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Immer mehr Hunde werden zu Problemfällen

In deutschen Tierheimen sitzen immer mehr schwer vermittelbare Hunde. Viele Besitzer haben sie im Internet gekauft - und kommen dann nicht mehr klar. Tierschützer raten daher: Finger weg von Online-Hunden!



Anna Falkenhorst und Inge Wanken
Tierheim-Leiterin Anna Falkenhorst (l) und Inge Wanken, erste Vorsitzende des Trierer Tierschutzvereins, kümmern sich um Hund Spocky. Nach sechs Wochen Training ist das Tier wieder vermittelbar.   Foto: Birgit Reichert/dpa

Sie sind extrem ängstlich, beißen schnell zu, können nicht alleine bleiben oder lassen keinen Menschen an sich heran: Die Rede ist von Problemhunden, die immer häufiger in Tierheimen landen.

Ihre Besitzer haben sie übers Internet gekauft und sind mit der Haltung überfordert. Sehr oft handele es sich um frühere Straßenhunde aus Südeuropa oder Zuchttiere von «Hobbyzüchtern», wie die erste Vorsitzende des Trierer Tierschutzvereins , Inge Wanken, sagt. «Das sind keine Hunde, die junge Familien mit Kindern wollen. Ohne intensives Hundetraining sind sie nicht vermittelbar.»

«Bündnis Schattenhund» warnt vor Online-Kauf

Um auf das wachsende Problem mit schwierigen Hunden aufmerksam zu machen, haben sieben Tierheime und Vereine in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen das «Bündnis Schattenhund» gegründet. «Schattenhunde sind Hunde, die irgendwann keiner mehr sieht, weil sie seit Jahren im Tierheim sind - und sie keiner mehr holt», sagt Hundetrainerin Wanken. «Wir brauchen eine bessere finanzielle Unterstützung, um diese Hunde trainieren zu können.»

Sie sagt: «Der Verkauf von Hunden übers Internet müsste verboten werden.» Mehr als 10.000 Hunde stünden derzeit bei Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf, beim Portal Quoka seien es 20.000. Darunter seien viele von «Vermehrern», die mit Zuchten Geld machen wollten und deren Welpen oft nicht sozialisiert seien. «Die Tiere werden oft in Garagen oder Kellern gehalten.»

Dann seien da Importhunde, die vermeintliche Tierschutzorganisationen aus «Tötungsstationen» etwa in Rumänien gerettet hätten. «Es gibt eine Hundefänger-Mafia, die verdient ihr Geld damit, Straßenhunde zu fangen und in die Tötungsstationen zu bringen.» Solange diese Stationen immer wieder leergeräumt würden, gehe der Handel weiter.

Vermittlung von Hunden aus dem Tierheim

«Wenn es nach dem Kauf des Hundes Probleme gibt, ist da keiner da, der dem Besitzer hilft oder den Hund zurücknimmt. Dann bringt man ihn ins Tierheim», sagt Wanken. Natürlich gebe es auch gute Tierschutzorganisationen: Diese hielten stets auch Pflegestellen in Deutschland bereit, würden kontrolliert und seien auch in der Nachbetreuung tätig.

Ein gutes Beispiel dafür, wie die Vermittlung von Auslandstieren laufe, sei das Tierheim Koblenz. Mitarbeiter fahren öfter im Jahr in ein Tierheim nach Rumänien. Dort suchen sie Hunde aus, die zunächst ins Tierheim nach Koblenz kommen. Interessierte haben dann die Möglichkeit, diese Hunde kennenzulernen, bevor sie sie nach Hause nehmen.

Die Problematik mit schwer vermittelbaren Hunden nehme bundesweit in allen Tierheimen zu, sagt der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes vom Deutschen Tierschutzbund, Andreas Lindig. Vor allem durch den Handel mit Welpen, die übers Internet aus dem Ausland gekauft würden, sei die Situation «eskaliert». «Ich sage immer: Finger weg von Online-Hunden!» Man solle seriöse Verein unterstützen, die die Tiere auch wieder zurücknehmen würden.

Tierpfleger und Trainer gefragt

Mehr als 80 Prozent der Hunde im Trierer Tierheim sind inzwischen Problemhunde. Da ist ein Kangal, der aus der Türkei stamme und dort «in der Regel dafür sorgt, dass Haus und Hof wolffrei gehalten werden», sagt Tierheimleiterin Anna Falkenhorst. «Genauso ticken sie auch. Sie sind sehr territorial.» Oder der Jack Russell-Mischling «Spocky» aus Rumänien, der sechsmal den Besitzer gewechselt hat. Nach sechs Wochen Training ist Falkenhorst optimistisch, dass er bei einer Familie ein neues Zuhause findet.

Genau da setzt das «Bündnis Schattenhund» an: Tierpfleger und Trainer könnten das Problem des Hundes erkennen und mit ihm arbeiten. «Jeder Hund ist bereit, dazuzulernen und sich umzustellen», sagt sie. Aber Training kostet: Inklusive Unterkunft fielen im Heim pro Hund und Jahr 7000 Euro an. «Es wäre schon viel geholfen, wenn wenigstens für die eingewiesenen Hunde Ämter und Behörden die Kosten übernehmen würden.»

Ohne entsprechende finanzielle Ausstattung und Personal werde die Aufnahme der steigenden Zahl von schwierigen Hunden in Zukunft nur noch begrenzt oder gar nicht mehr möglich sein, sagt Wanken. Zudem fordere das Bündnis bei Hundehaltern «ein Mindestmaß an Sachkunde». Das A und O sei, dass man den Hund zur richtigen Zeit erziehe. Es sei sinnvoll, einen verbindlichen «Hundeführerschein» einzuführen, den Halter nach einem Kurs erhielten. Damit könne auch dem entgegengewirkt werden: «Dass eben nicht jeder mal kurz einen Hund holt und ihn dann wieder entsorgt, wenn es nicht mehr passt.»

Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
12:08 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
12:08 Uhr



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