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Was wird aus meinem Erasmus-Jahr?

Covid-19 bedroht die innereuropäische Mobilität, auch für Studierende. Auslandssemester wie bisher wird es 2020 nicht geben. Was Studierende jetzt wissen müssen.



Frankreich
Viele Hochschulen versuchen trotz Corona mit virtuellen Campus-Touren oder Spieleabenden den Kontakt der Austausch-Studierenden untereinander zu fördern.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Andere Kulturen kennenlernen, Sprachkenntnisse verbessern, Freunde aus ganz Europa gewinnen: Auslandssemester mit dem Erasmus-Programm der Europäischen Union sind beliebt. In manchen Studiengängen sogar verpflichtend.

Doch 2020 findet der Lehrbetrieb in den vielen europäischen Ländern aufgrund von Covid-19 nur eingeschränkt statt. Worauf sollten sich Studierende einstellen, die dieses Wintersemester ins Ausland gehen wollen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Findet das Erasmus-Programm zur Zeit überhaupt statt?

Ja. Zwar haben einige Hochschulen in Europa aufgrund der Lage vor Ort ihre Teilnahme am Programm vorübergehend ausgesetzt, doch die große Mehrheit der geplanten Auslandsaufenthalte kann stattfinden, bestätigt Stephan Geifes, Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Sowohl der DAAD wie auch die meisten Hochschulen verweisen hier auf die Reiseempfehlungen des Auswärtigen Amtes. Die Entscheidung liegt letztlich bei den Hochschulen und den Studierenden.

Allerdings wird es im kommenden Semester zunächst nicht überall Präsenzveranstaltungen geben. Vielerorts finden Vorlesungen, Seminare und Sprachkurse online statt. Um dennoch Kontakt mit anderen Studierenden und Einheimischen zu fördern, haben viele Hochschulen ihre Buddy-Programme ausgebaut. So wird beispielsweise die TU Dortmund ihren ausländischen Studierenden virtuelle Campus-Touren und Spieleabende anbieten, berichtet Erasmus-Hochschulkoordinatorin Silke Viol.

Sollte ich meinen Auslandsaufenthalt lieber verschieben?

Ob ein Verschieben des Aufenthaltes sinnvoll ist, sollten Studierende unbedingt mit ihrer deutschen Hochschule sowie mit ihrer Gast-Hochschule im Ausland klären. «Nicht alle Hochschulen garantieren, dass der Studienplatz im Ausland erhalten bleibt, eventuell ist eine erneute Bewerbung nötig», sagt Viol. Das gilt ebenso bei verpflichtenden Auslandsaufenthalten. Auch der DAAD rät davon ab, Auslandsaufenthalte übermäßig zu verschieben, da sich sonst in den kommenden Semestern ein Kapazitätsproblem bei den Hochschulen ergeben könnte.

Wem die Ausreise im Moment zu riskant ist, der kann das Online-Angebot der Gast-Hochschule auch von Deutschland aus nutzen und so seine Kursleistungen erbringen. Als Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD empfiehlt Stephan Geifes Studierenden aber dennoch, im Rahmen der Reiseempfehlungen des Auswärtigen Amtes und unter Einhaltung der Regeln des Gastlandes an ihren europäischen Studienort zu ziehen. Auch, wenn dort vorerst keine Präsenzveranstaltungen stattfinden.

Ein Kompromiss ist die «Blended Mobility», wobei man seine Kurse zunächst online in Deutschland beginnt und erst später ins Ausland reist. Studierende sollten sich hier mit ihrer Fakultät sowie den International Offices ihrer deutschen und ihrer ausländischen Gast-Uni beraten.

Wenn alles online stattfindet, lohnt es sich dann überhaupt, ins Ausland zu gehen?

Fraglos wird das Austauscherlebnis im kommenden Semester anders werden als bisher. Zur interkulturellen Erfahrung eines akademischen Austauschs gehören auch das Studium in der Fremdsprache, sowie das Erleben unterschiedlicher akademischer Systeme. Dies wird online ebenfalls möglich sein. Doch selbst mit Online-Kursen wird man ein Land vor Ort intensiver kennen lernen, als zu Hause am Computer.

Stephan Geifes rechnet damit, dass eine solche Erfahrung sich für Studierende später sogar zu einem Vorteil entwickelt: «Nach Corona wird nichts mehr sein wie vorher. Wir erleben gerade einen großen Schub im Bereich des digitalen Arbeitens auf Distanz. Gemeinsam online mit Studierenden aus verschiedenen Ländern zusammen gelernt und gearbeitet zu haben, könnte sich als eine wertvolle Kompetenz auf dem sich ebenfalls digitalisierenden Arbeitsmarkt herausstellen.»

Was ist mit den Erasmus-Stipendien?

Alle Erasmus-Studenten werden mit dem Erasmus-Stipendium gefördert, auch in diesem Jahr. Ausgezahlt wird es aber erst, wenn sich die Studierenden im Ausland befinden. Bleibt also jemand in Deutschland, erhält er kein Geld, auch wenn er etwa das Online-Angebot seiner ausländischen Gast-Uni nutzt.

Kehrt jemand aufgrund von Covid-19 vorzeitig zurück, hat jedoch noch laufende Wohnkosten im Ausland, wird das Stipendium ebenfalls bis zur ursprünglich zugesagten Höhe weitergezahlt. Auch Stornierungsgebühren werden dann im Rahmen der Gesamthöhe des Stipendiums übernommen.

Hier sollte jeder Student aber vorab genau mit seiner Hochschule sprechen, denn diese Entscheidung liegt letztlich bei den Hochschulen. Das Stipendium bleibt auch erhalten, wenn jemand sich entscheidet, seinen Aufenthalt zu verschieben. Im Rahmen der Möglichkeiten ist ein Auslandsstudium aber auch dieses Jahr lohnenswert.

© dpa-infocom, dpa:200828-99-341511/4

Veröffentlicht am:
31. 08. 2020
04:18 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
31. 08. 2020
04:18 Uhr



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