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Studieren in Niedersachsen wird teurer

Binnen zehn Jahren haben sich die Semesterbeiträge an den Unis in Niedersachsen und Bremen nahezu verdoppelt - und sich dem Niveau der abgeschafften Studiengebühren angenähert. An einigen Elite-Unis ist das Studium günstiger.



Teure Semesterbeiträge an Uni Hannover
Wer in Niedersachsen oder Bremen studiert, muss für die Semesterbeiträge immer tiefer in die Tasche greifen.   Foto: picture alliance / Silas Stein/dpa

Wer in Niedersachsen oder Bremen studiert, muss für die Semesterbeiträge immer tiefer in die Tasche greifen. Binnen zehn Jahren haben sich die Kosten teilweise fast verdoppelt.

So stiegen die Beiträge an der Uni Bremen seit 2010 von rund 200 Euro auf mehr als 380 Euro, an der Uni Göttingen von rund 200 Euro auf etwa 375 Euro. An der Leibniz-Universität Hannover werden sogar fast 410 Euro pro Semester fällig (2010: 274 Euro). Das geht aus offiziellen Zahlen der Universitäten hervor.

Teure Semestertickets

Zu dem Anstieg haben insbesondere teurere Semestertickets geführt, die mittlerweile landesweit gültig sind. Aber auch die Studentenwerke, die unter anderem Wohnheime betreiben, erhalten einen Teil der Gebühren. Die Kosten dafür sind in den vergangenen Jahren ebenfalls gestiegen, in Göttingen etwa von 56 auf 97 Euro. Die Grünen monieren, die Studenten seien mittlerweile finanziell «am Limit».

Die Landesregierung solle daher mehr Geld für die Studentenwerke bereitstellen, fordert die Grünen-Abgeordnete Eva Viehoff. Das Wissenschaftsministerium und Minister Björn Thümler (CDU) irrten in der Annahme, «dass Studierende sich problemlos voll finanzieren können und sich zu 100 Prozent dem Studium widmen». Eine Mehrheit der Studenten müsse sich für den Lebensunterhalt etwas dazu verdienen.

Das Ministerium verweist indes darauf, dass die Studentenwerke bereits seit Jahren eine Finanzhilfe von 16,3 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Damit liege Niedersachsen anteilig über dem Länderschnitt. 2017 und 2018 seien darüber hinaus weitere 11,5 Millionen Euro bereitgestellt worden, um neue Wohnheimplätze zu schaffen.

Kostenlimit gefordert

Die Grünen-Abgeordnete Viehoff fordert zudem, dass das Semesterticket maximal einen Euro pro Tag kosten soll - so wie das von der Regierung in Aussicht gestellte Schüler- und Azubi-Ticket. An einigen Unis kostet das Semesterticket für sechs Monate mehr als 200 Euro. Dafür bekommen die Studenten heute aber auch mehr als vor zehn Jahren: So führt die Uni Lüneburg den erweiterten Geltungsbereich des Tickets, neue Fahrradangebote und ein Kulturticket auf.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) in Oldenburg gibt dennoch zu bedenken, dass der Preis für das Semesterticket auch schon deutlich gestiegen sei, bevor 2018 die landesweite Gültigkeit eingeführt wurde. Das habe der Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen mit höheren Nutzerzahlen und gestiegenen Energie- und Lohnkosten begründet - und mit geringeren Zuschüssen der öffentlichen Hand.

Auf höhere Personal- und Energiekosten verweist auch das Studentenwerk Oldenburg, das einen Anteil von 68 Euro pro Student und Semester erhält. So seien die Personalausgaben binnen sechs Jahren um 20 Prozent gestiegen. Außerdem seien zwei Kitas neu gebaut und eine weitere ausgebaut worden. Mit dem Studentenwerksanteil würden diese Kosten solidarisch verteilt, sagt Pressereferentin Franziska Puczich.

Verschleierte Studiengebühr

Sie sieht einen anderen Hebel: Das Land könne den Verwaltungskostenbeitrag, der in ganz Niedersachsen bei 75 Euro liegt, senken oder abschaffen. «Da hat die Hochschule nichts von», sagt Puczich. Der AStA Hannover bezeichnet diese Gebühr sogar als «verschleierte Studiengebühr», die abgeschafft werden müsse.

Die Leibniz-Universität Hannover erinnert daran, dass das Land die Studierenden mit der Streichung der Studiengebühren zum Wintersemester 2014/15 entlastet habe. Richtig sei aber, dass die Unis unterfinanziert seien, sagt Sprecherin Mechtild von Münchhausen.

Die Studiengebühren lagen von 2006 bis 2014 in Niedersachsen bei 500 Euro pro Semester. Als letztes Bundesland schaffte Niedersachsen die Gebühren dann mit Stimmen von SPD und Grünen ab. Wer die Regelstudienzeit um mehr als drei Jahre überzieht, muss allerdings immer noch 500 Euro für jedes weitere Semester zahlen. Die Semesterbeiträge kamen auf die Studiengebühren noch oben drauf.

Unikosten im Vergleich

Mittlerweile nähern sie sich der 500-Euro-Marke aber auch alleine an. Zum Vergleich: An der Elite-Uni LMU in München werden - dank eines deutlich günstigeren, aber zeitlich begrenzt und nicht landesweit gültigen Semestertickets - gerade einmal knapp 130 Euro fällig. Bei anderen Unis, die bei der Exzellenzstrategie ausgezeichnet wurden, sieht es ähnlich aus. An der Humboldt-Uni in Berlin schlagen die Semestergebühren mit 315 Euro zu Buche, an der Uni Hamburg mit 328 Euro und an der Uni Bonn mit rund 300 Euro.

Der Sprecher der Uni Osnabrück , Utz Lederbogen, sieht vor diesem Hintergrund vor allem zwei Wege zur Entlastung von Hochschulen und Studenten: Eine bessere finanzielle Ausstattung der Universitäten insgesamt. Und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, um «weiteren Kostensteigerungen entschieden entgegenzutreten und die Klimaschutzziele maßgeblich voranzubringen».

Veröffentlicht am:
14. 02. 2020
12:29 Uhr

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dpa

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14. 02. 2020
12:29 Uhr



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