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Auf dem höchsten Berg Sloweniens

Jeder Slowene, so heißt es, soll einmal den höchsten Berg seines Landes besteigen. Auch wir haben uns auf den Weg gemacht. Eine Reise durch den Nationalpark Triglav.



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Immerhin: Wir müssen nicht raus aufs Plumpsklo. Der Wirt der Stanic-Hütte hat für uns das WC im Haus aufgeschlossen. Eigentlich ist es nur für die Nacht vorgesehen. Aber an diesem kühlen und nebligen Nachmittag Ende Juli hat es sich am Fuß des Triglav eingeregnet. Morgen früh wollen wir hinauf. 2864 Meter, der höchste Berg Sloweniens.

Hinweise für Ihre Reise
Anreise: Mit dem Auto in rund sieben Stunden über die A 10 in Österreich und den Karawanken-Tunnel bis ins Vrata-Tal oder über den Wurzenpass nach Kranjska Gora. Mit dem Flieger von Leipzig-Halle oder Nürnberg bis Ljubljana (Tickets ab 177 Euro), von dort verkehren Busse.
Übernachtung: Zum Beispiel in den Berghütten in den Julischen Alpen – das Niveau ist solide, die Preise moderat. Die Täler sind touristisch gut erschlossen mit Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels. Zum Beispiel 4-Sterne-Hotel Jezero am Bohinj-See (Doppelzimmer ab 47 Euro pro Person). Campingplatz und Pension Klin Lepena liegen direkt an der Soca.
Ausflugsziele: Luftkurort Bled am Bleder See, Alpin-Museum in Mojstrana im Vrata-Tal, Feinschmecker-Restaurant Hiša Franko in Kobarid.
Internet: Das zentrale Informationsportal für Urlaub in Slowenien ist www.slovenia.info.
Informationen zum Nationalpark Triglav unter www.tnp.si, zum Bohinj-Tal unter
www.bohinj-info.com, zum Soca-Tal unter
www.dolina-soce.com und www.bovec.si
(alle Seiten auch deutschsprachig).

Bei Traumwetter war unsere Gruppe unten im Vrata-Tal gestartet. Vor uns die gewaltige Triglav-Nordwand. Noch schnell ein Foto vom Partisanen-Denkmal, einem übergroßen Karabinerhaken. Der Aufstieg über den Tominšek-Weg ist schweißtreibend steil. Aber unser Bergführer Albert drückt aufs Tempo. Wolken ziehen auf. Es gibt nichts Unangenehmeres, als auf einem mit Eisenteilen gespickten Klettersteig in ein Gewitter zu geraten. Also weiter. Erst kommt der Regen, dann der Nebel. Als es direkt hinter uns donnert, laufen die Beine wie von allein. Endlich haben wir die Stanic-Hütte erreicht. Zum Waschen gibt es nur ein Becken und kaltes Wasser. Egal.

Die Julischen Alpen sind der Gebirgsstock rund um den Triglav. Er ist der Mittelpunkt des einzigen Nationalparks in Slowenien. Zumindest bei Ausländern gelten die Berge hier noch als Geheimtipp. Sportinteressierte kennen die Gegend aus dem Fernsehen von den Biathlon-Weltcups in Pokljuka und der Skiflugschanze in Planica.

Das EU-Mitglied Slowenien ist mit rund zwei Millionen Einwohnern zwar klein, landschaftlich aber fein. Von den Julischen Alpen zieht sich das Land bis hinunter zur Adria. Ungefähr auf halber Strecke liegt die Hauptstadt Ljubljana. Große Sehenswürdigkeiten bietet sie zwar nicht. In der Altstadt am Fluss Ljubljanica reihen sich aber hübsch Restaurants und Cafés aneinander. Hier mischen sich die Kulturen zu diesem genussreichen Alpe-Adria-Flair, wie es schon beim Nachbarn Kärnten in Österreich anzutreffen ist.

Auf der Stanic-Hütte dagegen wird deftig gekocht. Zum Abendessen bekommen wir Kartoffelsalat, Sauerkraut und eine fette Wurst. Die Preise auf den slowenischen Berghütten sind mit um die sechs Euro für ein Hauptgericht moderat. Eine Besonderheit der regionalen Küche ist der Buchweizen, der uns zuvor auf der Poštarski-Hütte serviert wurde. Der freundliche Wirt hatte Mühe, verständlich zu machen, worum es sich handelt. Geschmacklich war die dunkelgraue Masse im Nirgendwo angesiedelt, nahrhaft dürfte sie gewesen sein.

Genug Power gab sie, um von der Hütte aus zwei schöne Klettersteig-Touren zu machen. Einmal zur 2332 Meter hohen Mala Mojstrovka, die einen herrlichen Rundumblick bietet. Und tags darauf zum größten Felsenfenster der Alpen am Prisojnik (2.547 Meter). Einige Eisenseile im oberen Teil des Steigs, wo es über rutschiges Geröll geht, waren erneuerungsbedürftig. Das Felsenfenster selbst lässt sich über
Eisenklammern aber gut durchsteigen.

Auch der Triglav-Klettersteig gilt als gut gesichert. Schließlich soll es jeder Slowene einmal auf den höchsten Berg seines Landes schaffen. Jetzt aber ist auf der Stanic-Hütte nicht viel los. Auch Einheimische sind, selbst wenn sie Berge mögen, wohl lieber unten im Tal als in dieser schroffen Felslandschaft.

Urlauber können in "Apartma" (Ferienwohnungen) übernachten. Gehobenes Niveau findet man im Luftkurort Bled am gleichnamigen See, der mit Kasino, Villen und Grandhotel wie ein slowenisches St. Moritz anmutet. Auf der Südseite des Triglav liegt der Bohinj-See. Touristisch ist er gut erschlossen. Malerisch schön ist das Soca-Tal. Auf der italienischen Seite heißt der Fluss Isonzo. Im Ersten Weltkrieg lieferten sich Italien und Österreich-Ungarn an der Isonzo-Front einen erbarmungslosen Stellungskrieg. Selbst Giftgas wurde eingesetzt. Vom Sterben an der Soca künden bis heute Soldatenfriedhöfe, etwa der in der Nähe des Urlauberortes Bovec.

Im heutigen Europa ist der Fluss ein Paradies für Kanuten und Angler. Rafting-Touren werden an jeder Ecke angeboten. Am wilden Oberlauf begleitet ein Wanderweg die türkisschimmernde Soca. Hin und wieder müssen Wanderer den Gebirgsfluss auf schwingenden Hängebrücken überqueren. Mutige wagen ein Erfrischungsbad. Ein Campingplatz befindet sich an der Stelle, wo die Lepenca in die Soca mündet. Flussabwärts in Kobarid wird im Restaurant Hiša Franko international gelobte Feinschmecker-Küche geboten.

Daran denken wir nicht, als wir das deftige Abendessen auf der Stanic-Hütte in uns reinschaufeln. Es gibt nämlich ein Problem. Am nächsten Tag, an dem wir doch hinauf auf den Triglav wollen, sollen die Sicherungsseile des Klettersteigs erneuert werden. So hat es der Hüttenwirt unserem Bergführer erklärt. Albert telefoniert herum. Schließlich bekommt er die Information, dass wir am nächsten Morgen schon um sechs Uhr da sein müssen, damit wir noch durchgelassen werden.

Das bedeutet: Aufstehen um vier. Frühstück um halb fünf. Es gibt Spiegeleier, gebratenen Schinken, Weißbrot und Tee. Zähneputzen? Keine Zeit. Albert drängt. Wir haben noch mindestens eine Stunde Fußmarsch vor uns, ehe wir am Triglav-Haus sind, wo der Klettersteig beginnt. Schweigend schnürt die Gruppe auf dem Pfad durch die Dämmerung. Wir sind müde. Aber Landschaft und Licht sind magisch. Die Zeit wird knapp. Erst zehn nach sechs hasten wir am Triglav-Haus vorbei. Doch wo sind die Absperrungen?

Weit und breit nichts zu sehen. Kein Mensch, kein Hinweis. Und die Stahlseile hängen noch im Klettersteig. Gott sei Dank ist hier nicht deutsche Pünktlichkeit am Werk, sondern balkanische Leichtigkeit. Jetzt aber hinauf. Der Steig ist wirklich gut gesichert. Erst geht es kletternd durch Fels, dann über einen gut begehbaren Grat vom Kleinen zum Großen Triglav. Geübte Bergsteiger halten sich einfach an den Eisenseilen fest. Wir benutzen lieber unsere Klettersteigsets. Durch das Umhängen der Karabinerhaken kommt man zwar langsamer voran, dafür aber sicherer.

Dann sehen wir Aljažev stolp, den Aljaž-Turm. Bei Unwetter bietet das metallene Türmchen maximal vier Personen Platz. Heute dient es nur als Kulisse beim Gipfelfoto an einem strahlend schönen Morgen. Unten in den Tälern liegt Nebel wie Watte. Wir haben es geschafft, wir sind oben. Dobro jutro, Triglav. Guten Morgen.

 
Autor

Eike Kellermann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 03. 2017
19:15 Uhr

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