Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

 

Die Outer Banks in North Carolina

Die Outer Banks in North Carolina galten als Friedhof des Atlantiks. Hier bewiesen die Gebrüder Wright, dass der Mensch fliegen kann. Bis heute haben sich Inseln und Bewohner ihren Charme erhalten.



Verreisen geht wegen der Corona-Pandemie erstmal für unbestimmte Zeit nicht - doch es spricht ja nichts dagegen, sich schon jetzt ein paar Gedanken über den nächsten Urlaub zu machen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit einer Tour über die Outer Banks in North Carolina?

Sorgfältig navigiert Tom Baker den offenen Bus durch die Dünen nördlich von Corolla. Immer wieder muss er ordentlich Gas geben, um im weichen Sand über die Hügel auf den nördlichen Outer Banks in North Carolina zu kommen. Tom ist auf einer Mission. Er sucht die Wildpferde, die hier hinter den Dünen und am Strand leben.

Die Outer Banks sind eine Reihe von Barriere-Inseln vor der Küste von North Carolina im Atlantik. Sie reichen von Corolla an der Grenze zu Virginia bis nach Cape Lookout im Süden.

Tom Baker ist der Typ Haudegen. Solange er in dem windigen Wetter nach den Pferden sucht, erzählt er über sie. Spanische Mustangs seien das, reinrassig. Eigentlich noch so, wie sie vor 500 Jahren von einer gestrandeten spanischen Galeere schwammen und sich hier in den Dünen ansiedelten. Das Schiff ereilte das Schicksal vieler Boote, die hier anlanden wollten: «Man nennt die Outer Banks den Friedhof des Atlantiks, weil es zahlreiche unterirdische Sandbänke gibt, auf die immer wieder Schiffe aufgelaufen sind», erzählt Baker.

«Das Gebiet hier oben gehört den Mustangs», sagt Baker. Straßen gibt es nicht, außer vereinzelten Häusern wurde nichts gebaut. Das Problem bei dieser Tour am frühen Morgen: Der Wind kommt von Nordost - und wenn er aus dieser Richtung kommt, ist er steif und kalt. «Die Pferde verstecken sich - unter den stacheligen Büschen und Bäumchen, windgeschützt in den Gärten der Häuser.»

Ein charmanter Maulesel

Plötzlich herrscht Aufregung im Hummer: Ein Passagier hat etwas gesehen. «Das ist Raymond», sagt Baker erleichtert. Kein Mustang, ein Maulesel. «Aber er denkt, er ist ein Pferd - und schart die Ladies um sich.» Tatsächlich haben sich mit Raymond noch drei Mustang-Damen hinter einem Haus versteckt, die er schließlich zum Strand treibt. «Man sieht die Pferde oft am Strand und sogar im Wasser», erzählt Tom. «Dort kühlen sie sich an heißen Tagen im Meer ab.»

Den Wind mögen die Tiere nicht so gerne, wobei dieser auf den Inseln eine Konstante ist - und der Hauptgrund, aus dem die Brüder Wilbur und Orville Wright 1902 nach Kill Devil Hills aufbrachen.

Die beiden besaßen einen Fahrradladen in Ohio, und sie waren fasziniert von dem, was Otto Lilienthal in Deutschland ausprobierte: fliegen. Sie rechneten und probierten, bauten Teile und rechneten weiter. Schließlich machten sie sich auf die Suche nach einem Ort, an dem es windig ist, mit viel weichem Sand.

Flugversuche am Strand

Die Brüder entschieden sich für Kill Devil Hills. Sie begaben sich auf die lange Reise aus dem Mittleren Westen in die Südstaaten. Orville und Wilbur waren besessen von dem Gedanken, dass der Mensch fliegen kann, und richteten sich am Strand ein.

Am 17. Dezember 1903 gelangen ihnen schließlich vier Flüge. Der längste davon überwand eine Strecke von 852 Fuß, knapp 300 Meter, in 59 Sekunden. Damit war der Versuch geglückt, sogar ein Foto hatte ein Helfer geschossen. Doch die Zeitungen, an die sie ihre Sensation telegrafierten, sprangen nicht auf die Geschichte an.

So vergingen noch einige Jahre, bis die Fliegerei weiterentwickelt wurde und zum modernen Verkehrsmittel avancierte - ganz so, wie es die Brüder immer geahnt hatten.

«First in Flight» steht noch heute auf den Nummernschildern der Autos, die in North Carolina zugelassen sind. In dem Bundesstaat in der Ostküste der USA wurde nicht nur zum ersten Mal geflogen. Es gibt auch noch ein paar andere «Firsts».

Bier nach deutschem Reinheitsgebot

Uli Bennewitz hat seine Premiere selbst in die Wege geleitet. Der Landwirt aus Bad Feilnbach ging in den 1970er-Jahren in die USA. Damals kaufte und verwaltete Land in North Carolina. Irgendwann standen ein paar Hektar in Manteo zum Verkauf. «Prima, da mache ich eine Brauerei auf», dachte der Bayer sich. Das Problem: In North Carolina, einem Staat mitten im sogenannten Bible Belt, war es damals verboten, Alkohol direkt an Konsumenten zu verkaufen.

Die Politiker allerdings fanden die Idee gut, vor Ort ein Bier nach deutschem Reinheitsgebot zu bekommen und änderten kurzerhand das Gesetz. «Heute gehört der Staat zu denen, die die meisten Mikro-Brauereien haben», sagt Bennewitz.

Inzwischen sind die Brauerei und die Gaststätte, die er Weeping Radish (weinender Rettich) genannt hat, nach Grandy umgezogen. In Manteo hatte er immer wieder expandiert, schließlich war zu wenig Platz da. «Ich muss immer wieder die Geschichte erzählen, wie wir im Biergarten den Radi mit Salz essen und am liebsten das salzige Wasser auftunken, das rausläuft», sagt Bennewitz mit einem Grinsen.

Regionale Küche liefern die Fischer, die entlang der Küste der Outer Banks und weiter im Süden ihren Fang an Land bringen. In vielen kleinen Orten kann man die Shrimps, Krabben und Fische direkt vom Fischer kaufen. Oder sich die Meeresfrüchte gleich in einem kleinen, einfachen Restaurant zubereiten lassen.

Eine Gegend wie aus einem Roman

Mustangs, ein Stelzenhaus in Rodanthe, die unberührte Natur auf den südlichen Outer Banks, Fischer und andere besondere Menschen in North Carolina - ganz fremd kommt dem Besucher das alles nicht vor. Zumindest jenen nicht, die sich für die Schmonzetten von Nicholas Sparks begeistern können. Der Autor lebt seit Jahrzehnten in dem Staat - viele seiner Romanverfilmungen spielen dort.

© dpa-infocom, dpa:200504-99-934107/3

Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
16:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bier Biergärten Brauereien Fahrzeuge und Verkehrsmittel Gaststätten und Restaurants Meere Meeresküsten Mittlerer Westen Strände US-Ostküste
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wallabys auf dem Wukalina Walk

10.12.2019

Unterwegs auf Australiens Wukalina Walk

Der Wukalina Walk ist das erste ganz von Aborigines betriebene Tourismusprojekt in Tasmanien. Die Gäste lernen viel über die Kultur und Geschichte der Palawa - und wandern entlang traumschöner Strände. » mehr

Bucht von Cala Sa Nau

09.07.2020

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Reif für die Insel war ich längst. Aber ist die Insel überhaupt reif für mich? Ein Selbstversuch auf Mallorca. » mehr

Anapai Bay

18.02.2020

Neuseelands Abel Tasman National Park

Abel Tasman ist einer der schönsten Nationalparks Neuseelands. Doch viele Tierarten kämpfen ums Überleben. Naturschützer versuchen, dem Park seine alte Vielfalt zurückzugeben. » mehr

Luis do Cruz

31.03.2020

Im «Sterngebirge» das alte Portugal entdecken

Einsame Wanderpfade, Schäfertradition und archaisch anmutende Feste: In der Serra da Estrela erleben Reisende ein Portugal, das woanders längst verschwunden ist. » mehr

Insel Padar

07.11.2019

Bootstour im Komodo-Nationalpark

Die indonesische Insel Komodo mit den größten Echsen der Welt sollte angeblich vorübergehend geschlossen werden. Dazu wird es wohl nicht kommen. Der Nationalpark hat ohnehin noch viel mehr zu bieten. » mehr

Itay Afjin und Barkeeper

17.04.2019

Party auf dem Frühlingshügel - Die ESC-Stadt Tel Aviv

Kilometerlange Strände, Mittelmeerklima, wahnsinnig gutes Essen und ein weltweit bekanntes Nachtleben: Tel Aviv, die Party-Hauptstadt des Nahen Ostens, ist der perfekte Austragungsort für den Eurovision Song Contest. Ein... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
16:29 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.