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TU Chemnitz bildet Outdoor-Spezialisten aus

Textiles Know-how plus Fachwissen über Sportgeräte und Leichtbau: Die Chemnitzer Uni beschäftigt sich mit Outdoor-Produkten und bietet ab dem neuen Semester eine Zusatzqualifikation für Ingenieure an.



TU Chemnitz bildet Outdoor-Spezialisten aus
Ein Prototyp eines Laufrades mit Speichen aus synthetischen Hightech-Fasern steht vor einem Dauerbelastungstest. Entwickelt wurde das Produkt von Absolventen der TU Chemnitz.   Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Draußen zuhause: Nicht erst seit Corona haben viele Menschen Bewegung und Sport in der freien Natur für sich entdeckt. Auf dem Outdoor-Markt wurden laut der European Outdoor Group, einem länderübergreifenden Zusammenschluss der Branche, europaweit zuletzt rund 5,8 Milliarden Euro (2019) umgesetzt.

Die Hälfte davon ging in Deutschland, Frankreich und Großbritannien über den Ladentisch. Zum Start in das neue Wintersemester greift die TU Chemnitz diesen anhaltenden Trend auf und startet eine Zusatzqualifikation für spezielle Outdoor-Ingenieure .

Outdoor-Produkte entwickeln

«Viele Sportartikelhersteller stehen beim Thema Fachkräfte vor einem Problem: Gute Designer allein sind nicht die Lösung, es braucht auch das technische Fachwissen, um Outdoor-Produkte zu entwickeln», ist Holger Cebulla überzeugt. Der Professor für textile Technologien hat deshalb seine Kollegen von der Professur für Sportgerätetechnik ins Boot geholt, um Master-Studierende fachübergreifend auszubilden.

Gleich neben Halle F, wo die Textiler und die Sport-Ingenieure zuhause sind, ist auch der Leichtbau angesiedelt - ohne textiles Know-how wären viele Entwicklungen in diesem Bereich nicht denkbar, so Cebulla. «Es liegt also sozusagen auf der Hand, all diese Kompetenzen in einem Angebot zu bündeln und damit unseren Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich in einer vertiefenden wissenschaftlichen Arbeit mit einem praxisnahen Thema zum Outdoor-Sport zu beschäftigen.»

Arbeiten an Strick- und Wirkmaschinen

Denkbar wäre demnach die Entwicklung neuer textiler Flächen, um Outdoor-Rucksäcke noch leistungsfähiger zu machen, erläutert der Professor, während er zwischen diversen Strick- und Wirkmaschinen steht. Einige davon sind sichtbar in die Jahre gekommen, aber voll funktionsfähig. «Die stehen nicht hier, weil wir antiquiert sind, sondern weil man an diesen alten Maschinen noch wirklich verstehen kann, wie die Prozesse ablaufen. Nicht Steinzeit, sondern Basics», meint Cebulla, der vor seinem Ruf an die TU Chemnitz viele Jahre in der Industrie tätig war.

Begreifen lautet das Mantra der einst ältesten Textil-Professur Deutschlands im sächsischen Manchester, wie Chemnitz auch genannt wurde. Nach der Wende wurde der seit 1836 existierende Lehrstuhl dennoch kurzerhand abgewickelt. Das Thema Outdoor begleitet die angehenden Textiler aus Chemnitz seit der Wiedergründung der Professur vor sechs Jahren. «Das ist zum einen eigenes Interesse, zum anderen müssen wir als Lehrstuhl aber auch schauen, wie wir junge Menschen hinter dem Ofen hervor locken. Mit Socken allein schaffen wir das nicht», meint der Professor augenzwinkernd.

Textile Lösungen für Sportgeräte und Leichtbau

Ob bei Sportgeräten oder im Leichtbau: Textile Lösungen seien zunehmend gefragt, sagt Holger Cebulla. «Aber noch immer gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten, bei denen Textilien nicht mitgedacht werden, auch das wollen wir mit diesem bundesweit einzigartigem Programm ein Stück weit ändern.» Die Spezial-Ausbildung «Outdoor-Engineering» stehe Master-Studierenden offen, der Zeitplan sei flexibel. Bislang gebe es etwa zehn Interessenten aus Deutschland, aber auch aus Asien und den USA.

Was Textilien alles können, beweist auch das Team von Pi Rope . Die TU-Absolventen haben zwar nicht gleich das Rad neu erfunden, dafür aber die Speiche. Und zwar eine aus synthetischen Fasern, die bei der Steifigkeit einer Stahlspeiche in nichts nachsteht, berichtet Ingo Berbig, der das junge Start-up seit dessen Gründung vor drei Jahren leitet.

Laufräder mit Textilspeichen

In Berbisdorf bei Chemnitz produziert die Manufaktur im Jahr rund 350 Laufradsätze mit den textilen Speichen, die demnach um ein Vielfaches leichter sind als das herkömmliche Pendant aus Metall. «Außerdem ist unsere Speiche deutlich flexibler, weil sie nach Querbelastungen in ihre Ausgangsposition zurückgeht. Klassische Speichenbrüche gehören damit im Prinzip der Vergangenheit an», erläutert der studierte Maschinenbauer. Inzwischen seien die Laufräder mit den Textilspeichen aus Chemnitz, die je nach Kundenwunsch auch bunt eingefärbt werden können, weltweit zu haben und neben Europa unter anderem schon in Brasilien, Australien oder Taiwan im Einsatz.

Trotz oder gerade wegen Corona: Der Outdoor-Markt boomt weiterhin, so die Einschätzung der Einkaufsgenossenschaft Intersport Deutschland. Infolge des sogenannten Lockdowns und wegen geschlossener Läden habe der Outdoor-Bereich zunächst ein Minus verzeichnet, sagt Thomas Maier, zuständiger Manager bei Intersport . Doch von Anfang Mai bis Ende Juli lag das Segment im Vorjahresvergleich schon wieder mit Zuwächsen im oberen einstelligen Prozentbereich im Plus. Besonders stark nachfragt sind demnach Outdoor-Schuhe: «Um für die kleinen Abenteuer in näherer Umgebung gut gerüstet zu sein.»

© dpa-infocom, dpa:201012-99-913517/2

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Von Claudia Drescher (Text) und Jan Woitas (Bild)
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Veröffentlicht am:
12. 10. 2020
12:32 Uhr

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Von Claudia Drescher (Text) und Jan Woitas (Bild)

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12. 10. 2020
12:32 Uhr



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