Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Wie werde ich Maschinen- und Anlagenführer/in?

Maschinen- und Anlagenführer sind Facharbeiter in der Industrie. Sie richten Maschinen für die Produktion ein, kontrollieren und warten sie. Das erfordert Technikverständnis und Ehrgeiz.



Produktionshalle der Firma Bauder
Blick in die Produktionshalle der Firma Bauder: Angehende Maschinen- und Anlagenführer lernen hier, worauf es bei der Handhabe der Systeme ankommt.   Foto: Paul Bauder, Stuttgart/dpa-tmn » zu den Bildern

Große Maschinen umgeben Thorsten Fograscher in seiner Ausbildung jeden Tag. Maschinen, die Dämmmaterial in einer bestimmten Größe und Dicke produzieren, die Kunststoffe den Vorgaben entsprechend schäumen oder Bitumenbahnen zur Abdichtung fertigen. Der 20-Jährige arbeitet bei der Firma Bauder in Stuttgart, einem der großen Hersteller von Dachsystemen in Europa. Dort wird er innerhalb von zwei Jahren zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet - zum Betreuer dieser riesigen Maschinen also, die sämtliche Materialien herstellen.

«Zu dem Job bin ich über einen Metall-Grundkurs in der Schule gekommen», erzählt er. Sein Fachabitur hat er an einer sozialwissenschaftlich orientierten Schule gemacht. «Aber das Technische hat mich schon immer interessiert.» Verständnis für Technik ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, wie sein Ausbildungsleiter, Rouven Vogg, sagt. «Die Maschinen- und Anlagenführer sind tatsächlich die, die an den Maschinen stehen, die kontrollieren, warten und Probleme beheben können.»

Wie Detektivarbeit: Die Spurensuche nach Fehlern

Fograscher ist dabei die «Detektivarbeit» am liebsten, wie er das nennt. «Wenn etwas nicht läuft, muss man die Ursache dafür finden, geht auf Spurensuche und muss eventuell Teile auswechseln.» Das passiert zum großen Teil noch mechanisch, in diesem Beruf wird mit den Händen gearbeitet. «Natürlich werden die Anlagen über Touchpanels und Computer eingestellt und bedient», sagt Vogg. Doch wenn etwas nicht funktioniert, sind ganz klassische Schrauber-Skills gefragt.

Maschinen- und Anlagenführer können sich, je nach Unternehmen, in fünf verschiedenen Fachrichtungen ausbilden lassen: im Bereich Metall- und Kunststofftechnik, in der Textiltechnik, in der Textilveredelung, der Lebensmitteltechnik oder der Druckweiter- und Papierverarbeitung. Für jeden Schwerpunkt gibt es andere Weiterbildungsmöglichkeiten nach bestandener Gesellenprüfung, sagt Sven-Uwe Räß, der Leiter der Berufsbildung im Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Mathe und Physik - Ehrgeiz und Fleiß

Thorsten Fograscher ist mit einem Fachabitur eher die Ausnahme bei den Auszubildenden - deutlich mehr Bewerber haben einen Haupt- oder Realschulabschluss. Daher sind für ihn gerade die Bereiche Mathematik und Physik an der Berufsschule keine großen Hindernisse. «Das wird sehr anwendungsbezogen behandelt», sagt er. Diese beiden Fächer sind es, die einem zumindest in der Schulzeit nicht ganz fremd gewesen sein sollten.

«Viel wichtiger als die Noten aber sind andere Eigenschaften», sagt Räß. Dazu gehören Teamfähigkeit, Ehrgeiz und Fleiß. Vogg ergänzt: «Die Bewerber arbeiten nie allein an und mit den Maschinen, daher müssen sie sich gut auf andere Menschen einlassen können.» Sozialkompetenz, Respekt den Kollegen gegenüber - das seien Kriterien, auf die er achte. «Bei uns muss der Mensch passen, da sind die Noten tatsächlich zweitrangig.»

Luft nach oben bei der Frauenquote

Ein deutliches Manko hat der Job: die geringe Frauenquote. «Lediglich sechs Prozent der knapp 8000 Auszubildenden sind junge Frauen», sagt Räß. «Da ist noch viel Luft nach oben.» Allerdings sei es insgesamt schwierig, geeignete Bewerber und Bewerberinnen für die technischen Ausbildungsberufe zu finden. 

Attraktiv bezahlt wird die Ausbildung. Im ersten Ausbildungsjahr gibt es zwischen 830 und 930 Euro, im zweiten zwischen 910 und 980 Euro brutto - das ist deutlich mehr, als Auszubildende in anderen Berufen im dritten Lehrjahr verdienen.

Als Geselle bekommen Maschinen- und Anlagenführer zwischen 1700 und 2700 Euro. «Da kommt es darauf an, welche Schichten sie übernehmen», sagt Vogg. Denn der Job ist ein klassischer Dreischichtberuf, die meisten Maschinen laufen rund um die Uhr. «Und mit den entsprechenden Zulagen etwa für Nachschichten steigt auch das Einkommen.»

Ein Ausbildungsjahr dranhängen 

Wer die Ausbildung erfolgreich beendet hat, kann in einer dreijährigen Ausbildung Fuß fassen und sich die zwei bereits absolvierten Jahre anrechnen lassen. Mögliche Berufe sind: Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker oder Feinwerkmechaniker. «Das kommt darauf an, in welchem der Fachbereich man zuvor gelernt hat», sagt Räß.

Den Weg zum Meistertitel gehen ebenfalls viele Gesellen nach einer Weile im Beruf, sagt Vogg. «Damit hat man tiefere Einblicke in die Materie und bekommt in aller Regel Personalverantwortung.» Nicht sehr häufig, aber dennoch gelegentlich gibt es Auszubildende, die sich über Gesellen, Meister oder Techniker Richtung Studium vorarbeiten. «Das sind dann meist Ingenieur-Studiengänge wie Maschinenbau.»

Veröffentlicht am:
30. 03. 2020
04:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausbildungsberufe Ausbildungsleiter Auszubildende Beruf und Karriere Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufsschulen Facharbeiter Kunststoffe und Kunststoffprodukte Produktionsunternehmen und Zulieferer Wirtschaftsbranche Metall
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Das Holz muss sauber zugeschnitten werden

10.02.2020

Wie werde ich Parkettleger/in?

Stab-, Mosaik- oder Fischgrät? Parkettleger haben alles im Repertoire. Von der Großbaustelle bis zum Privathaus verpassen sie Böden den letzten Schliff. » mehr

Tischlerhandwerk

01.06.2020

Wie werde ich Tischler/in?

Möbel, Türen, Fenster - um alles, was mit Holz zu tun hat, kümmern sich Tischler. Eine Leidenschaft für den Werkstoff sollte man deshalb auf jeden Fall mitbringen. Und was ist sonst noch wichtig? » mehr

Auszubildende der Firma Lüdecke

25.05.2020

Wie werde ich Zerspanungsmechaniker/in?

Zerspanungsmechaniker stellen Teile her, die in zahlreichen Industrieprodukten vorkommen. Ein Job, der Handwerk, Informatik und Technik vereint - entsprechend sollten die Neigungen der Bewerber sein. » mehr

Sarah Thieme am Bahnsteig

06.04.2020

Wie werde ich Kauffrau/Kaufmann für Verkehrsservice

Wie sieht die beste Verbindung für die nächste Reise aus? Und welches Ticket eignet sich am besten? Auf diese täglichen Fragen von Reisenden haben Kaufleute für Verkehrsservice die Antworten. » mehr

Die Ausbildung

16.03.2020

Wie werde ich Paketzusteller/in?

Schwere Pakete, viele Stufen, täglich der Witterung ausgesetzt: Die Arbeit als Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen ist anstrengend - bietet aber auch Freiheiten. » mehr

Komponisten für Wort und Bild

13.01.2020

Wie werde ich Mediengestalter/in?

Fotos bearbeiten, Webgrafiken erstellen, einen Onlineshop aufhübschen: Mediengestalter brauchen kreative Ideen. Gleichzeitig müssen sie verstehen, was ein Produkt beim Beobachter auslösen soll. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 03. 2020
04:32 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.