Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Tauchurlaub auf Selajar in Indonesien

Ein Riff vor der Küste der indonesischen Insel Selajar bietet Tauchern paradiesische Bedingungen. Eine meeresbiologische Schatzkammer finden sie dort vor. Doch das Riff ist in Gefahr - ein Tauchlehrer aus Deutschland kämpft gegen eine explosive Zerstörung.



Meeresbiologische Schatzkammer
Das Riff vor der Küste ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Foto: Selayar Dive Resort   » zu den Bildern

Gerade noch schien es, als würde dies wieder so eine herrlich ereignislose Mittagspause: müde vom Stickstoff abhängen im Palmenschatten. Unvermittelt aber springt Jochen Schultheis auf, rennt über den Strand zum Steg und brettert mit dem Motorboot gen Horizont. Irgendetwas ist da draußen.

Nach einer halben Stunde ist Jochen wieder da. Er und seine Mitarbeiter hieven meterlange Gartenschläuche mit Lungenautomaten auf den Steg. Dazu Plastikflaschen und Kanister, beschwert mit Steinen und gefüllt mit weißem Granulat: die Ausrüstung von Dynamitfischern, die mit Sprengsätzen Fische töten. Tag und Nacht müsse man auf der Hut sein, sagt er. «Sonst ist das Riff hier bald auch kaputt.»

Kaputtes Riff? Wer nur ein bis zwei Wochen in Jochen Schultheis' Tauchresort im Herzen der indonesischen Inselwelt verbringt, kann das nur schwer glauben. Die Tauchplätze genügen höchsten Ansprüchen. Das dem Resort vorgelagerte Korallenriff bietet eine große Artenvielfalt. Denn die Insel Selajar liegt im sogenannten Korallendreieck.

Dieses Gebiet, das grob betrachtet die Philippinen, Papua-Neuguinea und die östlichen Inseln Indonesiens umfasst, ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Bei jeder globalen Bioinventur liegen die Riffe des Korallendreiecks in puncto Vielfalt vorne.

Der Tauchurlaub wäre perfekt, könnte man hier - wenigstens hier - die Bedrohung der Weltmeere ignorieren. Doch die Zeichen des Niedergangs sind unübersehbar: Nicht nur die Fischer setzen dem Riff zu. Zivilisationsmüll kommt nachts mit den Wellen. Die Chipstüten und Plastikflaschen werden jeden Morgen vom Strand geharkt, damit sie die Urlaubsidylle nicht stören.

Dass das Saumriff vor der Südostküste Selajars überhaupt noch in so einem guten Zustand ist, ist auch Jochen Schultheis zu verdanken. Der Tauchlehrer aus Franken kam vor mehr als 20 Jahren eher zufällig vorbei. Eigentlich wollte er eine Tauchbasis im rund 60 Kilometer südöstlich von Selajar gelegenen Meeresnationalpark Taka Bonerate aufmachen. Doch das Tauchen dort habe ihn enttäuscht, sagt er. «Auf dem Rückweg nach Sulawesi haben wir hier geankert - und einfach mal einen Tauchgang gemacht.»

Seit der Jahrtausendwende betreibt Schultheis sein Selayar Dive Resort . Das Riff, genauer: ein Küstenabschnitt von etwa sieben Kilometer Länge, wurde damals auf sein Drängen hin per Gesetz geschützt. Fischen ist verboten. Aber was heißt das schon in Indonesien ? Die Armut ist groß auf abgelegenen Inseln wie Selajar. Solange zahlungskräftige Taucher kommen, wird das Konzept wohl funktionieren.

«Heute Mittag tauchen wir an der Grenze des Schutzgebietes», sagt Jochen, während das Motorboot vom Steg ablegt. Dann legt er den Hebel um. Nach fünf Minuten Gleiten ist der Tauchplatz erreicht. Von oben ist kein Unterschied zu sehen. Die Szenerie unter Wasser ist deprimierend. Das Riff hat seine Farben verloren. Es gleicht einer Halde. Abgebrochene, kalkweiße Korallenstücke bedecken den Boden.

Zwischen dem Schutt schwimmen vereinzelt kleine Fische. Interessanter wird es erst wieder im Schutzgebiet: Eine Seeschlange stellt Riffbarschen nach. Unter einem Überhang döst eine Schildkröte. Dann rummst es dumpf. Dann noch mal. Schall breitet sich unter Wasser viel besser aus als in der Luft. Die Explosionen sind weit entfernt. Noch.

Veröffentlicht am:
28. 03. 2017
05:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Fische Gartenschläuche Korallenriffe Meeresküsten Schatzkammern Sprengsätze Tauch-Urlaub Taucher Tauchlehrer Tauchreviere
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Schnorcheln

11.06.2019

Hai-Schnorcheln und Regenwald in Französisch-Polynesien

«Alles war wie ein Traum» - so besang ein Schlager Bora Bora. Das Atoll in der Südsee ist legendär. Doch die Gesellschaftsinseln haben mehr zu bieten als das Paradies. Ein Bericht am anderen Ende der Welt. » mehr

Casa Masó

22.08.2019

Überraschende Eindrücke im katalanischen Girona

Girona ist viel mehr als ein Ausflugs-Quickie an der Costa Brava. Wer sich Zeit nimmt, erlebt intensiv die Vielgesichtigkeit der katalanischen Provinzhauptstadt am Fluss Onyar. » mehr

Wanderweg Camí de Ronda GR-92

11.06.2019

So schön ist die Costa Brava abseits der Bettenburgen

Betonsünden, Urlaubermassen und Saufgelage prägen das Bild der Costa Brava mit ihrer Partyhochburg Lloret de Mar. Doch im Hinterland entspannt sich die Lage. Zeit für einen Ausflug. » mehr

Andreas Lehn

21.05.2019

Auf Elba wird der Traum vom Jachtsegeln wahr

Wer gerät beim Anblick von Segeljachten in Häfen wie Portoferraio auf Elba nicht ins Träumen? Schließlich vermitteln die eleganten Boote ein Gefühl von Freiheit. Tatsächlich ist es gar nicht so schwer, den Traum vom Jach... » mehr

Flow Vélo endet am Atlantik

14.05.2019

Unterwegs auf dem Fernradweg Flow Vélo

Der neue Fernradweg Flow Vélo von der Dordogne an den Atlantik ist eine Tour de France der besonderen Art: Einsamkeit und Begegnungen, Städte und dörflicher Stille - und ein paar Schlückchen Cognac. » mehr

Menschen am Bootssteg

11.04.2017

Karibischer Schlendrian: Caye Caulker in Belize

Caye Caulker in dem kleinen mittelamerikanischen Land Belize galt lange als typische Insel für Rucksackreisende. Das ändert sich gerade, was einige bekümmert. Das Talent zum Müßiggang aber ist geblieben - ob am Strand, i... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 03. 2017
05:15 Uhr



^