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Stempel und Spurensuche

Entdeckungen zwischen Elbe und Elster: Mit dem Luther Pass lassen sich verschiedene Orte mit Bezug zur Reformationsgeschichte erkunden



In den Orten mit Bezug zur Reformationsgeschichte können sich Reisende ihren Luther Pass abstempeln lassen. Fotos: Andreas Franke   » zu den Bildern

Das Städtchen Mühlberg an der Elbe ist in Deutschland selbst unter Historikern vergleichsweise unbekannt. In Spanien hingegen kennt jedes Schulkind den Ort in Sachsen. Denn hier feierte der habsburgische Kaiser Karl V., zugleich König von Spanien, am 24. April 1547 den militärischen Sieg in der entscheidenden Schlacht des Schmalkaldischen Krieges. Der katholische Herrscher des Heiligen Römischen Reiches befand sich mit diesem Triumph auf dem Höhepunkt seiner politischen Macht. Bis heute kündet davon das prachtvolle Reiterporträt von Tizian im Madrider Prado, das Karl V. als kühn-entschlossenen Feldherrn zeigt.

An der Spitze eines katholischen Bündnisses besiegte der Kaiser in Mühlberg die Truppen des protestantischen Schmalkaldischen Bundes unter Führung des Landgrafen Philipp von Hessen und des ernestinisch-sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich, der in der Folge seine Kurwürde an den Albertiner Moritz von Sachsen verlor. Kaiser Karl V. glaubte, mit dem Sieg bei Mühlberg die Vormachtstellung des katholischen Glaubens im Reich für alle Zeit gesichert zu haben. Doch diese Annahme erwies sich als Trugschluss: Die protestantische Reformation ließ sich durch den militärischen Erfolg nicht mehr unterdrücken und breitete sich weiter aus.

An das historische Ereignis von europäischem Rang erinnert seit 2015 eine Ausstellung in der einstigen Propstei des Klosters Marienstern im Zentrum des Ortes. Hier können Besucher den Verlauf der Schlacht nachempfinden, die auch dadurch entschieden wurde, dass einige spanische Söldner kurzerhand durch die Elbe geschwommen waren und ihre Gegner auf der anderen Seite des Flusses überrascht hatten. An einem interaktiven Schaukasten wird das dramatische Kampfgeschehen aus drei unterschiedlichen Perspektiven geschildert, in weiteren Räumen geht es um Hintergründe und Konsequenzen der Schlacht.

Als ein bedeutender Schauplatz der Reformationsgeschichte in Mitteldeutschland ist das Museum in Mühlberg seit diesem Sommer auch einer der Anlaufpunkte des "Luther Pass". Dieses touristische "Dokument" verbindet insgesamt acht Orte in der Region zwischen Elbe und Elster, dem "Zweistromland der Reformation" im Grenzgebiet der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Der Luther Pass ist gedacht als individueller Reisebegleiter für geschichtsinteressierte Besucher, die sich auf Luthers Spuren bewegen. Besonderer Clou: Wie in einem echten Pass können Reisende in den verschiedenen Städten Stempel sammeln, mit denen ihr Aufenthalt bestätigt wird. Wer alle acht Stempel zusammenhat, kann am Ende sogar an einer Verlosung um den "Spurensucher-Bonus" teilnehmen.

Neben Mühlberg liegt natürlich auch Wittenberg auf der Route des Luther Passes. Der Lebens- und Wirkungsmittelpunkt von Martin Luther steht in diesem Sommer ganz im Zeichen des großen Jubiläums "500 Jahre Reformation", mit dem an die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den Ablasshandel im Herbst 1517 erinnert wird. Neben der Schlosskirche, an deren Portal der große Reformator seine Streitschrift der Überlieferung nach anschlug, gehört zu den wichtigsten Originalschauplätzen der Reformation die Stadtkirche, in der Luther über 30 Jahre predigte. Ein regelrechter Weiheort für Lutheraner aus aller Welt ist das Wohnhaus Luthers. In dessen unmittelbarer Nachbarschaft ist bis Anfang November die überaus sehenswerte Nationale Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze – 95 Menschen" zu sehen.

Wem der Trubel in Wittenberg während des Jubiläumssommers zu anstrengend ist, der kann sich mit dem Luther Pass auch in kleinere, weniger bekannte Städtchen mit Bezügen zur Reformation begeben. Etwa in das mittelalterliche Jüterbog im Fläming, wo vor 500 Jahren der Dominikanermönch Johann Tetzel mit seinen flammenden Predigten die Angst vor dem Fegefeuer schürte und so den Ablasshandel befeuerte – und Luther mit dieser Praxis zu seinem Thesenanschlag provozierte. Oder in das beschauliche Bad Liebenwerda, wo Luther 1519 einen Abgesandten des Papstes aus Rom traf, der ihn überzeugen sollte, seine religiösen Anschauungen
zu widerrufen – bekanntlich ohne Erfolg.

Unbedingt ansteuern sollte jeder Spurensucher auf Luthers Fährte die einstige sächsische Residenzstadt Torgau an der Elbe, ein städtebauliches Juwel der Spätgotik und Renaissance. Beherrscht wird das Stadtbild von Schloss Hartenfels, in dessen Innenhof der Große Wendelstein, eine zwanzig Meter hohe steinerne Wendeltreppe, ein prachtvoller Augenfang ist. Eine Besonderheit ist auch die Schlosskapelle, der erste protestantische Kirchenneubau, von Luther 1544 selbst geweiht. An die Bedeutung Torgaus als ernestinisch-sächsische Residenz, in der entscheidend das Bild des lutherischen Reichsfürsten geprägt wurde, erinnert in diesem Sommer die Ausstellung "Torgau. Residenzstadt der Renaissance und Reformation" im Schloss.

Nicht zuletzt ist Torgau wegen Katharina von Bora, Luthers Frau, ein herausragender Reformationsort. Nach ihrer Flucht aus dem Kloster 1523 gelangte sie über Torgau nach Wittenberg, wo sie zwei Jahre später den großen Reformator heiraten sollte. Als sie 1552, sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes, Wittenberg wegen der Pest verlassen musste, führte auch diese Flucht nach Torgau. Vor den Toren der Stadt aber verunglückte ihr Fuhrwerk, Katharina brach sich dabei den Beckenknochen. An den Folgen dieser Verletzung starb sie wenige Wochen später im Alter von
53 Jahren. Eine Katharina-Luther-Stube erinnert an diese tapfere Frau, in der nahen Marienkirche fand sie ihre letzte Ruhestätte.

 
Hinweise für IHRE Reise:
Ausgabe- und Stempelstationen: Der Luther Pass verbindet acht Städte mit Bezügen zur Reformationsgeschichte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg: Neben Wittenberg, Torgau und Mühlberg/Elbe zählen dazu Jüterbog, Herzberg (Elster), Finsterwald, Doberlug-Kirchhain und Bad Liebenwerda. Der Pass wird in diesen Städten in Touristeninformationen und Museen kostenlos ausgegeben. Wer möchte, kann sich den Pass hier auch jeweils abstempeln lassen. Um an der Verlosung um den "Spurensucher-Bonus" teilzunehmen, muss man alle Reformationsorte besucht haben.
Unterwegs: Besonders attraktiv ist die Region zwischen Elbe und Elster für Radfahrer. Die durch den Luther Pass verbundenen Städte lassen sich über ein gut ausgebautes Radwegenetz auf verschiedenen Touren und Themenwegen gut erreichen. Für Wanderer ist insbesondere die Strecke zwischen Mühlberg/Elbe und Torgau entlang der Elbe reizvoll. Natürlich sind die verschiedenen Orte aber auch mit dem Auto gut zu erreichen.
Übernachtung: Unterkünfte in verschiedenen Kategorien sind überall in der Region zu finden. Nähere Informationen erhalten Sie beim Tourismusverband Elbe-Elster-Land
www.elbe-elster-land.de.
Kultur und Veranstaltungen: Den gesamten Sommer über bis in den Spätherbst hinein sind in den beteiligten Orten eine Vielzahl an Sonderausstellungen im Kontext der Reformation zu sehen. Hinzu kommen Konzerte und Lesungen, Feste und Führungen. Ein guter Überblick zum Angebot findet sich unter www.lutherpass.de/de/aktuelles/.


 
Autor

Klaus Grimberg
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Veröffentlicht am:
23. 06. 2017
12:15 Uhr

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