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Wie werde ich Klempner/in?

Glänzt der Zwiebelturm einer Kirche, der Wetterhahn auf dem Dach oder eine Giebelspitze kupfern, war wohl ein Klempner am Werk. Bei dem Handwerk kommt es nicht allein auf Schwindelfreiheit an.



Vorbereitung
Vorbereitung in der Werkstatt, Montage auf dem Dach: Als angehender Klempner muss Christoph Beier schwindelfrei sein.   Foto: Angelika Warmuth/dpa-tmn » zu den Bildern

Sein bisheriges berufliches Highlight war die Arbeit auf einem Kirchturm: In gut 80 Metern Höhe hat Christoph Beier mit anderen ein neues Kupferdach zusammengesetzt, und zwar Blech für Blech.

Der Auszubildende ist 18 Jahre alt und lernt bei der Dachdecker- und Spenglerfirma Leib in Moorenweis, Bayern.

Beiers Wahl war eine Kopfentscheidung. «Ich komme aus einer ländlichen Region und habe einen anspruchsvollen Beruf gesucht, der mir noch viele Jahre gefallen könnte».

Gleichzeitig war er auf der Suche nach etwas Eigenem. «Ich kenne beispielsweise mehr Leute, die mit Holz arbeiten als mit Metall». Außerdem sei Blech ein Material, das man formen könne «wie kein anderes». Also entschied er sich für die Ausbildung zum Klempner, der je nach Region auch Spengler, Flaschner oder Blechner heißen kann.

Klempner sind keine Anlagenmechaniker

Der Beruf wird oft verwechselt mit dem Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Das sei historisch bedingt, erklärt Michael Kober vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). «Der Installateur hat früher bei den Klempnerarbeiten mitgemacht.» Das habe sich mittlerweile geändert.

Der Klempner biegt Blech, falzt, schneidet und schweißt es in der Werkstatt oder auf der Baustelle und bringt es in Form. Daraus entstehen dann Elemente für Metalldächer und -fassaden. Sie werden von den Handwerkern auch befestigt oder repariert. Genauso kümmern sie sich etwa um Regenrinnen, Luftrohre oder Fensterbänke.

Darüber hinaus kreieren die Kunsthandwerker zum Beispiel Ornamente, Laternen, Vasen oder den klassischen Wetterhahn. Insgesamt benötigt der Klempner deshalb «ein hohes Maß an handwerklichem Geschick, eine gute Hand-Augen-Koordination und Sorgfalt», sagt Kober.

Schwindelfreiheit ist wichtiger als Noten

Das setzt voraus, verschiedene Maschinen und Werkzeuge sicher benutzen zu können. Laut Ausbilder Ulrich Leib sind das sowohl die einfachen und hoch technisierten sogenannten Abkantmaschinen als auch die Schlagschere. Dann brauche es noch «eine Falzmaschine, damit ich den Falz schließen kann», verschiedene Hämmer und ein Schaleisen.

Die Handwerkzeuge sind auch auf der Baustelle im Einsatz. «Der Auszubildende lernt bei uns das Anschlagen von Dachrinnen», erklärt Leib. Im Flachdachbereich gehört zusätzlich das Abdichten von Dächern dazu.

Für Leib spielt das schulische Notenbild eine untergeordnete Rolle. Der Hauptschulabschluss reicht aus. Vielmehr sollte der Auszubildende «ein ehrliches Interesse am Handwerk haben und schwindelfrei sein» - wegen der Höhe auf den Dächern. Als Klempner tätig zu sein, heißt zudem, viel im Freien zu arbeiten, sagt Christoph Beier. Für ihn war es ein weiterer Grund, den Beruf zu ergreifen. Draußen habe er wesentlich mehr Spaß. Unabhängig davon, ob es heiß oder windig ist, regnet oder schneit.

Ein dreidimensionaler Körper aus flachem Blech

Hinzu kommt: Durch die unterschiedlichen Aufgaben in der Werkstatt und auf der Baustelle ist der Beruf abwechslungsreich. Deshalb ist aber auch Mitdenken und geometrisches Vorstellungsvermögen gefordert.

Blech kann aus Kupfer, Aluminium, Stahl und zum Beispiel Zink bestehen. Jedes dieser Materialien braucht eine andere Herangehensweise. Am Ende soll aus einem flachen Metallblech ein dreidimensionaler Körper entstehen. «Ich muss individuell bewerten, welche Lösung ich anwenden will», so Beier. Dafür brauche es unter anderem Mathematik. «Kopfrechnen sollte sehr gut gehen».

Der Klempner stimmt sich mit Dachdeckern und Zimmerleuten ab, vor allem aber setzt er die «Vorgaben und Wünsche von Architekten oder dem Bauherrn um», erklärt Michael Kober vom ZVSHK. Dabei gehört zum Berufsalltag, sich mit den aktuellen Trends in der Fassaden- und Dachgestaltung auszukennen.

Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre. Im Durchschnitt liegt die Vergütung je nach Bundesland zwischen 550 und 750 Euro im ersten Lehrjahr. Im vierten verdient ein Auszubildender in Schleswig-Holstein 740 und in Bayern 1050 Euro.

© dpa-infocom, dpa:200807-99-79346/3

Veröffentlicht am:
10. 08. 2020
04:44 Uhr

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dpa

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10. 08. 2020
04:44 Uhr



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