Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Die Körpersprache der Pferde

Für die Kommunikation mit Pferden braucht es keine großen Gesten, denn diese sensiblen Tiere haben eine sehr feine Wahrnehmung. Pferdeflüsterer wissen dies zu nutzen.



Andrea Kutsch
Andrea Kutsch gilt in der Pferdeszene als «Meisterschülerin» des Amerikaners und Pioniers im «Pferdeflüstern», Monty Roberts und hat Studien an 4000 Pferden durchgeführt. Foto: Tim Voller   Foto: dpa » zu den Bildern

Pferde sind stille Wesen. Ab und zu lassen sie mal ein Wiehern oder ein Grummeln von sich hören, ansonsten verständigen sie sich über Körpersprache.

Missverständnisse sind vorprogrammiert

Das Problem im Umgang zwischen ihnen und Menschen: Die Sinneswahrnehmungen und Sprachen unterscheiden sich, Missverständnisse sind damit vorprogrammiert.

«Was will mein Pferd mir sagen?» Dieser Frage wird in der Reiterszene aber vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. «Pferdeflüstern» wird es genannt, wenn ein Mensch die Gesten dieser Tiere lesen und sich ihnen über seine Körpersignale mitteilen kann.

«Allerdings können wir ihre Sprache nur bedingt nachahmen, weil wir natürlich einen völlig anderen Körperbau haben», erklärt Juli Zeh, preisgekrönte Schriftstellerin und ausgebildete Pferde-Verhaltenstherapeutin aus Brandenburg. Wir können nicht die Ohren nach vorne stellen, um unsere Aufmerksamkeit zu zeigen. Wir haben keinen Schweif, den wir bei Angst einklemmen. Und wir können auch nicht unsere Nasenlöcher weiten, wenn wir aufgeregt sind.

Pferde nehmen Feinheiten wahr

«Aber es gibt schon einiges, was die Tiere sehr gut verstehen», sagt Zeh. Große Gesten braucht es nicht, Pferde nehmen sehr fein wahr. Das kann für den Menschen allerdings auch bitter werden. Ist er unsicher, ängstlich oder unkonzentriert, weiß dies das Pferd - und reagiert entsprechend.

Generell ist es in der Pferdewelt äußerst wichtig, wer wem ausweicht. «Dem ranghöchsten Tier wird immer Platz gemacht», sagt Zeh. Lässt sich der Mensch also von seinem Pferd vertreiben, deutet daraus das Tier: Ich bin der Chef. Dies kann ebenso weitreichende wie verhängnisvolle Folgen haben. Wer möchte, dass sein Pferd ihm ausweicht, sollte ihm zuerst direkt in die Augen schauen. Dann richtet man sich auf und atmet hörbar ein. Reicht dies noch nicht aus, geht man direkt auf das Tier zu. Als letzte Steigerung kann man noch klatschen.

Wer freundlich mit einem Pferd Kontakt aufnehmen möchte, sollte entspannt sein, ihm die Hand hinstrecken und dem Tier besser nicht in die Augen sehen. Manche Pferde mögen es laut Zeh, wenn ihnen leicht in die Nüstern geblasen wird und pusten sogar zurück. Das machen auch Pferde untereinander zur Begrüßung.

Probleme entstehen durch Vermenschlichung

Wissenswert beim Umgang mit Pferden ist auch, dass diese Tiere nur sofortige Reaktionen verstehen und überhaupt nicht nachtragend sind. «Viele Leute denken, dass das Pferd auf sie sauer sei. Die ganzen Probleme in der Tier-Mensch-Beziehung haben die Wurzel in einer Vermenschlichung», so Zeh.

Ein großes Quell für Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd ist auch deren feine Wahrnehmung der Umwelt. Sie bemerken Bewegungen, Gerüche und Geräusche, die uns entgehen oder wir erst viel später wahrnehmen. «Sie haben fast einen Rundumblick mit einer blinden Zone direkt vor und hinter sich», erklärt dazu die Verhaltensforscherin Margit Zeitler-Feicht von der Technischen Universität München-Weihenstephan. In der Dämmerung können sie besser sehen als wir, und ihre Nase ist so fein, dass sie sogar riechen, wenn wir Angst haben.

«Wenn man mit diesen Tieren arbeitet, sollte man auch wissen, was für ein Pferd von Natur aus positiv und negativ besetzt ist», sagt Zeitler-Feicht. Zum Beispiel wirken schnelle Bewegungen immer bedrohlich. Wer ein Pferd von der Koppel holen möchte, sollte daher nicht forschen Schrittes auf das Tier zustürmen. Als Belohnung versteht dagegen jedes Pferd sofort, wenn es am Widerrist - also dem höchsten Punkt seines Rückens - gekrault wird. Dieses Fellkraulen kennt es von anderen Pferden, die ihm freundlich gesinnt sind.

Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
05:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angst Autor Juli Zeh Kommunikation Körpersprache Pferde Probleme und Krisen Technische Hochschulen Tiere und Tierwelt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Der Hund in der Pubertät

01.11.2019

Der Hund in der Pubertät

Unsicherheit, Abenteuerlust und Überheblichkeit prägen ihren Alltag: Pubertären Hunden geht es nicht anders als Menschen. Besitzer sollten in der sensiblen Zeit mit ihren Hunden geduldig sein. » mehr

Pferdchen an Bord

19.08.2019

Warum in den USA sogar Pferde in die Flugzeugkabine dürfen

Eine Regelung in den USA erlaubt an Bord von Flugzeugen Tiere, auf die behinderte oder psychisch kranke Reisende angewiesen sind. Das kann für ungewohnte Anblicke sorgen: etwa dann, wenn plötzlich ein Schwein in der Kabi... » mehr

Bei-Fuss-gehen

28.06.2019

Was gegen das Hunde-Halsband spricht

Für viele Hundeexperten ist ein Brustgeschirr die bessere Alternative zum Halsband. Es schont den empfindlichen Halsbereich des Hundes - und es kann helfen, unerwünschtes Verhalten zu bekämpfen. » mehr

Kämmen einer Katze

29.11.2019

So bekämpft man den Katzenfloh

Flohkot oder nur normaler Dreck? Tierhalter sollten aufmerksam hinschauen. Denn hat sich der Floh einmal einquartiert, kann es nicht nur stressig, sondern auch gesundheitsgefährdend werden. » mehr

Thomas Steidl

15.11.2019

Was Hunde im Alter brauchen

Hunde werden immer älter, manche überschreiten sogar ihr 20. Lebensjahr. Die Senioren auf vier Pfoten haben dann andere Ansprüche. Aber mit gutem Futter, Vorsorge und Bewegung bleiben sie länger fit. » mehr

Vogelspinne

31.10.2019

Spinnenphobie - die große Angst vor kleinen Tieren

Zu Halloween kommt so mancher Spinnenphobiker aus dem Gruseln kaum mehr heraus: Überall hängen und sitzen Achtbeiner aus Plüsch oder Plastik. Etliche Menschen in Deutschland sind von übergroßer Angst vor Spinnen betroffe... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
05:04 Uhr



^