem Alter von 40 Jahren ziehen aber wieder deutlich mehr Menschen in ländliche Regionen als von dort weg.

Wohnfläche

Das Wachstum der Städte und der mangelnde Wohnraum führen dazu, dass die Menschen zusammenrücken. Zwischen 2010 und 2018 nahm die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in den sieben größten Städten um 1,7 auf 39,2 Quadratmeter ab. «Der knapper werdende Wohnraum wird zunehmend geteilt», heißt es bei Destatis. «Der Anteil der von zwei Personen bewohnten Wohnungen stieg in dieser Zeit von 30 Prozent auf 32 Prozent und der von drei und mehr Personen bewohnten Wohnungen von 19 Prozent auf 22 Prozent.»

Sonderfall Berlin

Mit Diskussionen rund um den Mietendeckel und Enteignungen großer Wohnungsunternehmen wurde Berlin in den vergangenen Monaten zum Brennpunkt der Probleme auf dem Wohn- und Immobilienmarkt. Weil immer mehr Menschen in der Hauptstadt leben, sind die Mieten in den vergangenen Jahren dort deutlich gestiegen.

Die Nettokaltmieten pro Quadratmeter im Jahr 2018 lagen für Menschen, die 2015 oder später nach Berlin gezogen sind, bei rund 9,16 Euro. Das war rund ein Viertel mehr als die Quadratmeter-Kaltmiete für Menschen, die zwischen 2004 und 2015 nach Berlin zogen.

Zwar wächst die Hauptstadt weiter, aber zunehmend langsamer. Allein zwischen 2011 und 2018 hat die Berliner Bevölkerung um rund 319.000 Menschen und damit um fast 10 Prozent zugenommen. Seit 2017 schwächte sich die Entwicklung aber ab, sagte Vorstand Jörg Fidorra, Vorstand des zuständigen Landesamts für Statistik. Wuchs die Stadt im Jahr 2016 noch um mehr als 50.000 Menschen, lag diese Zahl zwei Jahre später bei rund 30.000.

Die Wohnungspolitik

Der Chef des Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen, Michael Zahn, macht maßgeblich die Politik für die angespannte Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt verantwortlich. «Ich denke, dass die Probleme in der Immobilienbranche in erster Linie darauf zurückzuführen sind, dass die Wohnungspolitik den Trend Urbanisierung nicht gesehen hat», sagte er jetzt in Berlin. Als Antwort nun möglichst schnell, auf möglichst günstige Weise Wohnraum zu schaffen, sei falsch. «Das Thema ist komplexer.» Es müsse etwa darüber nachgedacht werden, wo in Zukunft Arbeitsplätze angesiedelt werden, denn auch dafür sei der Raum in den Städten inzwischen knapp.

Das selbstgesteckte Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis 2021 werde die Bundesregierung deutlich verfehlen. «Es scheitert größtenteils an Politik und an Administration und der fehlenden Bereitschaft, Städte so zu denken, wie diese sich wahrscheinlich in 20, 30 Jahren abbilden werden», sagte Zahn. Die Deutsche Wohnen besitzt in Deutschland eigenen Angaben zufolge fast 170.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten, den Großteil davon in Berlin.

Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
10:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesbehörden und Bundesämter (Deutschland) Immobilien Immobilienfirmen Immobilienmarkt Mieten Statistisches Bundesamt Wohnbereiche Wohnungen Wohnungsbaupolitik Wohnungsmarkt Wohnungsunternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Immobilienmarkt

24.09.2020

Immobilien verteuern sich trotz Corona-Krise kräftig

Endet mit Corona der lange Preisanstieg bei Häusern und Wohnungen in Deutschland? Das haben manche Menschen gehofft, die eine Immobilie suchen. Doch neue Zahlen zeigen, dass der Boom ungebrochen ist. » mehr

Steigende Immobilienpreise

25.06.2020

Preise für Wohnungen und Häuser steigen erneut kräftig

Der Immobilienboom in Deutschland hat sich zum Jahresauftakt fortgesetzt - zu Lasten von Käufern. Auch auf dem Land verteuern sich Wohnungen. Ob die Preise trotz der Corona-Krise weiter klettern, ist aber umstritten. » mehr

Immobilien

26.08.2020

Immobilienpreise steigen weiter

Einige Experten haben wegen der Corona-Krise mit einem Dämpfer für den Immobilienmarkt gerechnet. Doch bei Investoren bleiben Häuser und Wohnungen stark nachgefragt - die Preise steigen somit unvermindert weiter. » mehr

Neue fast fertige Wohnhäuser

03.08.2020

Mieten und Kaufpreise steigen trotz Corona-Krise

Seit Jahren schon steigen die Mieten und Immobilienpreise in Deutschland. Endet nun mit der Corona-Krise der Boom? Neue Daten geben wenig Hoffnung für Mieter und Wohnungskäufer. » mehr

Mietwohnungen in Frankfurt

29.07.2020

Menschen in Deutschland leben in immer größeren Wohnungen

Gerade in den deutschen Großstädten wird Wohnraum immer knapper. Dennoch steigt der pro Kopf genutzte Wohnraum weiter an, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. » mehr

Baugenossenschaften in Berlin

03.02.2020

Baugenossenschaften in Zeiten der Wohnungsnot

75 Quadratmeter in guter Lage für 600 Euro warm? Das klingt für viele Städter nach einem Traum, wird durch Genossenschaften aber möglich. Niedrigzinsen und Wohnungsmangel gehen jedoch nicht spurlos an ihnen vorbei. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
10:47 Uhr



^